01. 07. 2000
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Leben & Gesellschaft

Wichtige Umgangsregeln in Amerika

Amerikaner sind so erzogen, dass es sich nicht gehört, in Gesellschaft ein Thema anzuschneiden, das die anderen oder den Gastgeber in Verlegenheit bringen oder zu Unstimmigkeiten in der Runde führen könnte. Gespräche über Politik, Sex und Religion sind verpönt. Für den Umgang mit Amerikanern gibt es einige wichtige Regeln, die sich alle Gäste des Landes möglichst zu Herzen nehmen sollten.

Autor: Rainer N. Filthaut

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Sie waren als Deutscher mit Amerikanern zum Essen, auf einer Party oder einem Anlass. Es wurde viel geredet, viel gelacht, man hatte Spaß. Sie gehen nach Hause und fragen sich: Über was haben wir eigentlich geredet? Wahrscheinlich über nichts Wichtiges. Man ist zusammen, um sich kennen zu lernen, es lustig zu haben und die gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen. Aber auf keinen Fall ein Thema anzuschneiden, dass zu Kontroversen führen könnte. So sind die Amerikaner nun einmal. Ende der Diskussion.

Wenn Sie einen Amerikaner besser kennen gelernt haben (er wird Sie schnell "my german friend" nennen, doch das hat nichts mit dem Sinn des deutschen Wortes "Freund" zu tun), können Sie sich langsam an Themen herantasten, die etwas heikler sind (aus der Sicht des Amerikaners). Sie werden schnell merken, ob Ihr Gesprächspartner konsterniert reagiert oder wirklich auf das Gespräch eingeht. Bedenken Sie auch, dass die Allgemeinbildung eines Amerikaners weit unter derjenigen eines Mitteleuropäers liegt. Die USA sind so groß, dass man sich als Normalbürger wenig mit dem beschäftigt, was im Ausland passiert. Verständlicherweise, ist es von New York weiter nach Los Angeles als von Berlin nach Moskau.

Das heißt nun nicht, dass die Amerikaner dümmer sind. Sie sind einfach anders. Vieles erscheint auf den ersten Blick und selbst nach Jahren sehr widersprüchlich. Die Deutschen haben in den USA ein gutes Image (vor allem Ingenieure, Techniker, Geschäftsleute). Sie gelten als organisiert, effizient, schnelle Autofahrer, Perfektionisten und als diejenigen, die alles besser wissen. Das Bild des jodelnden Deutschen in Lederhosen mit Bierkrug in der Hand haben nur die wenigsten Amerikaner.

Dem Amerikaner ist es im gesellschaftlichen Umfeld sehr wichtig, ein gutes Verhältnis zu jedem zu haben. Konfrontationen vermeidet er soweit wie möglich. Bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens, möchte er doch am Ende Spaß haben. Belehrendes Verhalten stößt ihm sauer auf und stört sein Bedürfnis nach Harmonie. Europäer sind in Amerika willkommen und werden offen aufgenommen. Schätzen Sie diese Offenheit und Gastfreundschaft!

Jeder Amerikaner ist überzeugt, dass die USA Gottes Land sind. Und er ist stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Nach der Zeit des Vietnamkrieges hat Amerika wieder einen Nationalstolz entwickelt. Bitte respektieren Sie diese Gefühle der Amerikaner, auch wenn sie für uns Mitteleuropäer manchmal etwas zu patriotisch erscheinen.

Meine Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin ist Amerikanerin. Viele meiner Freunde sind Amerikaner. Vor fast 7 Jahren bin ich nach Naples gekommen und habe mich hier eingelebt. Naples ist heute mein Zuhause. Ich betrachte mich als Europäer mit deutschem Pass, als Jugendlicher in die Schweiz gekommen und dort aufgewachsen, viel in der Welt herumgereist und heute in Amerika lebend. Seit 1982 habe ich immer wieder die USA besucht und liebe Land und Leute. Ich habe gelernt (manchmal mit langer Verzögerung und etwas schmerzhaft), dass vieles in den USA anders ist. Ist es anders als in Europa, so heißt dies noch lange nicht, dass eines von beiden schlecht oder falsch sein muss. Zugegebenermaßen ist vieles in den USA komplizierter als in Europa (wer ist nicht schon am hiesigen Bankensystem verzweifelt und wo gibt es um Himmelswillen richtiges Brot?). Dafür ist aber auch wieder vieles fortschrittlicher, einfacher, freundlicher. Wir leben hier in den USA und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es einfacher für mich ist, mich anzupassen und etwas als gegeben hinzunehmen, als zu versuchen 240 Millionen Amerikaner zu ändern und sie zu belehren.

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01. 07. 2000
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