Im National Hotel hat man ein Problem. Und zwar immer dann, wenn Stars und Sternchen in ungewöhnlich großer Zahl in South Beach Miami einfallen. Denn die wollen gewöhnlich nur das eine: das sich über drei Stockwerke erstreckende, 280 Quadratmeter große Penthouse des Hotels.
Das einzige wohlgemerkt, das die Nobelherberge, die im Herzen des Art Deco Districts liegt, zu vermieten hat. Für Millionenerbin Paris Hilton und Rap-Star Lil' Kim hieß es während der MTV Music Awards deshalb auch: "Leider schon vergeben". So wie für zahlreiche andere Showgrößen auch (wer letztlich "im Haus auf dem Dach", so die lexikalische Defintion für ein Penthouse, residieren durfte, hielt das Hotel streng geheim). Und Agenten diverser Schauspieler telefonieren sich, wenn große Film- oder Musikproduktionen in Miami und rund um seine Strände geplant sind, die Finger wund. "Wir haben nur ein Penthouse – und das ist manchmal leider zu wenig", tönt es aus dem Büro von General Manager Jeff Lehman. Der in solchen Situationen mit Wiedergutmachungsgeschenken wie Gratis-Übernachtungen versucht zu retten, was an der Gunst der Stars noch zu retten ist.
Die Faszination der Reichen und Schönen am "Haus in den Wolken"? Die liegt nicht nur in seinem stolzen Preis begründet, sondern auch am Eitelkeitsfaktor. "Ganz oben" zu wohnen signalisiert eben, dass man ganz oben angekommen ist in punkto Karriere oder sozialem Status. Denn: Warum sich mit der Präsidentensuite zufrieden geben, wenn es eine Steigerung – und ein eigenes Reich, das sich über den ganzen Dachgrundriss zieht – gibt? Und wenn das Haus in den Wolken über eine Kirschholztreppe, drei Schlafzimmer, dunkle, polierte Holzböden und weiße Designersofas verfügt, ist klar, was beim Concierge gefordert wird (vom Badezimmer mit grauen Mosaikfließen, oder dem riesigen Plasma-TV ist hier noch gar keine Rede).
Auch andere Luxushotels in Florida haben Lunte gerochen – und rühren die Werbetrommel für ihre Penthäuser. Das Delano-Hotel, ein Nachbar des National, lockt die Schickeria mit einem Traum in weiß: Vom Sofa bis zum Esstisch ist alles in Crème gehalten. Lediglich ein paar grüne Pflänzchen, höchst stilvoll an der Wand montiert, unterbrechen das 460 Quadratmeter große, helle Reich. Pop-Diva Jennifer Lopez soll mit Ehemann Marc Anthony im Delano-Penthouse mehr Zeit verbracht haben als in ihrer eigenen Residenz in Miamis North Bay Road. Lenny Kravitz, Sangesbarde und alterndes Sexsymbol, hat sich ein Penthouse im "The Setai" Hotel gekauft. Ein Aufnahmestudio und eine Art großes, gemütliche Zweit-Wohnzimmer soll er da oben über den Wolken eingerichtet haben. Weil ihn der atemberaubende Ausblick (und Annehmlichkeiten wie Rainfall-Duschen und Aqua di Parma Kosemtikprodukte, die im Bad stehen) angeblich so inspirieren.
Der Run auf Penthäuser in Südflorida lässt sich nicht allein mit dem fantastischen Meerblick und den palmengesäumten Stränden begründen. Auch die Bauweise der Region spielt eine große Rolle. In South Beach etwa, dort, wo der Ocean Drive sich in die Länge zieht, ragen Häuser und Hotels noch nicht hundert Stockwerke (wie etwa in New York City) in den Himmel. Wer hier auf ein Luxus-Mini-Haus aufs Dach baut, bekommt das Gefühl, der Himmel gehört ihm noch ganz allein. Ein Himmel, der in den seltensten Fällen grau und verregnet ist, sondern schon beim Aufwachen via vollverglasten Wänden strahlend blau ins Schlafzimmer lacht.
Allerdings muss – trotz allen Hochgesangs – erwähnt werden, dass sich Penthäuser, vor allem in Hotels, selten rechnen. Der Quadratmeter-Nächtigungspreis ist in kleinen Suiten oder Zimmern mit höherer Buchungsrate einträglicher. Penthäuser in Hotels stehen wegen ihres hohen Preises oft leer. Fazit: Sie werden für Parties, Empfänge oder Ähnliches vermietet. Und (was Hotelmanager nur selten offen zugeben) an Prominente gratis für ein, zwei Nächte abgegeben. Unter der Bedingung, dass man Details des Aufenthalts der Presse flüstern darf – was Gratiswerbung und erhöhtes Ansehen bei der Klatsch- und Fachwelt bringt.











