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Miami Circle: 2000 Jahre alte Geschichte zwischen Wolkenkratzern

Das “Historical Museum of Southern Florida” in Miami hat gerade eine faszinierende Ausstellung eröffnet, die ein Stück mystisches Altertum in das postmoderne Miami bringt. “First Arrivals” (Erste Ankünfte) lautet das Thema der Ausstellung, die sich mit einer Zivilisation beschäftigt, die nicht mehr existent ist: den Tequesta-Indianern, die vor über 2000 Jahren in der Indianerstadt Tequesta an der Mündung des Miami River lebten. Vor vier Jahren wurden die antiken Schätze bereits ausgegraben. Jetzt sind sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

Autor: Daniela Boettcher

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Ende 1998 kam genau an der Stelle, wo einst dieser Stamm beheimatet war, eine Reihe altertümlicher Schätze zu Tage, unter anderem primitive Steinäxte, verzierte Tongefäße und viele andere Funde, als der Landvermesser Ted Riggs mitten in Downtown Miami in der Nähe der Brickell Avenue zufällig eine Entdeckung machte. Auf einer unbebauten Fläche zwischen Wolkenkratzern und Bürogebäuden, auf der ein neues Hochhaus mit luxuriösen Eigentumswohnungen errichtet werden sollte, fand er zunächst eine Reihe von fünf symmetrisch im Halbkreis angeordneten großen Löchern, eingelassen in eine riesige Steinplatte dicht unter der Erdoberfläche. Daraufhin zog Riggs den renommiertesten Archäologen Südfloridas, Bob Carr, zu Rate und ordnete eine Untersuchung der gefundenen Kerben sowie weiterer Ausgrabungen an der Mündung des Flusses an. Dabei kamen neben Töpfen, Gefäßen, Schmuck und anderen Utensilien des täglichen Lebens noch 25 weitere der in Stein gehauenen Löcher zum Vorschein, angeordnet in einem geometrischen Kreis von etwa 12 Metern Durchmesser. Der mystische Miami Circle war entdeckt.

Einzigartig in ganz Nordamerika
Bei den folgenden Untersuchungen auf dem über 9.000 Quadratmeter großen Areal fanden die Archäologen astrologische Zeichen, eingeritzt in die rechteckigen Löcher in der Steinplatte, die nach Schätzungen einige tausend Jahre alt sein mussten. Chefarchäologe Carr betonte, er habe so etwas noch nie zuvor gesehen. Das sei einzigartig in Nordamerika. Die Nachricht von den Jahrtausende alten Funden verbreitete sich schnell im ganzen Land. Touristen, Schulklassen und Satelliten-Übertragungswagen von Fernsehstationen gaben einander die Klinke in die Hand - alle wollten den Steinkreis sehen. Die Euphorie der Archäologen, Historiker und interessierten Bürger wurde allerdings schnell gebremst, da das Gebiet um die Flussmündung inklusive dem Miami Circle dem Bau weiterer Wolkenkratzer zum Opfer fallen sollte -, lange bevor die Ausgrabungen beendet werden konnten. Das Gelände wurde gesperrt, Archäologen auf der einen und Städteplaner auf der anderen Seite lieferten sich einen regelrechten Kampf: Es galt, die wertvollen Artefakte gegen den für Makler und Geschäftsleute wertvollen Grund und Boden nahe der Brickell Avenue zu verteidigen. Trotz der Hilfe von bereits vor der Entdeckung existierenden Gesetzen, die Teile des Gebiets als denkmalgeschützt definierten, fiel der Miami Circle beinahe und unter lautstarkem Protest der Bevölkerung im Februar 1999 den Baggern zum Opfer. Schließlich wurde doch noch ein Kompromiss gefunden: Miami Dade County übernahm durch einen erzwungenen Gerichtsbeschluss das Land und entschädigte, u.a. durch Staatsgelder, den Investor mit 26.7 Millionen Dollar.

Das Leben der Indianer vor der Wolkenkratzer-Ära
Das Gebiet rund um die einstige Stadt Tequesta ist für Besucher nicht mehr zugänglich, unter anderem, weil die Ausgrabungen noch nicht abgeschlossen worden sind; erst etwa ein Zehntel des gesamten Areals ist bisher abgetragen. Museums-Kurator Jorge Zamanillo: “Auch wenn die Ausgrabungsstätte selbst nicht zu besichtigen ist, hat die Öffentlichkeit jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, die bisher gefundenen und zusammen gestellten Artefakte bei uns im Museum anzuschauen und sich ein Bild von der Zivilisation zu machen, die lange vor der Wolkenkratzer-Ära hier existiert hat.” Dort, wo jetzt die Banken und Kreditgesellschaften, Souvenirläden und Schnellstraßen Teil der Hektik von Downtown Miami sind, waren einst die nun im Museum zu besichtigenden Kupferschwerter, Indianerpfeile und Steinwerkzeuge Teil des täglichen Lebens dieses rätselhaften Stammes, der eines Tages von der Bildfläche Südfloridas verschwand. Sogar ein antiker Delfinschädel und der versteinerte Panzer einer Riesenschildkröte gehören zu den Funden des Miami Circle.

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