02. 07. 2017
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Reisen

Dry Tortugas: Festung im Ozean

Die Dry Tortugas: winzige Inseln, verstreut im Golf von Mexiko, rund 115 Kilometer westlich von Key West. Die Zahl der schmalen Sandbänke liegt im Moment bei sieben. Doch wenn die Hurrikane über sie hinwegfegen, versinken sie zuweilen in den tosenden Fluten. Nur Fort Jefferson auf der Insel Garden Key trotzt allen Unbilden: Die mächtige Festung thront seit über 150 Jahren majestätisch über der scheinbaren Unendlichkeit des Meeres. Unser Autor hat sich auf ihre historischen Spuren begeben.

Autor: Friedrich Schmidt

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Noch ein letzter großer Schritt in den weichen, weißen Korallensand des Strandes. Mag sein, dass wir die Insel an genau derselben Stelle betreten wie einst der Konquistador Juan Ponce de León im Jahre 1513. Im Gegensatz zu uns war er allerdings nicht auf der Suche nach einem Vogelparadies oder traumhaften Schnorchelgründen. In alten Quellen ist die Rede von der geheimnisvollen Quelle der ewigen Jugend, nach der der Spanier trachtete. Doch erst mal war Profaneres wichtiger: Mit 160 Meeresschildkröten (Spanisch »tortugas«) als lebendem Proviant an Bord verließ er die Insel zu weiteren Entdeckungsfahrten.

Wie bequem und zugleich spektakulär ist da unsere Anreise mit dem Wasserflugzeug, einer bewährten Buschmaschine vom Typ Otter. Von den neun Passagieren an Bord hat jeder seinen Fensterplatz, kann aber auch unserem Piloten Jim über die Schulter schauen. In 150 Metern Höhe huschen wir im Morgenlicht unserem Schatten hinterher, mal über azurblaue Wellen, mal über jadegrün gekräuseltes Wasser. Ein kleiner Schwenk nach links lässt uns über einem gesunkenen Fischerboot schweben, wenig später über einer Schule Delfine sowie dem Wrack einer spanischen Galeere – oder dem, was von ihr übrig geblieben ist. Die ersten Riffe und Inselchen tauchen auf, erst undeutlich im Dunst, dann unübersehbar: die Silhouette von Fort Jefferson. Jim nimmt das Gas zurück, fast lautlos gleiten wir hinunter, bis sich die Schwimmer am Wasser festsaugen. Jim ist zwar der Kapitän, hier aber der Erste, der das Cockpit verlässt, hinausturnt auf die Schwimmer und die Maschine am Strand fixiert.

Uneinnehmbar scheinen die 14 Meter hohen Festungsmauern zu sein, aufgeschichtet aus Millionen von Ziegeln, die vor uns in den Himmel wachsen. Welch unendliche Mühe muss es gekostet haben, all das Material vom 110 Kilometer entfernten Key West hierher zu bringen. Um 1825 hatte man damit begonnen, erst 30 Jahre später konnte das Militär den gigantischen Bau übernehmen. Gedacht für 430 Kanonen und 1700 Mann Besatzung war das Fort letztlich eine Fehlplanung. Die Kanonen wurden nie eingebaut und nie wurde im gesamten Archipel ein einziger ernsthafter Schuss abgefeuert. Die Festung diente zunächst als Militärstützpunkt und später als Gefängnis.

Heute kann jeder auf dem Rundgang der Mauerkrone den besten Ausblick genießen. Aus dem Norden grüßt die Insel Loggerhead Key mit ihrem markanten Leuchtturm, beim Blick nach Osten lockt die Nachbarinsel mit kilometerlangen Sandstränden. Diese kann man heute bequem zu Fuß erreichen, der alte Kanal ist zugeschüttet. Obwohl es kein Trinkwasser auf den Inseln gibt – daher der Zusatz »Dry« im Namen der Inselgruppe – erstrahlt der Innenbereich jetzt in der Nachregenzeit in sattem Grün. Im Baumschatten erkennt man die Rangerstation, von weiter drüben auf dem kleinen Campingplatz leuchten die Farbtupfer einiger Zelte. Ein Paradies mitten in der Wasserwüste.

Inzwischen hat auch das Ausflugsschiff »Yankee Freedom III« am Pier festgemacht. Wir sind nicht mehr allein. Als wir durch den Sand wieder zu unserem Flugzeug hinunterstapfen, beschleicht uns ein wenig Wehmut. In 40 Minuten sind wir wiede in der Zivilisation. Schade eigentlich...

Die Dry Tortugas sind nur mit der Fähre, dem Ausflugsboot oder per Wasserflugzeug von Key West aus zu erreichen. Soweit es das Wetter erlaubt, verkehren die Fähren täglich, die Fahrzeit beträgt etwas über zwei Stunden. Die Touren beinhalten meistens Ausrüstungen zum Schnorcheln oder Fischen und eine Führung durch das Fort.

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02. 07. 2017
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