01. 01. 2003
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Auswandern & Visa

Ein Jahr in den USA: Als Praktikant, Highschool-Schülerin und Rechtsreferendar nach Florida

Drei junge Menschen – ein Praktikant, eine High School-Schülerin und ein Rechtsreferendar – die im Herbst 2002 nach Florida gekommen sind, um mehr über das Leben, Arbeiten und die Kultur der Vereinigten Staaten zu erfahren, erzählen von ihren Erlebnissen.

Autor: Daniela Boettcher

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“Florida, das Rentnerparadies” - Was in den 80er Jahren schmunzelnd über den Sunshine-State gesagt wurde, stimmt schon längst nicht mehr. Trotz aufflackerndem Anti-Globalisierungstrend vor allem an deutschen Schulen und Universitäten, wollen immer mehr junge Leute zeitweise in die USA. Gerade weil sie sich mit gesellschaftlichen und weltpolitischen Themen auseinandersetzen, versuchen sie dem Mythos Amerika auf den Grund gehen. Sie nehmen Clichés und Vorurteile nicht unreflektiert an, sondern möchten selbst das Leben in dem Land erfahren, das noch heute als das “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” gilt. Drei junge Menschen – ein Praktikant, eine High School-Schülerin und ein Rechtsreferendar – die im Herbst 2002 nach Florida gekommen sind, um mehr über das Leben, Arbeiten und die Kultur der Vereinigten Staaten zu erfahren, erzählen von ihren Erlebnissen.

Auslandspraktikum in US-Maklerfirma
Martin Junker ist 25 Jahre alt und kommt aus Mönchengladbach. Seit September 2002 absolviert der Student der Wirtschaftswissenschaften ein Praktikum bei der Immobilienfirma International Realty Consultants, Inc. in Naples, wo er sich hauptsächlich um die Gebiete Buchhaltung und Budgetierung kümmert. Er ist seit zwei Jahren an der Fontys Internationale Hogeschool of Economie in Holland eingeschrieben und hofft, sein Studium im Sommer 2004 als Bachelor of Economics beenden zu können.

Im fünften Semester ist ein Praktikum vorgeschrieben, das Martin in den USA absolvieren wollte: “Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, einmal den “American Way of Life” nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag kennen zu lernen. Alles ist so anders hier, ob es das Arbeiten im Büro ist, das Verhalten im Straßenverkehr, in Bars oder im Supermarkt. Ich finde es einfach spannend, einmal in einem außereuropäischen Land zu leben und mich dort zu integrieren.” Dass er während seines Aufenthaltes hier auch seine Englischkenntnisse aufpolieren kann, ist für ihn ein positiver Nebeneffekt. Schwierigkeiten mit der Konversation in der Fremdsprache am Arbeitsplatz hat Martin jedoch nicht, denn viele der Seminare in Venlo werden auf Englisch gehalten, so dass Begriffe aus Wirtschaft, Handel und Marketing kein Neuland für ihn waren, als er im Herbst sein Praktikum in Florida begann.

“Amerika hat mich schon immer gereizt, nicht nur weltpolitisch, auch persönlich. Wir hatten einmal eine amerikanische Austauschschülerin bei uns zu Hause, mein Bruder hat ein Jahr in den USA gelebt, und irgendwie haben so viele Elemente des Lebens in Deutschland ihren Ursprung in Amerika, dass ich schließlich dem Reiz nachgegeben und mich für ein Praktikum in den USA beworben habe.”

Martin hat seine Bewerbung an die Zentrale der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York geschickt und ist von dort aus an die International Realty Consultants, Inc. weiter vermittelt worden. In seinem viermonatigen Aufenthalt konnte er manche Vorstellungen vom Leben in den USA bestätigen, aber auch so manches Vorurteil aufheben: “Was natürlich sofort auffällt, wenn man erst einmal selbst hier arbeitet, ist der Unterschied in punkto Arbeitsbedingungen. Urlaubs- und erlaubte Krankheitstage sind rar, dafür ist das Arbeitsklima unter den Kollegen mehr als angenehm und easy. Man duzt ja alle hier, auch den Chef.” Als besonders angenehm empfindet er, dass er von seinen neuen Kollegen sofort als vollwertiges Teammitglied akzeptiert wurde: “Die Arbeit ist abwechslungsreich und anspruchsvoll, ich erfülle nicht das Cliché des Kaffee kochenden Praktikanten”.

In Martins Augen ist einfach alles in den Staaten “größer und mehr” als in Europa, “der Straßenverkehr ist enorm, dafür aber defensiver als bei uns. Die Öffnungszeiten sind genau umgekehrt: Die meisten Läden hier haben viel länger geöffnet, oft 24 Stunden, aber die Bars in Naples schließen dummerweise schon um 2 Uhr nachts.”

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