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Abenteuer: Im Kanu auf dem Suwannee

Auf dem romantischen Suwannee River Wilderness Trail hoch oben in Florida finden gestresste Menschen Ruhe und Erholung. Paddeln als Seelen-Therapie. Und das alles inmitten einer Landschaft mit dem unwiderstehlichen Charme des alten Südens.

Autor: Dirk Rheker

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Ein schriller Pfeifton unterbricht die morgendliche Ruhe. Der kleine Vogel leuchtet knallrot und sitzt nur ein paar Meter von der Bootsspitze entfernt auf einer Zypresse am Ufer. Warnt er die Tierwelt vor den unbekannten Eindringlingen, die da fast lautlos übers tiefschwarze Wasser gleiten?

Schon um acht Uhr waren wir vom Stephen Foster Folk Culture Center State Park aus gestartet, zwei Mann in einem Kanu – Vater-und-Sohn-Team, genauer gesagt. Gemeinsam auf einem der sagenumwobensten Flüsse des amerikanischen Südens. Schon der Name »Suwannee« erweckt Bilder von alten Eichenbäumen, behangen mit den geheimnisvollen Schleiern des spanischen Mooses, von Schaufelraddampfern und dem Zauber des »Old South«. Seinen Ursprung hat der 426 Kilometer lange Fluss im Okefenokee Swamp in Georgia. Von dort aus mäandert er in südwestlicher Richtung, ehe sich in White Springs die Fließrichtung in westliche und später wieder in südliche Richtung ändert. Alapahia River, der Whithlacoochee River und der Santa Fe River ergießen sich in den Strom, ehe er in der Nähe der Stadt Suwannee in den Golf von Mexiko mündet.

Als wir den Suwannee das erste Mal sahen, wussten wir, weshalb die Seminolen-Indianer ihn so getauft hatten, »schwarzes Wasser« nämlich. Vermodertes Laub und die Gerbsäure der Pflanzen färben ihn dunkel wie Tinte. Drei Tage lang werden wir flussabwärts paddeln, Ziel ist der Suwannee River State Park im Herzen des Hamilton Countys. Zunächst aber heißt es anpacken: Ausrüstung und Vorräte müssen wasserdicht verstaut werden. Schon nach der ersten Flussbiegung lassen wir die gewohnte Welt hinter uns: dichte Vegetation am Uferrand, rechts und links stehen blühende Zypressen sattgrün im Wasser.

Wir kommen rasch voran, mit fünf Kilometern pro Stunde schlängelt sich der Fluss zügig durch die Landschaft und nimmt uns einiges an Paddelarbeit ab. Hinter jeder Kurve offenbart sich uns ein Domdach aus herüberlehnenden Ästen und Blättern. Wir paddeln vorbei an weißen Sandbänken, die der Fluss reingewaschen hat.
In den vergangenen Jahren wurde entlang des Suwannees ein gut ausgebauter Paddel-Wanderweg eingerichtet, der sogenannte Suwannee River Wilderness Trail.

Er führt vom Stephen Foster State Park bis zum Golf von Mexiko. Jeweils im Abstand einer Tagestour laden rustikale Flusscamps zu Rast und Übernachtung ein.
Erster Halt im Woods Ferry River Camp. Wo haben wir die Nudeln hingepackt? Und die Gewürze? Nach einiger Suche köcheln Wasser und Tomatensoße dann endlich über dem Feuer. Auf einfachen, mit Fliegengittern umzäunten Pavillons verbringen wir die Nacht im Schlafsack. Kein Komfort wie im Luxushotel, aber wenn man unter freiem Himmel die Sterne zählt, fühlt man sich fast wie im Himmelbett.

Natürlich summen wir beim Paddeln immer wieder Stephen Fosters Ballade »Way down upon the Suwannee River …«. Foster bezog sich eigentlich auf den Pedee River in South Carolina, fand den Namen Suwannee aber klangvoller. Den Fluss, den er so berühmt machte, sah er selber nie.

Bei unserer nächsten Rast am Holton Creek River Camp sammeln wir alte Stämme der Florida Pine, die extrem harzhaltig ist und selbst im feuchten Zustand gut brennt. Entspannte Lagerfeuer-Romantik, die nebenbei auch noch die Mücken abhält. In der heißen Jahreszeit kann eine Tour auf dem Suwannee River durchaus zur Tortur werden: Hitze und Mücken setzen den Kanuten zu. Die beste Reisezeit auf dem Fluss ist deshalb Frühling oder Herbst.

Auch am dritten Tag sehen wir kaum einen Menschen, doch das Bild des Flusslaufs ändert sich langsam. Wo sonst Sandbänke die Sonne reflektierten, ragen nun am Uferrand Felsen empor, an deren feuchten Wänden Moose und Flechten wachsen. Winzige Rinnsale quellen aus dem Stein, Tausende von Tropfen perlen aus dem Bewuchs und landen nach kurzem Flug im Flusswasser. Das Sonnenlicht reflektiert in flachen Höhlen, die nur wenig Platz für Kanus bieten, in deren Nähe es aber merklich kühler ist.

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