Betritt man das Grundstück, fällt einem zuerst der riesige Garten voller Tropengewächse auf. Eine wahre Seltenheit in einer Stadt, in der Häuser und Gärten normalerweise recht klein sind. Bereits nach wenigen Sekunden kann man die erste Katze erspähen. Durch Haus und Garten streunen über 60 dieser Tiere, die laut Museumsbetreiber allesamt Nachfahren von Hemingways Katze Snowball sind. Einige der Katzen haben Snowballs seltene Genmutation geerbt und haben Pfoten mit sechs Zehen. Wer beim Gang durch den Garten also ganz genau hinschaut, wird unter den Vierbeinern mühelos die ein oder andere sechszehige Katze entdecken. Hinter dem Haus, versteckt im Dickicht der tropischen Pflanzen, befindet sich sogar noch ein hauseigener Katzenfriedhof.
Ernest Hemingway war also ein Katzenfreund. Aber was wissen wir noch über den berühmten Literaten? Vor seiner Zeit in Key West diente er im Ersten Weltkrieg als Sanitäter an der norditalienischen Front und kehrte kriegsverwundet nach Amerika zurück. Danach lebte er im Paris der zwanziger Jahre, wo sich eine ganze Reihe amerikanischer Schriftsteller wie Gertrude Stein und F. Scott Fitzgerald zu der Zeit aufhielten, gegen das Amerika des 19. Jahrhunderts rebellierten und die so genannte Lost Generation – die verlorene Generation – prägten. Für die Novelle »Der alte Mann und das Meer« erhielt Hemingway 1954 sogar den Literaturnobelpreis. Zeit seines Lebens begleiteten ihn jedoch Depressionen und Alkoholexzesse. Im Jahr 1961 beendete er schließlich sein abenteuerreiches Leben selbst – ebenso wie schon vor über 30 Jahren sein Vater erschoss er sich selbst in seinem Haus in Idaho.
Zurück zu Hemingways Zeit in Florida: Nach Key West kam der sensible Literat das erste Mal im Jahr 1928 – zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Pauline. Was als Urlaub geplant war, wurde schnell zum Langzeitaufenthalt. Das Leben im sonnigen Süden, prall gefüllt mit Fischen am Tag und Barbesuchen am Abend, gefiel dem Schriftsteller so gut, dass er sich entschloss zu bleiben. Das Haus in Key West, ein Hochzeitsgeschenk von Paulines Onkel, wurde Hemingways erstes amerikanisches Eigenheim. 1931 zog das frisch verheiratete Pärchen in die Whitehead Street 907. Noch viele der Original-Möbelstücke sind in dem Haus heute zu sehen. So wird ein Rundgang auf dem Anwesen zur faszinierenden Zeitreise in Hemingways persönliche und literarische Vergangenheit.
Wenn man das Haus betritt, spürt man förmlich die Historie des Gebäudes. Die Räume sind von Licht durchflutet, die Türen stehen weit offen und es weht eine frische Brise, wie es sie nur in einer Inselstadt wie Key West geben kann. Im Esszimmer steht ein alter Flaschentresor, in dem Hemingway an einem jeden Abend seinen besten Tropfen einschloss. Auf dem alten Stuhl gegenüber pausiert gemütlich eine der vielen Katzen, die von den Besuchern des Hauses recht unbeeindruckt scheint.
Im ersten Stock geht es weiter durch Hemingways Schlafzimmer, in dem neben seinem spanischen Holzbett aus dem 17. Jahrhundert auch noch der Gebär- und Hebammenstuhl seiner Frau stehen. Durch die Bade- und Kinderzimmer (Hemingway hatte drei Söhne) tritt man hinaus auf die Veranda, die das ganze Haus umsäumt. Von hier aus hat man einen fantastischen Rundumblick auf den Garten mit dem idyllischen Gartenhaus und dem großen Pool.
Klettert man die Treppe des Gartenhauses empor, bekommt man einen Einblick in Hemingways Arbeitszimmer, wo er viele seiner berühmten Romane und Kurzgeschichten schrieb. Über 70 Prozent seiner Werke soll er in Key West verfasst haben. Das Zimmer, in dem er jeden Morgen arbeitete, ist ein heller Raum, der sehr schlicht eingerichtet ist. Auf dem kleinen Holztisch steht noch immer seine alte Schreibmaschine.










