19. 03. 2009
Artikel bewerten
  
Golf Special

Blind Hole, Birdie und Backspin: Meine erste Golfstunde in Florida

Zum 30. Geburtstag bekam unsere Autorin Anja Liesner von einem golfbegeisterten Freund ein ungewöhnliches Geschenk: einen Gutschein für eine Trainingsstunde mit einem persönlichen Golftrainer ihrer Wahl. Zunächst hielt sich ihre Begeisterung in Grenzen, doch dann traute sie sich aufs Grün und erlebte eine Überraschung. Ein Erlebnisbericht.

Autor: Anja Liesner

Left3-disabled Bild 1 von 3 Right3-enabled

Samstagvormittag 11 Uhr in Miami. Ein wundervoller Tag. Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, eine leichte Brise und angenehme 26 Grad. Die bis ins letzte Detail gepflegt Golfanlage mit ihrem luxuriösen Clubhaus, den saftig grünen Golfplätzen und dem dennoch lockeren und entspannten Florida-Style könnte schöner nicht sein. Die Zeit war reif für meine allererste Trainingsstunde.

An der Bar in der Empfangshalle begrüßen sich die Damen mit Küsschen und zeigen sich gegenseitig ihre neu erstandene Golfgarderobe, während sich die Herren angeregt über ihr Handicap unterhalten. Nachdem ich meine persönlichen Sachen in der eleganten Umkleidekabine, die in dunklem Edelholz gehalten ist, verstaut habe, treffe ich meinen Golftrainer Marc. Er wartet schon auf mich und begrüßt mich herzlich und gut gelaunt.

Natürlich habe ich mich – so gut es geht – auf die erste Golfstunde meines Lebens vorbereitet. Ich muss zugeben, ich bin schon ein bisschen nervös. Aber keine Angst, denke ich mir, das Outfit ist perfekt und auch mit den Fachbegriffen des Golfsports habe ich mich schon mal vertraut gemacht. Blind Hole, Birdie oder Backspin – keiner dieser Begriffe bringt mich in Verlegenheit, und das sollte mein Unwissen auf dem Platz auf jeden Fall kompensieren und mich wenigstens einigermaßen gut aussehen lassen. Nach einigen Aufwärmübungen, die für Außenstehende bestimmt seltsam aussehen, laut meinem Trainer Marc aber extrem wichtig sind, steht der erste Abschlag kurz bevor. Doch als ich den Schläger in die Hand nehme erwartet mich die erste Überraschung. Als Linkshänder benötigt man nicht nur spezielle Dosenöffner, Scheren oder PC-Mäuse, sondern auch einen speziellen Golfschläger. Und ein Spitzen-Golflehrer von Welt ist natürlich bestens auf solche Eventualitäten vorbereitet und hat innerhalb weniger Minuten ein komplettes Golfset speziell für Linkshänder organisiert. Ich bin schwer beeindruckt und es kann losgehen.

Der kleine weiße Ball liegt bereit zum Abschlag. Das Eisen liegt mehr oder weniger locker in der Hand und ich bin bereit für meinen ersten Versuch. Ich hole Schwung und schlage – leider daneben. Nicht selten beginnt so eine Golfstunde für absolute Anfänger, beruhigt mich mein Trainer, als er meinen verdutzten und enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkt. Nach dem zweiten Schlag, der übrigens auch daneben geht, kommen erste Selbstzweifel auf. Im Fernsehen sieht das alles immer so einfach aus. Abschlagen, putten, einlochen und fertig. Nein, nicht wirklich. Sehr schnell bemerke ich, dass ohne eine Menge Geduld, Konzentration und Aufmerksamkeit gar nichts läuft.

Jetzt ist Marc an der Reihe. Zuerst erfahre ich alles über die richtige Griffhaltung. Der Schlag hat wenig mit Kraft zu tun, es ist vielmehr eine Frage der Technik, erklärt Marc und zeigt mir mal, wie es richtig geht. Der Ball fliegt mindestens 500 Meter – nein, nein so weit war es nun doch nicht – eher 150 Meter, doch ich bin schon wieder zutiefst beeindruckt. Ob ich das auch jemals so hinbekommen werde? Zu diesem Zeitpunkt glaube ich nicht wirklich daran. Aber trotzdem. Nicht unterkriegen lassen ... so jetzt bin ich dran, doch noch bevor ich abschlagen kann, stoppt mich Marc schon wieder. Ich solle meine Körperhaltung korrigieren. Gesagt, getan. Füße schulterbreit auseinander, dann locker und entspannt in die Knie gehen und den Blick konzentriert auf den Ball richten.

Jetzt wird es spannend, denn nach den Trockenübungen kommt erneut der Ball ins Spiel. An dieser Stelle muss ich unbedingt mal mein Fachwissen einfließen lassen. Wussten Sie, dass der Golfball ohne seine Mulden, die in der Fachsprache Dimples genannt werden, nur 50 bis 70 Meter weit fliegen würde? Ein guter Ball hat bis zu 400 Dimples. Nur mal so am Rande … Marc wusste es. Natürlich wusste er es.

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
  
19. 03. 2009
Artikel bewerten