Für Deutsche etwas ungewohnt ist die Unterteilung der US-Finanzdienstleister in Banken und Investmenthäuser. Während in den letzten Jahren die Grenzen zwischen Banken und Brokeragehäusern verschwammen, sind mit Discount- und Onlinebrokern ganz neue Konkurrenten um den großen Anlagekuchen entstanden.
Als jemand, der anfangs im europäischen Anlagegeschäft "groß geworden ist, tun sich folgende markanten Unterschiede im Privatkundengeschäft auf:
1. Auswahl an Anlagemöglichkeiten:
An den zwei US-Börsen NYSE und NASDAQ sind z.B. über 8,000 heimische Aktiengesellschaften notiert, während es alle deutsche Börsen gerade mal auf 883 deutsche AG's bringen. Daraus sind vielfältige Klassifikationen entstanden, so z.B. "Large Caps, Mid-Caps und Small-Caps" oder " Growth und Value". Für US-Investments, insbesondere für Fonds gilt: Damit deutschen Steuerzahlern kein Ungemach seitens des Finanzamtes zuhause wegen US-Anlagen droht, lohnt es sich, einen in diesen Dingern bewanderten Anlageberater ausfindig zu machen.
2. Risikomanagement:
Während risikoarme Portfolios in Deutschland oft mit wenigen, als qualitativ hochwertig angesehenen Positionen gleichgesetzt werden (subjektives Risiko), fokussieren US-Anlagemanager auf Diversifikation mit vielen Positionen über mehrere Branchen. Anlagen werden oft im Hinblick auf die Verringerung des (quantitativen) Gesamtportfoliorisikos ausgesucht. Diese Zahl ist manchmal ebenso wichtig wie die
3. Performance:
In den USA spielt die Ausrichtung an eine vorgegebene Benchmark, z.B. des S&P 500 Indexes (relative Performance) eine große Rolle, während in Deutschland noch das Konzept der absoluten Performance üblich zu sein scheint.
4. Ausbildung der Mitarbeiter:
Während in Deutschland die Banklehre eine solide Grundlage darstellt, haben US-Banker im Retailbereich insbesondere im grenz- oder fachbereichsübergreifenden Geschäft nicht das von ihnen gewohnte Basiswissen. Im reinen Anlagegeschäft hingegen müssen US-Broker entsprechende Lizenzen durch Ablegen von Fachprüfungen erwerben. Diese Nachweise dienen dem
5. Anlegerschutz:
Der US-Anlagemarkt ist sehr viel stärker reguliert als in Deutschland zur Zeit noch der Fall. US-Anlageberater sind verpflichtet, über die finanziellen Verhältnisse, Ziele und Grenzen ihrer Kunden Bescheid zu wissen und dementsprechend geeignete Vorschläge zu machen. Das bringt leider einen ziemlichen Papierkrieg und von Deutschen als teilweise unverschämt empfundene Fragen mit sich. Das amerikanische Wertpapieraufsichtsamt verhängt empfindliche Strafen für Vergehen. Staatliche Behörden sichern im großen Umfang auch die Anlagen von Kunden gegen den wirtschaftlichen Zusammenbruch depotführender Investmenthäuser.
Wer jetzt noch nicht vollkommen verwirrt ist, darf sich auf eine erhebliche Horizonterweiterung freuen. Kapitalmarktreformen in Deutschland haben dort Aktienmärkte belebt, doch stellen die US-Märkte nach wie vor das Maß aller Dinge in Sachen "Investmentvergnügen" dar.
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