18. 04. 2018
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Lifestyle

Rückblende: Generation Minigolf

Hier ist die Spannung ja geradezu greifbar! Ploppt der kleine Plastikball nach Überwindung des hügeligen Hindernisses ins Loch? Oder braucht es einen weiteren Schlag?

Autor: Dirk Rheker

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Im Ernst: Minigolf gilt gemeinhin als Inbegriff der Spießigkeit. Verregnete Urlaube mit schlecht gelaunten Eltern auf Norderney, ramponierte Betonhindernisse, auf denen Unkraut wächst – nicht gerade der Stoff, aus dem Träume sind. Doch auch im Florida der Nachkriegszeit avancierte »minature golf« zum festen Bestandteil der Urlaubskulisse, gleich neben Palmen und pinkfarbenen Plastikflamingos im Vorgarten. Minigolf markierte den Siegeszug des Zeitgeistes in einer Welt, die sich nach schlimmen Kriegsjahren schlicht nach Harmlosigkeit sehnte.

Unser fröhliches Quartett, das hier im Jahre 1949 auf einem Parcours in St. Petersburg die Schläger schwingt, verströmt jedenfalls den braven Biedersinn einer Generation, die noch so gar nichts von der Rebellenhaftigkeit eines James Dean oder der hüftschwingenden Coolness eines Elvis Presley hat. Der Soundtrack bis auf Weiteres: Doris Days »Sentimental Journey« und Nat King Coles »Nature Boy«.

Der Platzwart hat Phyllis, Bernard, Rosemary und Eddie – so die Namen unserer vier Spieler – gerade die Schläger und Bälle ausgehändigt, über die Einhaltung der Regeln wacht er gestreng. Nebenbei verkauft er Eis am Stiel. In ein paar Jahren werden die Youngster vielleicht den Film »The Wild One« gesehen haben und zu Bebop oder Buddy Hollys Rock ’n’ Roll »abhotten«, wie es damals hieß. Doch bis dahin ist noch ein bisschen Zeit...

 
  
18. 04. 2018
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