02. 01. 2017
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Josef Zimmermann: Hier kocht der Chef

Ein Feinschmeckerlokal mit gefeierter toskanischer Küche – in dieser eher zweifelhaften Gegend? Ein Küchenchef, der sein Handwerk (oder besser gesagt, seine Kunst) im renommierten Brenners Park-Hotel in Baden-Baden gelernt hat, ehe er im Hotel Monte Rosa in Zermatt und im Dorint Hotel von Inzell für anspruchsvolle Gäste kochte, um schließlich als Executive Chef im Pfister Hotel von Milwaukee zu kulinarischer Höchstform aufzulaufen – ausgerechnet hier, in dieser seelenlosen »strip mall«? Tatsächlich würde kaum jemand in diesem Viertel von Fort Myers ein Restaurant vermuten, vor dem sich am Wochenende schon mal Mercedesse der S-Klasse an Bentleys und Ferraris reihen, während sich ihre Besitzer drinnen von Küchenchef Josef Zimmermann verwöhnen lassen.

Autor: Dirk Rheker

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Eine herzliche Begrüßung durch den Patron – und schon nimmt man an einem der Tische von Sasse’s Restaurant Platz. In warmen Rottönen getünchte Wände sorgen für Toskana-Flair, durch den Speiseraum wabert der Duft mediterraner Gewürze. Zeit, über die Menüfolge nachzudenken. Dürfen es als Vorspeise Schnecken in Gorgonzolasoße sein? Hausgemachte Ravioli mit San-Marzano-Tomaten? Oder vielleicht Prince-Edward-Island-Muscheln in Safrancreme? Soll man als Hauptspeise »scaloppina« vom Kalb in einer Zitronen-Kapern-Sauce wählen? Schweinefilet nach toskanischer Art an einer Ziegenkäse-Polenta und Paprikaragout? Oder doch lieber den legendären »Osso buco alla Milanese« mit feinem Safranrisotto? Fragen über Fragen. Aber solche der überaus angenehmen Art. Denn was Josef Zimmermann hier mit Leidenschaft, Liebe und kulinarischem Genie an Highlights kreiert, zergeht einfach auf der Zunge. So authentisch findet man derlei sonst wohl nur in Mailand, Siena oder Montepulciano. Und man muss vermutlich wie Zimmermann einen italienischen Großvater haben, um dieses feine Gespür für die toskanische Geschmackspalette zu besitzen und diese stets neu zu variieren.

»Wenn ich am Herd stehe, verspüre ich keinerlei Stress«, beantwortet der Chef die ungläubige Frage des Besuchers, wie er es schaffe, sowohl zum Mittagstisch als auch am Abend seine Gerichte mit höchster Präzision auf den Teller zu zaubern. »Das Strahlen in den Gesichtern meiner Gäste ist am Ende des Tages jede Mühe wert«, sagt er. Wohl wahr!

 
  
02. 01. 2017
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