01. 01. 2011
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Lifestyle

Karl & Gisa Geier: Nach Hausmacher Art

Wäre die Formulierung nicht so schrecklich abgegriffen, käme man bei diesen beiden nicht umhin zu sagen, dass es in ihrem Leben stets »um die Wurst« gegangen ist.

Autor: Dirk Rheker

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 Aber wenn einer wie Karl Geier schon von seinem Vater im fränkischen Selb das Metzgerhandwerk erlernte, dann mit Gattin Gisa seit Mitte der sechziger Jahre in Detroit eine Fleischerei betrieb und seit 1982 von Sarasota aus den Sunshine State mit feinen Wurstwaren (und mehr) beliefert, dann darf man schon mal in die rhetorische Mottenkiste greifen. Karl und Gisa Geier hätten sicher nichts dagegen. Haben sie mit ihrem Schinken, Aufschnitt, Kasseler & Co. doch ein kleines Imperium aufgebaut, das heute rund 40 Leute beschäftigt. »War harte Arbeit«, sagt Gisa Geier im Gespräch, »manchmal 60 oder 70 Stunden pro Woche. Aber es hat sich gelohnt!«

Nach Florida kamen die Geiers eher zufällig, als sich Karl Geier Anfang der achtziger Jahre von seinem langjährigen Geschäftspartner trennte und einen Neuanfang wagen wollte. »Wir hatten an Colorado Springs gedacht. Oder auch an Orlando«, sagt er. Dass es am Ende Sarasota wurde, lag an einer durchaus einleuchtenden Überlegung. »Ich wusste, dass viele der beim Ringling-Zirkus angestellten Akrobaten Deutsche waren. Da dachte ich mir: Die haben sicher Appetit auf eine gute deutsche Wurst!« Karl Geier schmunzelt – und aus seinen Augenwinkeln blinzelt ein gerüttelt Maß jener Bauernschläue, die auch im Ausland immer wieder wichtiger Garant des geschäftlichen Erfolges ist.

Die hausgemachten Produkte aus »Geier’s Sausage Kitchen« am Tamiami Trail jedenfalls erwiesen sich über die Jahre als ausgesprochen beliebt, nicht nur innerhalb der deutschen und europäischen Gemeinde Sarasotas, sondern auch bei Amerikanern, die eine gute »Coarse Sausage« oder einen herzhaften »Westphalian Ham« zu schätzen wissen. Sogar Disney World in Orlando beliefern die Geiers inzwischen mit feinen Wurstwaren und verschicken ihre Produkte auf Wunsch auch an Kunden in ganz Amerika.

Jetzt nachdem die Töchter Judy und Carolyn mehr und mehr das Geschäft übernommen haben, können Karl und Gisa Geier etwas kürzer treten und sich ihren Hobbys widmen. Reisen vor allem. Im bequemen Wohnmobil durch ganz Amerika. In ihr Ferienhaus hoch oben in Michigan. Oder in ihr luxuriöses Anwesen in Südafrika am Strand des Indischen Ozeans, das sie sich vor ein paar Jahren zugelegt haben. »Wir fliegen ja schon seit Jahrzehnten regelmäßig nach Afrika«, erzählt der passionierte Großwildjäger Karl Geier. Um dann in Ländern wie Simbabwe, Sambia oder eben Südafrika auf die Pirsch zu gehen. »Ich weiß schon gar nicht mehr, wohin mit den vielen Trophäen«, lacht Gisa, die ihren Mann auf seinen Safaris begleitet, aber nach gut zwei Wochen meist wieder auf Rückkehr drängt. »Weil Florida in all den Jahren halt unsere Heimat geworden ist.«

 
  
01. 01. 2011
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