01. 07. 2015
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Reisen

Amelia Island: Insel der Glücksmomente

Autor: Dirk Rheker

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Wir erreichen Fernandina Beach, ein lebhaftes viktorianisches Hafenstädtchen. In dem Ort sind rund 50 Häuserblocks als architektonische Juwelen unter Denkmalschutz gestellt. In vielen dieser Häuser wurden schöne Bed & Breakfasts, Pensionen, bezaubernde Geschäfte und ausgezeichnete Fischrestaurants eröffnet. Der so historische wie verrauchte Palace Saloon an der Centre Street dient als solcher weiterhin seinem ursprünglichen Zweck. Wir schlendern ans Ende der Flaniermeile, vorbei an entzückenden Eiscreme-Läden, Restaurants, Galerien und Boutiquen. Vom Hafen aus hat man einen schönen Blick über den Amalia River, allerdings auch auf die Fabrikanlage des Rayonier-Werks, wo jeden Tag massenweise aus Georgia herangekarrte Kiefernstämme zu einem Cellulosebrei zerfasert und dann zu Papier, Karton und Pappe weiterverarbeitet werden. Das Ungetüm steht in krassem Gegensatz zum pittoresken Ambiente von Fernandina Beach. Und das Fremdenverkehrsamt träumt sicher seit langem davon, das dampfende Monstrum irgendwann mal hochkant aus der ansonsten so malerischen Bucht zu befördern. Aber rund 1.200 Arbeitsplätze sind wohl ein gutes Argument dafür, die Fabrik im Ort zu belassen. Nun ja ...

Im ehemaligen Gefängnis gleich nebenan in der South Third Street lernen wir viel über die Geschichte der Insel – und durchaus auch ihrer Widersprüche. Fernandina Beach rühmt sich, Geburtsort der kommerziellen Shrimps-Fischerei zu sein, und doch sind »dank« der Konkurrenz aus Südostasien heute nur noch eine Handvoll Kutter übrig geblieben. Immerhin werden hier pro Jahr aber noch etwa zwei Millionen Pfund Garnelen aus dem Atlantik gezogen. Unbestritten ist indes, dass über dem Ort im Laufe der Geschichte insgesamt acht verschiedene Fahnen wehten. Seit dem Jahr 1562 stand es unter der Flagge von Frankreich, Spanien, Großbritannien, wieder Spanien, Patriots of Amelia Island, Green Cross of Florida, Mexiko, Konföderierte Staaten von Amerika und den Vereinigten Staaten – ziemlich verwirrend nicht nur für die Bewohner!

Im Jahre 1808 galt der Ort als »Hauptstadt« des illegalen Sklaven-Imports. Als Ironie der Geschichte mutet es an, dass ausgerechnet hier 1935 mit »American Beach« das erste private Strandbad für Schwarze an Floridas Küsten eröffnete. Nach der offiziellen Abschaffung der Rassentrennung 1954 fiel auch American Beach in einen Dornröschenschlaf, wie schon der Rest der Insel. Denn die neue Eisenbahn, die hier keinen Zwischenstopp mehr einlegte, transportierte Besucher nun direkt zu den Urlaubsgebieten im Süden Floridas. Der Fortschritt ratterte an der Insel vorbei. Die Zeit blieb stehen in Fernandina Beach mit seinen pastellfarbenen Holzhäusern, den breiten Veranden, Türmchen, Erkern und Art déco-Fassaden. Gut so!

Täglicher Höhepunkt, zumindest für diejenigen, die gerne essen, sind die Menükarten in den Restaurants. Von überall her brachten die Menschen ihre Rezepte nach Amelia Island mit. Neben kreolischen und hispanischen Einflüssen sind es vor allem frische regionale Produkte sowie exotische Gewürze und Zutaten, die hier heute die gehobene »Floribbean Cuisine« auszeichnen.

Wir fallen nach einem ausgezeichneten, aber leichten Dinner – schließlich sind wir vom Lunch noch pappvoll – im hübschen España-Restaurant mit Tapas und leckerem Rotwein in unser Bett im Seaside Amelia Inn an der Atlantic Avenue. Nicht unbedingt ein Kleinod einfallsreicher Hotel-Architektur, aber mit dem unschlagbaren Vorteil, direkt am Strand zu liegen. Und so werden wir am nächsten Morgen von der aufgehenden Sonne und einem atemberaubend schönen Farbspiel am Himmel wach geküsst. Zum »Hot & Tasty Southern Style Breakfast« gibt’s anschließend Pancakes, Eier, Würstchen und Grits. Rührend, wie die Managerin Olivia Hoblit von Tisch zu Tisch geht und ihre Gäste persönlich begrüßt, nach ihren Erlebnissen des vergangenen und Plänen für den kommenden Tag fragt. So viel Herzenswärme verwandelt dann selbst eine eher unspektakuläre Herberge in einen Ort mit Erinnerungswert.

 
  
01. 07. 2015
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