01. 01. 2011
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Auswandern & Visa

Detlev von Kessel: Magier des Lichts

Der alte Eichenbaum wirft angenehme Schatten. Frühlings-Idylle. Wir sitzen im Garten, der Hausherr hat Kaffee serviert. Er lehnt sich zurück und beginnt, jene Folge von Zufälligkeiten zu entknäulen, die sich bei jedem von uns irgendwann zu dem zusammensetzt, was man allgemein so »das Leben« nennt.

Autor: Dirk Rheker

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Also: Geboren ist Detlev von Kessel in Mexiko als Spross einer bekannten Adelsfamilie (seine Cousine ist die Schauspielerin Sophie von Kessel). Er wächst in der Nähe von Düsseldorf auf, die niederrheinische Landschaft weitet den Blick. Alles geht seinen geregelten Gang, von Kessel macht Abitur, studiert Volkswirtschaft in Heidelberg, wird Personalleiter am Johanniter-Krankenhaus in Rheinhausen, später Verwaltungsleiter des Rotkreuzklinikums in München.

So weit, so zielgerichtet. Doch dann – zehn Jahre ist das jetzt her – spürt von Kessel plötzlich, dass er raus will aus dem Hamsterrad von Aufstiegsdenken und Karrierestress. »Ich merkte: Das konnte es nicht gewesen sein!« Gemeinsam mit seiner damaligen Frau entschließt er sich, nach Florida zu ziehen, »weil es uns hier bei unseren Besuchen prächtig gefallen hatte«.

Die von Kessels kaufen ein Haus – und Detlev nimmt erst mal eine Auszeit. »Ich musste meinen Kompass neu einstellen.« Er beginnt zu fotografieren, »ich hatte schon immer eine visuelle Ader«, wie er sagt. Innerhalb weniger Jahre avanciert der Deutsche zu einem der begehrtesten Architekturfotografen an Floridas Golfküste. Kaum jemand versteht es, luxuriöse Anwesen so ins rechte Licht zu setzen wie Detlev von Kessel.

»Irgendwann hatte ich sieben Mitarbeiter, wir haben Tausende und Abertausende von Villen und Appartements fotografiert.« Er entwickelt anspruchsvolle Produkte für jeden, der Immobilien professionell vermarkten will: von virtuellen Rundgängen über aufwändige Luftaufnahmen vom Helikopter bis hin zu Broschüren und Büchern. Inzwischen ist die Firma DK Consulting Group – der Wirtschaftsabschwung ist auch hier nicht spurlos vorübergegangen – wieder auf drei Mitarbeiter geschrumpft.

Aber Detlev von Kessel ficht das nicht an: »Wir sind momentan voll ausgebucht.« Und er bleibt innovativ: So lässt er Makler neuerdings vor dem Bluescreen im Studio ihre Objekte beschreiben und kopiert sie anschließend in die multimedialen Präsentationen. Oder stattet per »Virtual Staging« leere Räume am Computer mit Mobiliar aus.

Mit seiner neuen Lebensgefährtin hat von Kessel auch privat wieder sein Glück gefunden. Und einmal im Jahr ist es fast wieder so wie in alten Zeiten – dann nämlich wenn er sich mit einigen seiner Studienkollegen aus Heidelberg fünf Tage lang zum Pokern trifft. Zuletzt war Detlev von Kessel der Gastgeber. Und als die fröhliche Runde dann beim zünftigen Barbecue unterm Eichenbaum saß, wusste jeder, dass es ihr alter Kommilitone hier nicht ganz so schlecht getroffen hat.

 
  
01. 01. 2011
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