06. 02. 2019
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Leben & Gesellschaft

Sarasota: Stadtteil Newton ist Teil des U.S. Civil Rights Trails

Der U.S. Civil Rights Trail bekommt Zuwachs: Sarasotas Viertel Newtown ist die neueste und damit südlichste Attraktion der historischen Route.

Autor: Lieb Management

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Über 100 Schlüsselorte in 15 verschiedenen Staaten – und ein Neuling: Der Newtown African American Heritage Trail im Viertel Newtown, einem der ältesten Stadtteile Sarasotas, gehört ab sofort zum U.S. Civil Rights Trail und reiht sich neben geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten wie North Carolinas Greensboro, Dr. Martin Luther King juniors Geburtshaus in Atlanta und das National Civil Rights Museum in Memphis ein. Bei geführten Trolley-Bus-Touren können sich Besucher nun auf Zeitreise begeben.

Mut, Würde, Zielstrebigkeit: Mitten im Sarasota County liegt mit Newtown ein geschichtsträchtiges Juwel – haben die Vorfahren der Afroamerikaner, die hier leben, doch maßgeblich dazu beigetragen, die Stadt am Meer aufzubauen. Der Newtown African American Heritage Trail erzählt die Geschichte von unterdrückten Menschen, die nie aufgehört haben, ihrer Vision zu folgen. Als neue Attraktion des U.S. Civil Rights Trails beleuchtet er vor allem den unermüdlichen Einsatz der hiesigen Einwohner in den 1950er- und 1960er-Jahren gegen die Rassentrennung an Sarasotas Stränden. Besucher können im Rahmen der geführten Trolley-Bus-Touren entlang des Newtown African American Heritage Trail durch Newtown Alive, ein Projekt zur Bewahrung von Newtowns Vergangenheit, das ganze Jahr über Ausflüge in die Geschichte der Gemeinde unternehmen. Während der Fahrt erzählen afroamerikanische Einwohner Newtowns, die maßgeblich am Aufbau von Sarasotas ältester Gemeinde beteiligt waren, Geschichten aus jener Zeit. Die Tour kostet pro Person 40 US-Dollar.

In Gedenken an die Vorkommnisse der Vergangenheit stellte die Tourismusorganisation Visit Sarasota County kürzlich zusammen mit Newtown Alive die damaligen Proteste, die sogenannten "wade-ins", nach: Zwei Transporter mit mehr als 50 Teilnehmern – darunter sogar einige Zeitzeugen sowie ihre Nachkommen und verschiedene Gemeindeführer Sarasotas – fuhren in einer Autokarawane direkt zum Lido Beach, wo sie anschließend an der Küste entlang direkt ins Wasser wateten, genau so, wie es die Aktivisten in den 1950er- und 1960er-Jahren getan hatten. Vor fast 70 Jahren zogen diese "beach wade-ins" die Aufmerksamkeit der Medien auf sich und bereiteten den Weg für die Gleichberechtigung zu einer Zeit, als nur knapp 3 von insgesamt über 3000 Kilometern Strandfläche in Florida Afroamerikanern zugänglich waren.

 

Hintergründe: Afroamerikaner bauten Sarasota wieder auf

In den frühen 1800er-Jahren, damals war Florida noch spanische Kolonie, lebten zahlreiche farbige Menschen in einer Gemeinde namens Sarrazota, bevor diese 1821 zerstört wurde. Die Einwohnerschaft bestand aus schwarze Siedlern, ehemaligen afrikanischen Sklaven sowie Seminolen. Nach dem Bürgerkrieg kamen mehrere afroamerikanische Pioniere in die Gegend und fassten gemeinsam den Entschluss, dem neugegründeten Sarasota eine Infrastruktur zu geben. So beseitigten sie das Sumpfgebiet, um Baugrund zu schaffen, legten Eisenbahnschwellen, damit die Industrie beliefert werden konnte, konstruierten Wohnhäuser, Schulen und Kirchen, aber auch Golfanlagen, bauten Zitrusfrüchte und Sellerie an, machten aus Kiefernharz Terpentin, bauten Brücken, die das Festland mit den vorgelagerten Inseln Siesta und Lido verbanden, pflegten die Kranken, arbeiteten als Hausangestellte und übernahmen tragende Rollen im Bürgerrechtsgruppen und der lokalen Politik.

Doch ungeachtet ihres Beitrags zu Wachstum und Nachhaltigkeit der Stadt trennten die von 1877 bis 1964 geltenden sogenannten Jim-Crow-Gesetze die afroamerikanischen von den hellhäutigen Einwohnern. Lebten Erstere bislang in Overtown nahe der Innenstadt, wurden sie nun gezwungen, in einen abgegrenzten Bereich zu ziehen – die Geburtsstunde von Newtown. Die Trennung schaffte gleichzeitig die Grundlage für die Zementierung von Rassismus und Ausbeutung durch schlecht bezahlte Jobs, doch eines ließen sich die Afroamerikaner nicht nehmen: ihren Zusammenhalt. So unterrichteten sie Kinder, bauten ihre eigenen Geschäfte sowie Kirchen und organisierten soziale Aktivitäten. Heute haben es sich Sarasotas Gemeindeführer zur Aufgabe gemacht, diese reiche und farbenfrohe Geschichte von Newtown zu dokumentieren, zu erhalten und zu teilen – durch den Newtown African American Heritage Trail.

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