13. 02. 2019
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Natur & Tiere

Schutz des Korallenriffs: Key West verbietet umweltschädliche Sonnenschutzmittel

Das vor den Florida Keys gelegene Florida Reef ist das einzige von lebenden Organismen gebildete Korallenriffsystem Nordamerikas und das drittgrößte der Welt. Neben dem Klimawandel stellt auch die Gewässerverschmutzung eine existenzielle Bedrohung für die empfindlichen Ökosysteme dar. Als Schutzmaßnahme beschloss die Stadtkommission von Key West nun ein Verbot des Verkaufs von Sonnencremes, die zwei schädliche Chemikalien enthalten.

Autor: Patrick Pohlmann

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Die ökologische Bedeutung der Korallenriffe ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ihr Absterben würde nicht nur zu einer weiteren Verarmung der marinen Fauna führen, sondern hätte auch schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen. Nach Schätzungen sind weltweit etwa eine halbe Milliarde Menschen wenigstens teilweise zur Sicherung ihres Lebensunterhalts auf die Existenz der Riffe angewiesen. So stellt das Florida Reef nicht nur eine bedeutende touristische Attraktion für Taucher und Schnorchler dar; da es vielen Fischarten als Aufwuchsort dient, würde sein Verschwinden auch unmittelbare Auswirkungen auf die örtliche Fischereiwirtschaft haben. Gerade im hurrikangeplagten Sunshine State fungiert es zudem als Schutzschild gegen Sturmschäden und Erosion.

Um wenigstens einen kleinen, aber nicht unwichtigen Beitrag zum Schutz des Riffsystems zu leisten, beschloss Key Wests Stadtkommission laut einem Bericht der Tampa Bay Times, dass ab dem 1. Januar 2021 in der Stadt keine Sonnenschutzmittel mehr verkauft werden dürfen, die Oxybenzon oder Octinoxat enthalten. Studien hatten ergeben, dass die beiden als UV-Filter verwendeten Substanzen eine Gefahr für die Riffe darstellen. Demnach sind sie eine der Ursachen der sogenannten Korallenbleiche, bei der die Korallen stressbedingt die symbiotisch in ihnen lebenden Einzeller abstoßen, schädigen das Erbgut der Korallen und können so letztlich zu ihrem Tod führen. Das Votum erfolgte mit nur einer Gegenstimme. Zuvor hatten verschiedene Redner öffentlich zum Thema der Abstimmung Stellung bezogen, wobei sich die überwiegende Mehrheit für das Verbot Aussprach.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Hawaii als erster US-Bundesstaat den Verkauf von Sonnencremes mit den beiden Chemikalien ab dem 1. Januar 2021 verboten. Nach den Worten des Toxikologen Joe DiNardo, der sich für das Verkaufsverbot der Substanzen auf der Inselkette eingesetzt hatte, geht es dabei nicht um Emotionen, sondern um nüchterne Wissenschaft. Es sei nicht einfach, als einzelner Bundesstaat etwas gegen die globale Erwärmung zu tun, aber zumindest gegen die Umweltbelastung durch Chemikalien vor der eigenen Haustür könne man etwas unternehmen.

Nach Angaben des National Park Service gelangen jedes Jahr zwischen 4000 und 6000 Tonnen Sonnenschutzmittel in das Riffsystem. Die Behörde empfiehlt Sonnenanbetern, alternativ Cremes mit Titanoxid oder Zinkoxid zu benutzen, da von diesen Stoffen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Gefahr für die Korallen ausgehe. Damit das Verbot die erhoffte Wirkung hat, ist allerdings eine Zusammenarbeit auch mit bundesstaatlichen und nationalen Behörden nötig. So wird in einem 2018 herausgegebenen Leitfaden für Touristen der dem US-Gesundheitsministerium unterstellten Centers for Disease Control and Prevention Oxybenzon noch als Wirkstoff empfohlen, der effektiv vor UV-A-Strahlung schützt.

Gegenwind gibt es auch von Seiten der Sonnenschutzmittelindustrie, die um ihre Umsätze fürchtet. Anlässlich der Abstimmung in Key West hatte die Lobby einen Wissenschaftler entsandt, der die negative Wirkung der beiden Substanzen auf die Korallen in Zweifel zog und sich für weitere Studien in dieser Sache aussprach. Die Unternehmensorganisationen Consumer Healthcare Products Association und Personal Care Products Council forderten die Stadtkommission in einer Stellungnahme auf, von einem Verbot von Sonnenschutzmitteln abzusehen und stattdessen "die Forschung zu intensivieren, um die wirklichen Ursachen für das Korallensterben wie globale Erwärmung, allgemeine Umweltverschmutzung, Überfischung und die Einleitung von Agrarabwässern zu erkennen".

Einige Dermatologen und Lobbyisten warnten zudem davor, dass das Verkaufsverbot zu einer Zunahme von Hautkrebserkrankungen führen werde. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die Strandbesucher dadurch verunsichert und in der Folge überhaupt keine Sonnenschutzmittel mehr verwenden würden. Laut Dora DeMaria von der in Key West ansässigen Non-Profit-Organisation Reef Relief handelt es sich dabei aber um eine bloße Angstmachetaktik. Schließlich gebe es schon sehr lange Sonnenschutzmittel, ohne dass der sonnenbedingte Hautkrebs dadurch verschwunden sei.

 
  
13. 02. 2019
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