Swamp Buggy Race: Pferdestärken im Schlamm

Lifestyle, Sport, Naples

Im Reich der Alligatoren, im Süden Floridas, dominieren Wasser und Schlamm, eben Sumpf. Auf Englisch »Swamp«. Dieses unwirtliche Gelände ist seit 60 Jahren Kulisse für einen auf der Welt wohl einmaligen Motorsport-Wettbewerb.

Fahrerin Amy Chesser (links) im Kurvenkampf mit dem späteren Sieger.
(Foto: © Friedrich Schmidt)

Für Rallyes oder Autorennen im herkömmlichen Sinne taugt diese Landschaft nicht: die Sümpfe des südlichen Floridas. Doch Amerikaner sind praktische Leute mit Sinn für Spektakel. Und so haben die Pioniere des »Swamp Buggy Race« südlich von Naples ein überschaubares Oval von etwa 800 Metern erstmal ausgebaggert und dann mit einem Gemisch aus Wasser und Schlamm gefüllt. Wäre ja auch schade, wenn man die Wettkämpfer unerreichbar für die Zuschauer ins Gelände schickt und wartet, wer das Ziel erreicht. So bleiben die Bedingungen für alle gleich, auch wenn die Piloten der kleinsten der sieben startenden Klassen an einigen Stellen buchstäblich ums Überleben kämpfen.

Auch die Zuschauer profitieren davon. An einem geschickt gewählten Platz braucht man auf nichts zu verzichten, weder auf den geliebten Grill, noch auf die spektakulären Kurvenkämpfe und erst recht nicht auf den Augenblick, wenn die Swamp-Buggy-Queen zusammen mit dem Sieger ein schwungvolles Schlammbad nimmt.

Schon zwischen 1930 und 1940 wurden die ersten Wettbewerbe ausgetragen. Damals waren noch keine speziellen Race-Buggys am Start, sondern den Bedürfnissen der Jäger und Ausflügler angepasste Gebrauchsfahrzeuge für das Sumpfgelände. Ab 1949 fanden dann die ersten Rennen mit Wettbewerbsfahrzeugen und Klasseneinteilung statt.

Die Schau beginnt mit der populären Bastlerklasse der hochgelegten Jeeps. Von Beginn an liefern die sich erbitterte Positionskämpfe. Die Entscheidung fällt hier meist am sogenannten Sippy-Hole, dort steigt die Schlammtiefe von den normalen 60 bis 80 Zentimetern auf fast zwei Meter. Nur wer mit viel Gefühl und hoch erhobenem Kopf die Übersicht behält, hat eine Chance, wieder die seichteren Stellen zu erreichen. Für die anderen wird das Hole zum nassen, aber ungefährlichen Grab.

Genauso schwer tun sich die kleinen Klassen zum Teil mit luftgekühlten VW-Boxermotoren. Denen fehlt die Power, um quasi über das Wasser zu fahren. Wenn am Sippy-Hole dann das Heck absinkt und die Schnauze hilfesuchend himmelwärts blickt, laufen die Wetten: Überschlägt er sich, erreicht er das rettende Ufer oder säuft er ganz einfach ab?

Echtes Racing beginnt, wenn beim Start die PS-Monster mit Urgewalt losbrüllen wie entfesselte Raubtiere. Dann reißen bis zu 900 Pferdestärken an den Hinterrädern, die auch einem Raddampfer Ehre machen würden. Die 8-Liter V8-Motoren werden ganz konventionell über einen 4-fach-Vergaser mit Airrestrictor beatmet. Zwischen den Vorderrädern sorgen bei steigendem Tempo zwei (Wasser-)Skis für Auftrieb. Gelenkt wird wie üblich mit den Vorderrädern. Nicht üblich ist allerdings, dass der Bodenkontakt fehlt und die Radscheiben wie Schiffsruder wirken. Dass dies auch richtig funktioniert, erfordert natürlich viel Erfahrung und Abstimmung. Leonard Chesser hatte das besonders gut im Griff, das beweisen seine unerreichten 24 Siege. Er ist deshalb nicht nur vielfacher Weltmeister, er ist »The Godfather of Swamp-Buggy-Racing«.

Leonard hat sich heute vom aktiven Rennsport zurückgezogen, doch seine Erfahrung gibt er an seine hübsche Tochter Amy weiter. Für sie hat es gegen harte männliche Konkurrenz schon zweimal für das Siegertreppen gereicht. Ihr markiger Wahlspruch lautet: »Abenteuer ist ein Geschenk des Lebens.«

Das Ganze ist ein toller, aber relativ ungefährlicher Event. Die Racer erreichen auf den Geraden bis zu 120 km/h, und im Fall des Falles ist Wasser eine ideale Bremse. So bleiben die Zuschauer ungefährdet und haben trotz Grillarbeit und Hamburger-Verzehr alles im Blick.

Die Rennen finden dreimal im Jahr im Süden von Naples an der Florida Sports Park Road statt: am letzten Wochenende im Januar und jeweils am ersten Wochenende im März und im November. Weitere Informationen unter www.swampbuggy.com

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Autor: Friedrich Schmidt