01. 01. 2008
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Auswandern & Visa

Soziale Absicherung auf Amerikanisch

In den USA gibt es kein umfassendes soziales Sicherungssystem wie etwa in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern. Das heißt aber nicht, dass es keine staatlichen Sozialleistungen gäbe. Zwar sind diese weder bedarfsdeckend noch existenzsichernd, dennoch bilden öffentliche Sozialleistungen als Ergänzung der privaten Absicherung gegen soziale Risiken einen wichtigen Bestandteil.

Autor: Von Elke Rolff

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Krankenversicherung in den USA
• Medicare ist die öffentliche Krankenversicherung der USA für ältere und/oder behinderte Bürger. Jeder Bürger ab dem Alter von 65 Jahren beziehungsweise jeder als »behindert« anerkannte Bürger kann Medicare in Anspruch nehmen.

• Medicaid ist keine klassische Krankenversicherung, sondern eher eine sozialhilfeartige Leistung. Voraussetzung für den Empfang der Leistungen ist nicht das Erreichen eines gewissen Lebensalters, sondern als Kriterium für die Bedürftigkeit dient eine signifikante Verarmung des Empfängers. Die einzelnen Bundesstaaten organisieren ihre Medic-aid-Programme sehr unterschiedlich. Teilweise werden private Versicherungsgesellschaften mit der Abwicklung beauftragt, mitunter nimmt der Bundesstaat Leistungserbringer wie Ärzte auch direkt unter Vertrag.

Rentenversicherung (Social Security)
Die Rentenversicherung (»Social Security«) umfasst neben Renten für Witwen, Waisen und Behinderte vor allem die Altersrente. Der reguläre Eintritt in die »Social Security« geschieht mit der Vollendung des 65. Lebensjahres. Bereits ab dem 62. Lebensjahr kann die Rente mit entsprechendem Abschlag beantragt werden. Analog dazu kann der Rentner nach Vollendung des 65. Lebensjahres seinen Antrag aufschieben, um einen jährlichen Aufschlag zu beanspruchen. Der Grundanspruch richtet sich nach den geleisteten Einzahlungen und den Jahren. Auch ein Ehepartner, der nie in die Social Security einbezahlt hat, erhält 50 Prozent des Grundanspruchs des Rentenempfängers. Verstirbt dieser, steigt der Anspruch auf 60 Prozent.

Finanzierung von Medicare und Social Security
Sowohl die Social Security als auch Medicare werden über die so genannte FICA-Steuer (Federal Insurance Contributions Act Tax) finanziert. Gegenwärtig zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 7,65 Prozent (6,2 Prozent Social Security, 1,45 Prozent Medicare) des Bruttolohns des Arbeitnehmers in die Kasse. Selbstständige zahlen die vollen 15,3 Prozent alleine. Diese 15,3 Prozent werden auf einen Betrag von 92,35 Prozent des Nettogewinns erhoben. Auf Lohneinkommen, das die Bemessungsgrenze (Social Security Wage Base) übersteigt, müssen keine Beiträge entrichtet werden. Die Bemessungsgrenze lag 2007 bei einem Jahreseinkommen von 97.500 Dollar.

Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung ist in den USA Sache der einzelnen Bundesstaaten und variiert entsprechend. Vorausgesetzt werden aber immer eine Mindestarbeitszeit und ein Mindesteinkommen, das in diesem Zeitraum erzielt worden ist. So muss zum Beispiel in Florida in mindestens zwei Quartalen vor der Arbeitslosigkeit Einkommen in einer Gesamthöhe von mindestens 3400 Dollar erwirtschaftet worden sein. Durchschnittlich liegt die Höhe der finanziellen Unterstützung bei 50 Prozent des letzten Nettolohns und wird für maximal 26 Wochen gezahlt.

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar, sondern dient ausschließlich der allgemeinen Information.

Über die Autorin:
Elke Rolff, Esq. ist deutschsprachige Anwältin bei Diaz Reus Rolff & Targ LLP – Global Expansion Group.
Kontakt: Telefon (786) 235-5000
E-Mail: erolff@drrt.com

 
  
01. 01. 2008
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