01. 07. 2003
Artikel bewerten
  
Reisen

Die schönsten Sonnenuntergänge in Florida

Vom Meer her weht eine laue Brise. Sogar jetzt noch, am Abend, kurz nach 18 Uhr an diesem späten Februartag. Unter den nackten Füßen knirschen die von Wind und Salzwasser zerriebenen weißen Muscheln des berühmten Barefoot Beach von Bonita Springs. Gekommen sind wir, um am Golf von Mexiko an Floridas Küste einen der wohl schönsten Sonnenuntergänge der Welt zu zelebrieren.

Autor: Dirk Rheker

Left3-disabled Bild 1 von 2 Right3-enabled

In Scharen sind sie wieder an den Strand gepilgert. Haben sich auf ihren Klappstühlen und Badetüchern positioniert. Einheimische, Zugereiste und Touristen – Profis in Sachen Sonnenuntergang. Die Stilvollen entkorken eine Flasche Wein, stellen edle Kristallgläser auf den Plastik-Cooler, auf dem sie zuvor eine weiße Tischdecke drapiert haben. Eine Impromptu-Degustation im Abendrot, man bleibt vornehm, auch zwischen Frisbees und Sandburgen. Die weniger auf Etikette Bedachten schlürfen derweil nicht weniger genussvoll ein Budweiser und futtern Kartoffelchips. Jeder nach seiner Façon.

Formvollendet oder zünftig: Sie sind nicht allein. Ob entlang der Hotelanlagen von Clearwater Beach im Norden oder dem kilometerlangen, blendend-weißen Sandteppich-Strand von Anna Maria Island nahe Sarasota, ob auf den Logenplätzen der Luxusappartements am Pelican-Bay-Strand von Naples oder beim allabendlichen Karneval der weltberühmten „Sunset Celebration“ am Mallory Square auf Key West – überall liefert der atemberaubende Sonnenuntergang entlang der Golfküste ein prächtiges Spektakel mit garantiertem Wohlfühl-Faktor fürs Gemüt.

Sogar Bernie ist immer wieder begeistert. Eigentlich ist er einer dieser Typen, die nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Dreißig Jahre im mittleren Management bei einem großen Automobilhersteller in Detroit, vor acht Jahren dann die Pensionierung. Damals hat er sich mit seiner Frau Lee in Bonita an Floridas Westküste ein Appartement gekauft, nur zehn Gehminuten vom Strand entfernt. Ein Zugvogel aus Überzeugung: „Einen eisigen Winter oben in Michigan – nee, das machen wir nicht mehr mit! Wir kommen jedes Jahr im Oktober und bleiben meist bis Anfang Mai“.

Jetzt stehe ich mit den beiden am Strand und wir lassen die Wellen um unsere Füße plätschern. Eine Zufallsbekanntschaft, wie sie sich zwischen St. Petersburg und Key West jeden Abend oftmals zusammenfindet. „Wir kommen jeden Tag hierher“, sagt Bernie, und in seinen gebräunten Zügen unter der Baseball-Kappe erkenne ich fast so etwas wie sentimentale Rührung. Eine Stunde lang sind sie zuvor am Strand spazieren gegangen. Jetzt, wo in wenigen Minuten die Sonne versinken wird, stehen sie wieder an ihrem Lieblingsplatz, gleich unter einer riesigen Palme. In wenigen Minuten wird die orange-rötliche Färbung des Lichtes sämtliche Gegenstände in eine harmonische Beziehung zueinander setzen.

Sie lässt einen nie wieder los, diese Faszination mit dem Moment, wenn sich der glutrote Sonnenball auf die messerscharfe Kante des Horizonts setzt, einige Sekunden balanciert, als falle es ihm schwer, die Erde zu verlassen, um dann doch unterzutauchen. „So einen fantastischen Sonnenuntergang können sie sonst nirgendwo sehen“, erklärt Bernie mit der Lässigkeit des Weitgereisten. „Nicht auf Korfu, wo die Sonne golden über dem Ionischen Meer glänzt, nicht in Bali, wo sie gelbgrünblau in den Indischen Ozean versinkt.“

Die besten Plätze zum Sonnenuntergang-Gucken, sagen die Kenner, liegen zwischen St. Petersburg und Naples. Der Strand von Treasure Island bei St. Petersburg etwa, der Turner Beach auf Captiva Island, der Causeway Beach auf Sanibel Island und der Bowditch Beach in Fort Myers. Zwischen Fort Myers Beach und Bonita Beach hat das Fremdenverkehrsamt – als Service für die Abendrot-Fans – extra farbige Sunset-Hinweisschilder aufgestellt. In Naples trifft man sich zum Abendglühen am Vanderbilt Beach vor dem Ritz Carlton-Hotel, im Lowdermilk State Park oder auf der Naples Fishing Pier.

Ein Besucher aus Deutschland hat neulich gelästert, die ganze Sonnenuntergangs-Romantik sei doch bloß eine Erfindung aus den Hochglanzprospekten der Reiseveranstalter. Beim Blättern durch ein Magazin stieß ich vor ein paar Tagen dann auf die Anzeige eines „paradiesischen Likörs“. Der sei, so der Werbetext „wie goldene Sonnenuntergänge mit langem Nachglühen und Liebesnächte unter funkelndem Sternenhimmel. Wunderbar für jene Momente, in denen die Schönheit des Lebens uns das Herz öffnet und mit Freude erfüllt.“ Um Himmels Willen, ist am Ende wirklich schon viel zu viel über Sonnenuntergänge geschrieben und gedichtet worden? Und sind nicht schon viel zu viele Abendrot gemalt worden, dass das Auge ganz bezuckert ist von all dem leuchtenden Kitschbrei in Rot, Orange und Pink?

Seite

1  |

2  |

3

nächste Seite »

 
  
01. 07. 2003
Artikel bewerten

florida sun branchen-guide

Hotels im Branchen-Guide

Jetzt die passende Unterkunft für Ihren nächsten Urlaub finden: Florida-Hotels in unserem Branchen-Guide

Kleinanzeigen

Anzeigen - Gesuche - Angebote

Florida Sun Magazine bietet einen kostenlosen Service für Privatanzeigen. Einfach Anzeigenformular ausfüllen.