Wie lange sind sie bereits in Florida ansässig und aus welchen Gründen sind sie hier? Welche Visa-Kategorie ermöglicht ihnen den längeren Aufenthalt und gegebenenfalls eine berufliche Tätigkeit? Woraus besteht die jeweilige Lebensgrundlage? Wie eng ist der Kontakt zu den Landsleuten in Florida? Last, but not least: Wie hat sich das Florida-Bild im Laufe des Aufenthalts verändert? Und hat sich der »Florida-Traum«, den wohl jeder Einwanderer im Gepäck hatte, in privater und beruflicher Hinsicht erfüllt?
Die Reaktion auf unsere Umfrage »Auswanderung 07« war überwältigend. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, ihre persönlichen Erfahrungen mit uns und unseren Lesern zu teilen. Natürlich erhebt unsere Studie keinen wissenschaftlich-empirischen Anspruch. Doch entstanden ist ein durchaus repräsentatives Bild der in Florida ansässigen deutschsprachigen Europäer.
1998 lernten sie sich kennen,
in Frankfurt auf der Automobilausstellung: Elisabeth (damals 34) und Christopher (44), die gelernte Einzelhandelskauffrau und der Autohausbesitzer aus Tampa. Neugier zu Beginn, nach einiger Zeit die große Liebe: »So flog ich mit zwei Koffern im September 1999 nach Florida, und wir heirateten Anfang Dezember.« Auch heute, nach fast acht Jahren, bereut die Deutsche diese Entscheidung, alles Vertraute zurückzulassen und noch einmal ganz von vorn anzufangen, keinesfalls: »Ich bin hergekommen, weil ich meinen Mann liebe und nicht ohne ihn sein will. Mein Leben ist hier anders, als es in Deutschland wäre. Doch es hätte ja auch dort vermutlich manche unerwartete Wendung genommen.«
So wie Elisabeth fassen jedes Jahr zehntausende Deutsche den Entschluss, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und ihr Glück woanders auf der Welt zu versuchen. In der Schweiz und Österreich liegt der Prozentanteil ähnlich hoch. Nicht immer ist freilich die Liebe der Grund für diesen Schritt, vielmehr sind bessere Karriereoptionen, ein angenehmerer Lebensstil oder klimatische Bedingungen in den vergangenen Jahren als Beweggründe in den Vordergrund gerückt. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts wanderten 2005 rund 145.000 Deutsche aus. Zugleich sind weniger Deutsche aus dem Ausland zurückgekehrt – das gab es seit Ende der sechziger Jahre in Deutschland nicht mehr. Hinzu kommt: In den Zahlen des Statistischen Bundesamts tauchten lediglich die Deutschen auf, die sich ordnungsgemäß abgemeldet haben. Viele Auswanderer aber scheuen die Umstände der Bürokratie, unter ihnen auch viele Wohlstandsauswanderer – geschätzte 100.000 Rentner, die in Spanien, Südafrika oder eben Florida einen sonnigen Lebensabend verbringen.
Eines steht fest: Die Vereinigten Staaten sind hinter der Schweiz noch immer der deutschen Emigranten liebstes Ziel. Etwa 13.500 Deutsche zogen 2005 in die USA – Tendenz steigend. Mit 23 Prozent bilden Deutschstämmige die größte Bevölkerungsgruppe, rund 60 Millionen US-Amerikaner können in ihrem Familienstammbaum deutsche Vorfahren nachweisen, und in immerhin mehr als 15 Millionen Haushalten wird täglich deutsch gesprochen. Offiziell leben allein in Südwestflorida 50.000 Deutsche, inoffiziell sollen sogar bis zu 200.000 zumindest zeitweise einen Wohnsitz hier haben. Auch viele deutsche Prominente wissen Floridas Sonne zu schätzen: Konzertchef James Last, Daliah Lavi, Boris Becker und der frühere »Bomber der Nation« Gerd Müller, Hans-Dietrich Genscher, Otto Waalkes oder auch Fußball-Ikone Stefan Effenberg sind nur einige, die hier einen Wohnsitz hatten oder haben.
Die Liebe der deutschsprachigen Einwanderer zu Florida dürfte – neben den Motiven Wetter, Lifestyle und Karriere – auch damit zusammenhängen, dass die große Anzahl der Landsleute hier vielen Auswanderern die anfängliche Furcht nimmt, in einem fremden Land die eigene Sprache und Kultur zu verlieren. Ob lokale Vereine und Organisationen oder auch zahlreiche deutsche Kirchen und Schulen, die mittlerweile in nahezu jeder größeren Stadt in Florida anzutreffen sind – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auszutauschen und tausende Kilometer von Deutschland entfernt ein wenig Heimat zu erleben.









