01. 01. 2011
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Auswandern & Visa

Erfolgreich: Deutsche Unternehmer in Südwestflorida

Zahlreiche deutsche Großkonzerne haben im Sunshine State inzwischen eine Präsenz, vornehmlich in der Region um Miami. Südwestflorida hingegen ist vor allem unter Gründern und Entrepreneuren aus »Good old Germany« beliebt. Besuch bei einigen der erfolgreichen deutschen Firmen- chefs zwischen Sarasota und Naples.

Autor: Dirk Rheker

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Sonne, Strand, strahlend schönes Wetter – für die meisten Europäer symbolisiert Florida den Traum vom entspannten Urlaub, von Palmwedeln, die sanft in der Brise wehen, vom Baden im türkisfarbenen Wasser des Atlantiks und Golfs von Mexiko. Müßiggang und Erholung eben.

Für andere Menschen ist der Sunshine State aber mehr als »nur« Destination für die schönsten Wochen des Jahres. Für sie ist Florida neuer Lebensmittelpunkt – und im besten Fall so etwas wie neue Heimat. Viele kommen, um ihren Lebensabend in der Sonne zu verbringen. Andere werden von ihren Arbeitgebern zeitlich begrenzt hierhergeschickt. Etwa 250 deutsche Firmen haben sich hier niedergelassen, die großen Konzerne zumeist in Südflorida an der Atlantikküste.

In Südwestflorida dagegen machen Existenzgründer die Mehrzahl der deutschsprachigen Unternehmer aus. »Die Betriebe sind tendenziell eher kleiner, inhabergeführt und besetzen mit ihren Produkten und Angeboten spezifische Nischen«, sagt Rainer N. Filthaut, Präsident der hiesigen German-American Business Chamber. Will sagen: Statt Siemens oder SAP findet man in Südwestflorida vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit deutschsprachigen Besitzern – vom örtlichen Metzgermeister über den Immobilienmakler mit vornehmlich deutscher Klientel bis hin zum Handwerker, der sich mit seiner Qualitätsarbeit »Marke Germany« gegen einheimische Konkurrenz behauptet.

»Viele Deutsche kommen nach Südwestflorida mit einer soliden Ausbildung, einem vernünftigen Geschäftsplan und dem Willen, sich durch die oft schwierige Anfangsphase zu kämpfen«, berichtet Rainer Filthaut. »Insofern stehen ihre Chancen gar nicht schlecht, sich hier durchzusetzen.«

Natürlich hat die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre auch das Leben deutscher Unternehmer zwischen Sarasota und Naples nicht einfacher gemacht. Und nicht jeder gut gemeinte Geschäftsplan erweist sich am Ende als Erfolg versprechend. »Wir haben schon viele Europäer kommen sehen, die am Ende mit der amerikanischen Geschäftsmentalität nicht zurechtkamen«, weiß Filthaut.

Dass die Rahmenbedingungen aber grundsätzlich stimmen, bestätigt Herbert Baum, Gründer von Michelangelo Homes aus Bonita Springs. »Insbesondere die Unterstützung durch die lokalen Behörden bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, vor allem im Bereich der Immobilienwirtschaft«, findet der Münchner Unternehmer, der seit nunmehr fünf Jahren mit seiner Baufirma luxuriöse Villen in Südwestflorida errichtet.

Tammie Nemecek ist die Chefin des »Economic Development Council of Collier County«. Die Organisation hilft bei der Ansiedlung neuer Unternehmen im Landkreis Collier. »Für die Entwicklung unserer Region waren vor allem der Ausbau der Autobahn I-75 und der neue Southwest Florida International Airport von größter Bedeutung«, so die Funktionärin. Tatsächlich war die Aufnahme von Direktflügen von Düsseldorf nach Fort Myers im Jahr 1993 für die deutsche Community in Südwestflorida ein wichtiger Meilenstein. »Ohne diese wären wohl kaum so viele Deutsche gekommen«, glaubt Robert Ball, Chef der Lee County Port Authority, dem Betreiber des Airports (siehe Interview oben). Und auch für die vielen deutschen Unternehmen in der Region ist der Flughafen ein entscheidender Faktor. »Etwa 50 Prozent unserer Flugschüler kommen aus Europa«, sagt Carsten Sturm, Präsident der Flugschule Europe-American Aviation in Naples. »Für die ist es wichtig, eine bequeme Verbindung in die Heimat zu haben.«

Die hohe Dichte an Deutschen, Österreichern und Schweizern ist natürlich für jene Unternehmen unabdingbar, die sich auf eine deutschsprachige Klientel spezialisiert haben, Immobilienmakler zum Beispiel. Hartmut O. E. Meins war mit seiner BMI
International in Cape Coral schon früh in Südwestflorida vertreten. »Natürlich ergibt sich irgendwann eine gewisse Dynamik, die sich selbst verstärkt«, sagt der gebürtige Hamburger. Und meint damit: Hat sich erst einmal eine auf deutsche Kunden ausgerichtete Infrastruktur von Maklern, Immobilienverwaltern, Anwälten, Steuerberatern, Metzgern, Bäckern und Gastronomen etabliert, steigert das die Anziehung auf manche daheim, die sich sonst nicht trauen würden, ein Ferienhaus in Florida zu erwerben oder ganz hierher zu ziehen.

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