Wenzel Lewinsky sagte zu, auch aus einem persönlichen Grund. Seine Ehefrau ist Japanerin, und beide konnten es sich nicht vorstellen, im Heimatland des anderen zu leben. So einigten sie sich auf die USA. Durch seine Universitätsausbildung brauchte Wenzel Lewinsky kein vorheriges Arbeitsverhältnis mit Hellmann vorzuweisen. Nach drei Monaten in der Firma wurde durch einen US-Anwalt ein H1-B-Visum beantragt, von der US-Immigrationsbehörde bewilligt. Mit dem frisch gestempelten Visum in der Tasche startete der Offenburger seine neue Karriere in Miami. Doch mit dem H1-B-Visum ist der 32jährige an Hellmann gebunden. Mal schnell den Arbeitgeber wechseln kann mit diesem Visum zum Eigentor werden. Der Verlust der Arbeitsstelle bedeutet meist den Verlust der Arbeitserlaubnis.
Nach drei Jahren bei Hellmann in Miami beantragte Wenzel Lewinsky im Mai die Verlängerung des Visums für weitere drei Jahre. Das H1-B-Visum kann auf bis zu 6 Jahre verlängert werden, ein kurzer Zeithorizont. ”Aufgrund unseres unsicheren Lebensstatus in den USA haben wir uns ganz bewusst noch kein Haus gekauft”, erklärt der sympathische Manager. Als ein wirklich trauriges Kapitel beschreibt er die folgende Odysee. Dauert die Verlängerung sonst nur wenige Wochen, wartet er schon seit fast drei Monaten auf ein Resultat. Selbst ein darauf hin eingeschalteter Kongressabgeordneter konnte die Akte nicht lokalisieren. Fazit: Die Visumsbehörden scheinen vollkommen überarbeitet zu sein. Das bedeutet, dass Wenzel Lewinsky nicht außer Landes reisen darf. Doch Geschäftsreisen nach Lateinamerika umfassen einen Großteil seines Arbeitsbereiches. ”Es ist eine sehr unbefriedigende Situation, dass man die Behörden nicht kontrollieren kann”, meint er frustriert.
Um genau diesem Visa-Dschungel zu entfliehen, beantragte er vor zwei Jahren die Green Card. Dies ist möglich, wenn man ein H1-B-Visum besitzt und nachweisen kann, dass kein US-Angestellter für den Job qualifiziert ist oder sich beworben hat. Seine Stelle wurde ausgeschrieben, es meldete sich jedoch nur ein unqualifizierter Bewerber. Lewinsky: ”Schon ein komisches Gefühl, wenn man seinen eigenen Job ausschreiben muss.” Die Anwaltskosten für den Green-Card-Antrag von über 5.000 Dollar zahlt er selbst. Auch in diesem Falle werden seine Akten hin und her geschoben. Während Wenzel Lewinsky auf das Interview wartet, muss er ein makelloses Leben nachweisen können. Das heißt, Autofahren über der Promillegrenze kann schon den Rausschmiss aus den USA zur Folge haben. Um den Green-Card-Prozess zu beschleunigen, spielt er Visa-Lotterie, bisher ohne Erfolg.
“Doch meine Zukunft in den USA ist mir das Warten wert”, betont der Manager. In seiner Freizeit versucht er alles auszuschöpfen, was Florida zu bieten hat: Tauchen, Schnorcheln und Hummer fangen, Boot und Kajak fahren, Golf spielen, Restaurant- und Barbesuche ... ”Die Wochenenden sind hier wie ein Mini-Urlaub”, begeistert sich Wenzel Lewinsky. An Miami mag er das lateinamerikanische Flair. Was ihn stört, ist das noch ungelöste Problem der Obdachlosen und die altmodische Verkehrsstruktur. ”Doch Miami ist viel besser, als ich es mir vorgestellt habe”, erklärt Lewinsky, denkt kurz nach und fügt hinzu: ”Man muss nur Deutschland zu Hause lassen.
Anmerkung der Redaktion: Kurz nach dem Erscheinen des Artikels in Florida Sun im Oktober 1999 erhielt Wenzel Lewinsky die Verlängerung des H1-B-Visums.






