05. 01. 2017
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Kunst & Kultur

40 Jahre Art Deco Weekend: Miami Beach feiert sein architektonisches Erbe

Pastellfarbene Häuser, geschwungene Linien, gerade Flachdächer und Neonlichter – das markante Design des Art-déco-Viertels von Miami Beach lockt Jahr für Jahr Zigtausende Touristen in die Sonnenmetropole. Der größte noch erhaltene Art-déco-Bezirk der Welt zelebriert im Januar zum 40. Mal den ikonischen Baustil.

Autor: Christine Pierk

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Die weltweite Verbreitung des Art-déco-Stils begann im Jahr 1925. Damals wurde er erstmals auf der "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes", der Weltausstellung des Kunstgewerbes und des Industriedesigns in Paris, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Designer und Architekten zeigten sich begeistert. Auch viele US-Architekten ließen sich von diesem neuen, modernen Stil inspirieren und entwarfen in den Folgejahren Art-déco-Gebäude. Berühmte Beispiele sind das Chrysler Building und das Empire State Building in New York City. Aber auch in Miami Beach war man dem Art-déco-Fieber verfallen. So wurden in den 30er-Jahren fast alle neuen Hotels und Restaurants in Miami Beach im Art-déco-Stil gebaut. Ein wichtiges Element ist dabei die Symmetrie. Die Gebäude sind in der Regel völlig symmetrisch aufgebaut. Hinzu kommen Glasbausteine, Flachdächer, Neonlichter und manchmal auch tropische Elemente, wie zum Beispiel Flamingos oder florale Ornamente an der Fassade.

Insgesamt rund 1000 Art-déco-Gebäude stehen in Miami Beach heute unter Denkmalschutz. Bei einem Spaziergang durch das Art Déco-Viertel von Miami Beach fallen vor allem die  verschieden farbigen Sonnenblenden über den Fenstern auf, die auf den ersten Blick an Augenbrauen erinnern. Da es Klimaanlagen erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab, wollten die Architekten der 1930er-Jahre mit diesen Konstruktionen erreichen, dass im Sommer nicht so viel Sonne in die Zimmer gelangte und sich diese dadurch nicht so aufheizten.

Auch nautische Elemente sind im Art-déco-Viertel zuhauf zu finden. So erinnert das einstige Kultrestaurant Jerry's Deli an der Collins Avenue an ein Dampfschiff. Die Prachtstraße des Art Déco-Viertels ist der Ocean Drive, an dessen Boulevard sich die pastellfarbenen Häuser Seite an Seite aneinanderreihen – das Paradies für Art-déco-Liebhaber. Ein Fotomotiv ist schöner als das andere.

Als dem in den 1970er- und 1980er-Jahren durch Drogen und Kriminalität verrufenen und heruntergekommenen in South Beach gelegenen Stadtteil in großen Teilen der Abriss drohte und es den Plan gab, anstelle der Art-déco-Häuser neue Hotels zu bauen, gründete Barbara Capitman 1976 die Miami Design Preservation League. Der gemeinnützige Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die historischen Gebäude des Art-déco-Viertels von Miami Beach zu bewahren. Einen großen Erfolg konnte die Initiative bereits nach drei Jahren verzeichnen: Über zwei Quadratkilometer von South Beach wurden in das "National Register of Historic Places" aufgenommen.

Für Art-déco-Fans ist eine 90-minütige Tour der Miami Design Preservation League, die täglich angeboten wird, und ein Besuch im Art Deco Welcome Center mit Museum und Geschenkladen am 1001 Ocean Drive ein absolutes Muss. Wer im Januar in Miami Beach weilt, sollte das Art Deco Weekend keinesfalls verpassen. Was vor 40 Jahren als kleines Festival des Vereins begann, ist inzwischen eines der größten Art-déco-Festivals des Landes geworden. Es findet in diesem Jahr vom 13. bis 15. Januar an verschiedenen Orten in South Beach statt. Zu den über 85 Events – von Führungen durch das Viertel, Vorträgen und Konzerten bis hin zu Filmvorführungen, Paraden und Ausstellungen – werden bis zu 150.000 Besucher erwartet.

 
  
05. 01. 2017
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