Viele Floridianer winken müde ab, wenn von einem Ende des Embargos die Rede ist. Nach dem Fall der Sowjetunion 1991 wurden in Miami zig Pläne für eine “Wiedervereinigung” geschmiedet. Doch Kubas Präsident Fidel Castro, 76, hat mittlerweile neun US-Präsidenten überlebt, sitzt trotz Embargos fest im Sattel und erfreut sich anscheinend immer noch guter Gesundheit.
Aber diesmal ist’s anders: Die Hoffnungen konzentrieren sich nun nicht auf ein Ableben Castros, sondern auf ein Ende des sklerotischen Embargos im US-Kongress. Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt machen Farmer und Agrarkonzerne aus dem Mittelwesten Druck im Kongress, der immer größere Löcher in die Blockade Washingtons gegen Kuba schießt. Selbst ein Pro-Embargo-Politiker wie Republikanerführer Dick Armey hat der Blockade im vergangenen Herbst deshalb nur noch ein Jahr Restleben vorausgesagt. Auch der republikanische Erdrutschsieg in den November-Kongresswahlen und Bushs Fast-Zuordnung Kubas zur “Achse des Bösen” haben den Druck der Farmer kaum verringert. Sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat haben in den vergangenen 24 Monaten wiederholt mehrheitlich für weitere Lockerungen von Embargo-Gesetzen gestimmt. Und ausschlaggebend für das Embargo ist der Kongress, nicht das Weiße Haus. Denn das Embargo ist im Laufe der 90er Jahre von einer Exekutivorder in Gesetze mutiert.
Die 14 Millionen Floridianer haben sich, seit Präsident Dwight D. Eisenhower vor mehr als 40 Jahren das Handelsembargo gegen das kommunistische Kuba verhängte, mit einer Existenz am geografischen Rand der USA abgefunden. Kuba, mit seinen 11 Millionen Einwohnern, erscheint auf den meisten lokalen Landkarten entweder überhaupt nicht oder als weißer Fleck. Doch viele Floridianer werden sich bald in Richtung Süden wenden, ob sie wollen oder nicht.
Die Wirtschaft in Florida – so die gängige Vorhersage – wird einer der Hauptgewinner einer Öffnung Kubas sein. Florida würde bei einem Ende des Embargos seine Randstaatsexistenz gegen eine zentrale Rolle in der Mitte der Karibik eintauschen. Vor allem Flughäfen und Häfen in Miami, Fort Lauderdale, West Palm Beach, Orlando, Tampa, Jacksonville und Pensacola dürften dadurch einen kräftigen Schub bekommen. Bei einiger völligen Öffnung Kubas könnten der Tampa International Airport oder der Southwest Florida International Airport in Fort Myers zu Umschlagplätzen für kubanische Güter und Passagiere werden, die den schon jetzt notorisch verstopften Flughafen in Miami umgehen wollen. Die Häfen von Tampa und Port Manatee an der Tampa Bay könnten, dank ihrer geografischen Nähe zu Havanna, zu den wichtigsten US-Häfen für kubanische Massengüter aufsteigen. Die Innenstädte von Tampa, Bradenton, Fort Myers und Key West könnten dank Fährverbindungen nach Kuba weitere Impulse bekommen. Analysten glauben, dass in einer ersten Phase vor allem Massengüter wie Baumaterialien für Infrastrukturprojekte gefragt sein werden.
In einer zweiten Phase, wenn US-Besucher das Tourismusgeschäft in Kuba verdoppelt haben, könnte dann der Schwerpunkt zu Konsumgütern wechseln. In einer dritten Phase würden kubanische Exportgüter durch Florida fließen. Kuba könnte auch zu einem wichtigen Fertigungsstandort für Industriefirmen werden, mit einem stetigen Hin und Her von halbfertigen und fertigen Waren zwischen den beiden Ländern. Der potenzielle Fluss von US-Touristen nach Kuba wird auf etwa eine Million pro Jahr geschätzt, wovon viele aus Florida kommen oder zumindest in Florida Zwischenstation machen.
Auch für ausländische Firmen würde ein Auftauen der US-kubanischen Beziehungen den Standort Florida attraktiver machen. Schon jetzt haben einige europäische Firmen ihre Kubamanager nach Miami verlegt. Der Kubachef einer größeren deutschen Spedition ist zum Beispiel schon vor zwei Jahren ohne großes Aufsehen von Kanada nach Miami umgezogen. Charter-Airlines wie Condor oder LTU könnten, anstatt teure getrennte Routen nach Kuba und Florida zu fliegen, Florida in ihre Kubarouten einbauen.





