02. 07. 2017
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Lifestyle

Zu Hause bei Tatjana Maria: »Das Beste kommt noch!«

In ihrer Jugend war Tatjana Malek eine der besten Tennisspielerinnen Deutschlands. Hoffnungsträgerin, Shootingstar. Doch zwei persönliche Rückschläge drohten sie aus der Bahn ihrer sportlichen Karriere zu werfen. Dann gab eine Liebe in Florida allem wieder einen Sinn, und aus Tatjana Malek wurde Tatjana Maria. Mit Ehemann und Kind an ihrer Seite ist sie jetzt dabei, sich erneut in die Weltspitze vorzuarbeiten. Ein Besuch der Spitzensportlerin und ihrer Familie auf ihrem Anwesen in Palm Beach Gardens.

Autor: Dirk Rheker

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Liegt es an der Wärme Floridas, an der Sonne? Oder sind es die Menschen, die hier wohnen und diesen Ort zu etwas Besonderem, nämlich zu einem besonders schönen Zuhause machen? Es ist geradezu fühlbar. Als wir an diesem Frühlingsnachmittag das Anwesen der Familie Maria in Palm Beach Gardens besuchen, spüren wir ganz schnell die positive Energie, die dieses Haus ausstrahlt. Genau wie seine Bewohner, die deutsche Top-Tennisspielerin Tatjana Maria, geborene Malek, ihr Mann Charles-Edouard und das gemeinsame Töchterchen Charlotte. Die junge Familie scheint von innen zu strahlen. So muss wohl Glück aussehen.

COURT IM GARTEN
Das Anwesen hat Charles im Jahre 2006 erworben. Damals war der in Straßburg geborene ehemalige Tennisprofi als Trainer nach Florida gekommen, half unter anderem Venus Williams, ihr Spiel zu verbessern. Vom französischen Tennisverband wurden ihm immer wieder junge Talente geschickt, denen Maria den spielerischen und taktischen Feinschliff verpasste. Den Tennisplatz im Garten hat er damals bauen lassen, »mit dem gleichen Belag wie auf den Courts in Key Biscayne bei den Miami Open«, wie der Hausherr nicht ohne Stolz sagt.

Wir schlendern über das weiträumige Grundstück. Charles erklärt, welche Teile des Hauses im Nachhinein angebaut wurden, wie er das verschachtelte Innere öffnen ließ, um das Licht durchfluten zu lassen. Mit zwei separaten Gästehäusern bietet das Anwesen heute reichlich Platz für Freunde, Familie und immer wieder auch Tennisspieler, die der Coach eine Zeit lang unter seine Fittiche nimmt. Die hohen Räume, eine offene, helle Küche, sparsame Möblierung, der Blick auf den Garten und den Pool – sehr europäisch das Ambiente, und doch wunderbar zu Florida passend.

FRÜHE ERFOLGE
Unsere Geschichte fängt allerdings erst im Jahre 2012 an. Damals bereitete sich die deutsche Profispielerin Tatjana Malek auf die US Open vor. Hochtalentiert, unglaublich ehrgeizig. Im zarten Alter von vier Jahren hatte das im baden württembergischen Bad Saulgau geborene Ausnahmetalent mit dem Tennisspielen begonnen. Eine Sportlerfamilie: Vater Heinrich polnischer Handballnationalspieler, Mutter Margit als Österreicherin ein Ass auf Skiern. Auch die beiden Brüder Daniel und Matthias sind als Fußballer sportlich aktiv. Schnell feiert die junge Tatjana Erfolge im Tennis, ist in den Altersklassen U14 und U18 bald deutsche Meisterin. »Es war ziemlich früh klar, dass ich Profitennis spielen würde«, sagt sie und blinzelt in der warmen Nachmittagssonne. Schöne Erinnerungen an die Zeit damals. Schon bald etabliert sie sich auf der ITF-Tour, gibt 2006 ihr Debüt im Fed-Cup-Team unter Nationaltrainerin Barbara Rittner, avanciert zu Deutschlands Tennis-Hoffnung.

Endlich eine neue Steffi? 2007 erreicht sie erstmals die Top 80 der Weltrangliste. Viele Experten rechnen mit dem endgültigen Durchbruch der Neunzehnjährigen. Doch dann kommt 2008, Annus horribilis, ein Schreckensjahr. Mit plötzlichen Atembeschwerden muss Tatjana während des Turniers im kalifornischen Indian Wells ins Krankenhaus. Akute Lungenembolie, Lebensgefahr. »An der Hektik der Ärzte habe ich erst den Ernst der Lage erkannt«, erinnert sie sich noch immer mit Schrecken. In letzter Sekunde kann ihr Leben gerettet werden.

Sie kämpft sich zurück, feiert ihr Comeback – doch dann der nächste Schicksalsschlag: Ihr Vater stirbt an Krebs. Ihr ständiger Begleiter, Coach, Mentor, Freund. Ein brutaler Einschnitt, vor allem für eine sensible, junge Sportlerseele. Dennoch oder gerade deshalb spielt Tatjana 2009 die beste Saison ihres Lebens. In der Weltrangliste klettert sie auf Position 64: »Irgendwie lief das damals alles ab wie in einem Film.« Tennis als Therapie, als Mittel der Verdrängung. Doch irgendwann funktioniert das nicht mehr, der Akku ist leer. In der Weltrangliste stürzt die einstige Hoffnungsträgerin immer tiefer, rutscht aus den Top 200, ist kurz davor, ihre Karriere zu beenden. Wozu das alles noch?

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