02. 01. 2017
Artikel bewerten
  
Lifestyle

Autoauktionen: Ihr Weg zum Traumschlitten

In Europa finden Oldtimerauktionen meist bei Champagner und Häppchen statt. Ganz anders in Amerika: Im floridianischen Kissimmee etwa zelebrieren Zehntausende Enthusiasten bei Dosenbier und Burgern jedes Jahr im Januar eines der weltgrößten Spektakel dieser Art. Für hiesige Händler wie den gebürtigen Kölner Ralf Bahr bedeuten diese Events Schwerstarbeit.

Autor: Friedrich Schroeder

Left3-disabled Bild 1 von 1 Right3-enabled

Vom 6. bis 15. Januar verwandelt sich Kissimmees Osceola Heritage Park wieder in ein Mekka für Automobilenthusiasten. Über 3000 Fahrzeuge werden dann auf den Mecum Auctions versteigert, fast 93 Millionen Dollar betrugen hier im Januar 2016 die Umsätze. Durch das riesige Zelt schieben sich Zehntausende Besucher, von morgens bis spät in die Nacht kommen Autos aller Preis- und Leistungsklassen unter den Hammer. Muscle-Cars, Hot Rods, Oldtimer, Rennautos, Filmfahrzeuge und immer mal wieder auch ein spektakulärer Neuwagen rollen auf die »The Block« genannte Bühne. Den Spitzenpreis erzielte zuletzt ein Plymouth Hemi Cuda Convertible von 1970 mit stolzen 2.675.000 Dollar. Nicht gerade ein Schnäppchen...

Oder doch? Vor dem Automobilaltar ist ein roter Teppich ausgerollt, dahinter thronen auf einer Bühne die Auktionatoren. Die billigsten Fahrzeuge gibt es für weniger als 10.000 Dollar. Spätestens um die Mittagszeit gehen die Preise auf 30.000 Dollar und mehr hoch, am Nachmittag werden die Summen rasch sechsstellig, und zum Ende des Tages flimmern im Minutentakt Millionenwerte über die Bildschirme im klimatisierten Zelt. Dieses Spektakel lockt nicht nur rund 5000 registrierte Bieter, sondern auch etwa 300.000 Schaulustige an, die an der Tageskasse 30 Dollar Eintritt zahlen. Das Ganze ist eine gigantische Party, Girls in knappen Bikinis, Dosenbier und Fast Food inklusive. Die Auktionatoren halten den Laden auf Drehzahl, sprechen
schneller als Rapper. Um sie auch nur ansatzweise zu verstehen, muss man sich eine Weile einhören.

Bei solchen Anlässen immer dabei ist Ralf Bahr, ein aus Köln stammender Unternehmer, der sich mit seiner Firma Arnold Classic Cars in Deerfield Beach seit über zehn Jahren auf den An- und Verkauf automobiler Schätze jeder Art spezialisiert hat. Stundenlang flaniert Bahr durch die Zeltstadt, inspiziert Ford Thunderbirds und Chevrolet Impalas, studiert die Auktionskataloge, spricht am Telefon mit Kunden, für die er hier unterwegs ist. Und bietet selbst mit, wenn in den neun Tagen besonders reizvolle Gefährte unter den Hammer kommen – entweder für seine Firma oder im Auftrag von internationalen Klienten, für die das Bieten hier oftmals mit zu viel Bürokratie verbunden ist, da sie dafür von ihrer Bank einen Kapitalnachweis benötigen. »Mit so vielen Jahren Erfahrung im Rücken erspare ich mir und meinen Kunden die typischen Fehler, die Anfänger auf solchen Veranstaltungen gerne machen«, sagt Ralf Bahr. Womit er natürlich meint, dass viele Autofans im Eifer des Gefechts und im Überschwang der Gefühle gerne mal alle Vernunft über Bord werfen und sich zu Geboten hinreißen lassen, die mit dem wahren Wert der Objekte nichts mehr zu tun haben.»Automobile sind für viele Menschen halt eine sehr emotionale Sache«, sagt der Profi-Händler.

Bei Arnold Classic Cars in Deerfield Beach begutachten wir die jüngsten Beuteobjekte von Ralf Bahrs Streifzügen. Wir bewundern einen Excalibur Phaeton von 1989 und einen Chevrolet Bel Air Convertible von 1957, inspizieren einen Chrysler Town & Country Woodie Roadster von 1946 und einen Ford Custom Pickup von 1940, sitzen zur Probe im roten Ford Mustang Mach 1 Fastback von 1969. Und spiegeln uns im üppigen Chrom eines Oldsmobile Ninety-Eight Convertible von 1941. PS-Leckerbissen, die echten Aficionados das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Bahrs Kunden
pilgern aus der ganzen Welt hierher, um einen dieser Klassiker zu erwerben.

Sein Rat an all jene, die sich auf einer großen US-Auktion ihren Traum von einem Muscle-Car, Hot Rod oder Oldtimer verwirklichen wollen? »Arbeiten Sie mit einem renommierten Händler vor Ort zusammen, der sich mit dem Bietverfahren, der Abwicklung und der Verschiffung auskennt. Sonst kann die Begeisterung für Ihren Traumwagen schnell in Katzenjammer umschlagen.«

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
  
02. 01. 2017
Artikel bewerten