Auf den Spuren von Ernest Hemingway

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Im Florida-Urlaub ist ein Besuch im Hemingway Haus und Museum für jeden Literaturliebhaber unverzichtbar. Mitten in der historischen Altstadt von Key West liegt das Anwesen, in dem der weltberühmte Schriftsteller in den dreißiger Jahren lebte. Heute ist das Haus ein Museum, das zu einer spannenden Erkundungstour in vergangene Zeiten einlädt.

Das Hemingway Haus in der Whitehead Street 907 auf Key West<br> (Foto: © WizData, inc.)

Das Hemingway Haus in der Whitehead Street 907 auf Key West.
(Foto: © WizData, inc.)

Betritt man das Grundstück, fällt einem zuerst der riesige Garten voller Tropengewächse auf. Eine wahre Seltenheit in einer Stadt, in der Häuser und Gärten normalerweise recht klein sind. Bereits nach wenigen Sekunden kann man die erste Katze erspähen. Durch Haus und Garten streunen über 60 dieser Tiere, die laut Museumsbetreiber allesamt Nachfahren von Hemingways Katze Snowball sind. Einige der Katzen haben Snowballs seltene Genmutation geerbt und haben Pfoten mit sechs Zehen. Wer beim Gang durch den Garten also ganz genau hinschaut, wird unter den Vierbeinern mühelos die ein oder andere sechszehige Katze entdecken. Hinter dem Haus, versteckt im Dickicht der tropischen Pflanzen, befindet sich sogar noch ein hauseigener Katzenfriedhof.

Ernest Hemingway war also ein Katzenfreund. Aber was wissen wir noch über den berühmten Literaten? Vor seiner Zeit in Key West diente er im Ersten Weltkrieg als Sanitäter an der norditalienischen Front und kehrte kriegsverwundet nach Amerika zurück. Danach lebte er im Paris der zwanziger Jahre, wo sich eine ganze Reihe amerikanischer Schriftsteller wie Gertrude Stein und F. Scott Fitzgerald zu der Zeit aufhielten, gegen das Amerika des 19. Jahrhunderts rebellierten und die so genannte Lost Generation – die verlorene Generation – prägten. Für die Novelle »Der alte Mann und das Meer« erhielt Hemingway 1954 sogar den Literaturnobelpreis. Zeit seines Lebens begleiteten ihn jedoch Depressionen und Alkoholexzesse. Im Jahr 1961 beendete er schließlich sein abenteuerreiches Leben selbst – ebenso wie schon vor über 30 Jahren sein Vater erschoss er sich selbst in seinem Haus in Idaho.

Zurück zu Hemingways Zeit in Florida: Nach Key West kam der sensible Literat das erste Mal im Jahr 1928 – zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Pauline. Was als Urlaub geplant war, wurde schnell zum Langzeitaufenthalt. Das Leben im sonnigen Süden, prall gefüllt mit Fischen am Tag und Barbesuchen am Abend, gefiel dem Schriftsteller so gut, dass er sich entschloss zu bleiben. Das Haus in Key West, ein Hochzeitsgeschenk von Paulines Onkel, wurde Hemingways erstes amerikanisches Eigenheim. 1931 zog das frisch verheiratete Pärchen in die Whitehead Street 907. Noch viele der Original-Möbelstücke sind in dem Haus heute zu sehen. So wird ein Rundgang auf dem Anwesen zur faszinierenden Zeitreise in Hemingways persönliche und literarische Vergangenheit.

Wenn man das Haus betritt, spürt man förmlich die Historie des Gebäudes. Die Räume sind von Licht durchflutet, die Türen stehen weit offen und es weht eine frische Brise, wie es sie nur in einer Inselstadt wie Key West geben kann. Im Esszimmer steht ein alter Flaschentresor, in dem Hemingway an einem jeden Abend seinen besten Tropfen einschloss. Auf dem alten Stuhl gegenüber pausiert gemütlich eine der vielen Katzen, die von den Besuchern des Hauses recht unbeeindruckt scheint.

Im ersten Stock geht es weiter durch Hemingways Schlafzimmer, in dem neben seinem spanischen Holzbett aus dem 17. Jahrhundert auch noch der Gebär- und Hebammenstuhl seiner Frau stehen. Durch die Bade- und Kinderzimmer (Hemingway hatte drei Söhne) tritt man hinaus auf die Veranda, die das ganze Haus umsäumt. Von hier aus hat man einen fantastischen Rundumblick auf den Garten mit dem idyllischen Gartenhaus und dem großen Pool.

Klettert man die Treppe des Gartenhauses empor, bekommt man einen Einblick in Hemingways Arbeitszimmer, wo er viele seiner berühmten Romane und Kurzgeschichten schrieb. Über 70 Prozent seiner Werke soll er in Key West verfasst haben. Das Zimmer, in dem er jeden Morgen arbeitete, ist ein heller Raum, der sehr schlicht eingerichtet ist. Auf dem kleinen Holztisch steht noch immer seine alte Schreibmaschine.

Den Swimmingpool hat seine Frau Pauline in Hemingways Abwesenheit bauen lassen, um die vor dem Aus stehende Ehe zu retten. Die Installation kostete 20.000 Dollar – eine horrende Summe, wenn man bedenkt, dass das Haus einige Jahre zuvor für 8.000 Dollar gekauft wurde. Hemingway soll daraufhin ein Cent-Stück in den Pool geworfen und vor lauter Wut gesagt haben: "Hier hast du auch noch meinen letzten Penny!"

Das Ende vom Lied war das Scheitern der Ehe und zugleich das Verlassen Floridas. 1937 brach Hemingway zusammen mit seiner zukünftigen Ehefrau Martha Gelhorn, die er in einer Bar in Key West kennen lernte, nach Spanien auf, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten.

Somit endet auch der Rundgang in der Whitehead Street 907. Jedoch gibt es noch einen Tipp, der die Reise in Hemingways literarische Vergangenheit von Key West vervollständigt: Nach dem Besuch im Hemingway-Haus sollte man unbedingt noch Sloppy Joe’s Bar auf der Duval Street ausfindig machen, in der Hemingway zahllose Abende verbrachte. Während der Großen Depression war Hemingway oft der einzige zahlende Gast in der Stadt. Heute herrscht in der Bar allabendlich reges Treiben. In Sloppy Joe’s Bar kann man den sonnigen Tag dann – à la Hemingway – mit einem leckeren Drink ausklingen lassen.

Mehr Informationen:

Hemingway Haus & Museum
907 Whitehead Street
Key West, FL 33040
365 Tage im Jahr von 9 bis 17 Uhr geöffnet
www.hemingwayhome.com

Unser Tipp: Heiraten mit Papa Hemingway

Heiratswillige können im "Hemingway Home and Museum" ein ganz besonderes Angebot wahrnehmen: eine waschechte Hemingway-Hochzeit. Wahre Fans des berühmten Schriftstellers, der mit vier Ehen beim Thema Ringtausch ein Wörtchen mitreden konnte, können sich im Garten des einstigen Wohnhauses des Literaturnobelpreisträgers das Ja-Wort geben. Im sogenannten "Papa Package" wird die Trauung von Hemingway-Doppelgänger und beglaubigtem Notar Bob Orlin ausgeführt. Für zukünftige Ehepaare ist die Hemingway-Hochzeit ein exklusives Vergnügen: Rund 1.500 Dollar kostet die Zeremonie, bei der bis zu 30 Gäste Platz finden. Dafür haben die frisch Verheirateten den Garten des Hauses anschließend eine Stunde lang zur freien Verfügung, die meist für Fotoaufnahmen genutzt wird.

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Autor: Sarah Czuratis