12. 12. 2017
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Ferienhaus-Vermietung

Kurzzeitvermietungen in Florida: Anwohner fordern stärkere Restriktionen

Internetportale wie Airbnb haben den Markt für Privatunterkünfte revolutioniert. Während sich manche Wohnungsbesitzer über Einnahmen freuen, klagen Nachbarn über Belästigungen. Die öffentlichen Verwaltungen sind noch dabei, die Gesetze an die neue Situation anzupassen.

Autor: Patrick Pohlmann

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Reisende genießen es heutzutage, nicht mehr auf Hotels, Pensionen oder Jugendherbergen angewiesen zu sein, sondern mit ein paar Mausklicks in aller Welt unkompliziert private Zimmer oder Häuser tageweise mieten zu können. Auch in Florida ist die Zahl der Kurzzeitvermietungen von Wohnungen und Häusern im Wachstum begriffen: Wie News-press.com berichtet, erlebte nach Schätzungen des Florida Departments of Business & Professional Regulation die Zahl der staatlich lizensierten Wohnungen und Häuser, die für weniger als 30 Tage am Stück vermietet wurden, zwischen 2012 und 2016 eine Zunahme von 117.000 auf 131.000. Laut dem Nachrichtenportal könnte die tatsächliche Zahl der privaten Unterkünfte, die 2016 tageweise vermietet wurden, aber noch weit höher gewesen sein, da es im Zeitalter von Airbnb und Co. für jedermann ein Leichtes sei, Zimmer oder ganze Apartments an Feriengäste zu vermieten, ohne dass staatliche Behörden davon etwas mitbekommen.

Doch nicht alle Feriengäste verhalten sich rücksichtsvoll, sodass die regulären Anwohner gerade in Gegenden, in denen es bisher kaum professionelles Gastgewerbe gab, vermehrt unter Lärm und Dreck zu leiden haben. Auf der anderen Seite werfen traditionelle Hotelbetreiber der neuen Konkurrenz vor, den Wettbewerb zu verzerren, wenn sie im Gegensatz zum klassischen Gastgewerbe keine Gesundheits- und Sicherheitsstandards einhalten müsse und keine Bettensteuer abführe. Anwohner wie Hotelbesitzer verlangen von den öffentlichen Verwaltungen daher restriktivere gesetzliche Regelungen bei Kurzzeitvermietungen, während Haus- und Wohnungsvermieter auf ihre unternehmerische Freiheit pochen. Für die Gemeinden wiederum, die sich ihrerseits über die positiven Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft durch zusätzlichen Tourismus freuen, gilt es, sinnvoll zwischen den verschiedenen Interessen abzuwägen.

2011 hatte der Bundesstaat Florida gesetzliche Maßnahmen ergriffen, die es den Gemeinden untersagten, Regulierungen zur Vermietung von Ferienwohnungen einzuführen, sofern sie nicht bereits derartige Gesetze verabschiedet hatten. Da Florida damals noch immer dabei war, sich von der schweren Wirtschaftskrise zu erholen, wollte man Immobilienbesitzern möglichst keine Steine in den Weg legen, die versuchten, ein paar Dollar zu verdienen, und damit möglicherweise einer Zwangsversteigerung entgehen konnten. Zugleich kauften private Kapitalgesellschaften zu dieser Zeit haufenweise Eigenheime zu Schnäppchenpreisen und wandelten einige von ihnen in Ferienmiethäuser und -wohnungen um. In der Folge entstanden in einigen Gegenden regelrechte Mietkomplexe, die wie Hotels betrieben, aber häufig schlecht geführt wurden. 2014 machte der Bundesstaat dann eine Kehrtwendung und verabschiedete ein Gesetz, das den Städten wieder die Befugnis einräumte, Ferienvermietungen auf ihrem Territorium selbst zu regulieren. Davon unangetastet blieb allerdings die Mietdauer. Casey Cook, ein führender Lobbyist der Städtevereinigung Florida League of Cities, setzt sich demgegenüber dafür ein, dass jede Gemeinde über den Grad der Regulierung von Ferienvermietungen entsprechend den Gegebenheiten auf ihrem Territorium frei entscheiden kann. Möglicherweise wird der Senat von Florida sich schon im Januar 2018 erneut mit dem Thema befassen.

Zahlreiche floridianische Städte wie Miami Beach, Fort Lauderdale, Boca Raton und Hollywood haben bereits Anläufe unternommen, Lösungen für die sich aus den Kurzzeitvermietungen ergebenden Probleme zu finden. In Cape Coral hat der Stadtrat im vergangenen Oktober den Entwurf für eine Verordnung abgelehnt, die die Registrierung der Immobilien, eine Gewerbeberechtigung der Vermieter, behördliche Inspektionen sowie eine lokale Kontaktperson für Notfälle vorsah. Zuvor hatten Immobiliengesellschaften, Hausbesitzer und Airbnb-Vermieter sich auf einer öffentlichen Anhörung gegen die Verordnung ausgesprochen. Bereits jetzt verbietet die lokale Immobiliennutzungsverordnung eine Vermietung für Zeiträume von weniger als sieben Tagen, in der Praxis wird diese Regelung aber nicht durchgesetzt. Nach Schätzungen der Firma Host Compliance, die im Auftrag der Stadt die Buchungen über Agenturen zur Vermittlung von Kurzzeitvermietungen beobachtet, gibt es in Cape Coral über 3100 Häuser und Wohnungen, die als Ferienunterkünfte dienen. Vergleicht man diese Zahl mit jener der offiziell registrierten kurzzeitig vermieteten Immobilien, ergibt sich daraus, dass über 2000 der Mietwohnungen und -häuser entgegen der gesetzlichen Vorschrift nicht registriert sind.

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