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Floridas Florida: Geheimtipp für Winterflüchtlinge

Viele behaupten, der südliche Zipfel der Golfküste von Florida sei ein Paradies. Und in gewisser Weise trifft dies zu. Das schöne Wetter, die weißen Sandstrände und die herrliche Natur sind ein Magnet für Urlauber und »Snowbirds« – und das nicht erst seit Henry Ford und Thomas Alva Edison.

Autor: Hans Enderneit

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Der Schrei war spitz. Und kurz. Jäh beendet durch den knallenden Ton eines zusammenklappenden Kiefers. Dann war es ruhig. Leise hörte man nur noch den Klang der Wellen, die über dem Alligator zusammenklatschten, als das Tier untertauchte. Manchmal ist der bleibende Eindruck, den man von der Südwestküste Floridas mitbringt, nicht der der untergehenden Sonne in Fort Myers Beach. Und auch nicht das Klirren der Eiswürfel in den Margarita-Gläsern an der Strandbar in Naples. Sondern eben das Gänsehaut verursachende letzte Lebenszeichen eines kleinen weißen Reihers. Dass der Alligator im »J. N. ‘Ding’ Darling National Wildlife Refuge« auf Sanibel Island zuschnappt, das stört ehrlich gesagt niemanden hier.

Im Gegenteil: Das Gefühl, die wahre Natur wenige Meter vom Spazierweg entfernt hinter Mangrovenbäumen erleben zu können, ist etwas, das sich abends beim gebratenen »Red Snapper« gut erzählen lässt. Noch liegen die Sehenswürdigkeiten Südwestfloridas vor allem in der Natur. Hier springen in Buchten Delfine neben Segelbooten auf und ab, hier ist der Sand backpulverartig zart und weiß. Und die Mangroveninseln bieten ein einmaliges Revier für Kajaker und Kanuten. Überhaupt: Für einen Familienurlaub ist die Region ideal, Disney World in Orlando und Busch Gardens in Tampa Bay mit Zoo und Achterbahnen sind nicht weit. Angler können hier ohne Führerschein Motorboote chartern und ihre selbstgefangenen Grouper in manch Restaurant zubereiten lassen. Und für Golfspieler ist die Region sowieso ein Traum.

Viele leben nur im sturmfreien Winter in Südwestflorida – nicht aus Angst vor Hurrikanen. Sondern weil sie so genannte »Snowbirds« sind, Winter-Flüchtlinge. Wegbereiter dieser Bewegung war von 1887 bis zu seinem Tode 1931 der Erfinder Thomas Edison, der die kalten Monate in Fort Myers verbrachte. Er erbaute sein Haus mitsamt Labor und botanischem Garten zwischen dem Fluss und dem McGregor Boulevard. Edison ließ die alte Straße mit stattlichen Königspalmen bepflanzen, die auch heute noch ein Wahrzeichen sind und der Stadt ihren Beinamen »City of Palms« gaben. Irgendwann überzeugte Edison auch seinen Freund Henry Ford, den Autokönig aus Detroit, sein Nachbar zu werden. Beide Häuser stehen heute Besuchern offen und informieren über die lokale Geschichte.

In der Stadtmitte von Fort Myers entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein lebendiges Nachtleben: Clubs, Restaurants, Straßenkünstler und Cafés ziehen die Nachtschwärmer an. Das besonders unter Deutschen beliebte Cape Coral bietet mit seinen unzähligen Kanälen ein ideales Revier für Wassersportler. Pine Island, eine lang gestreckte Insel, die hartnäckig an ihrem von Hochsee-Fischfang und Landwirtschaft geprägten Erbe festhält, liegt ein wenig versteckt zwischen den Gewässern des Intracoastal Waterways. Uralte Calusa-Indianer-Hügel und die witzig-unkonventionelle Künstlerkleinstadt Matlacha bringen Kulturliebhaber auf diese Insel, die mit ihrem Mango Mania-Festival im Juli jeden Jahres die Ernte dieser Frucht feiert.

Andere Fort Myers vorgelagerte Inseln sind Fort Myers Beach, eine lebendige Strandstadt, ausgelegt für Familienurlauber, und Captiva Island, eine bunte Ansammlung von »schrägen« Läden und Restaurants. Teddy Roosevelt wählte Captiva Island als Basis für seine Angelexkursion von 1914. Außerdem war die Insel ein beliebter Schlupfwinkel von Flieger Charles Lindbergh und seiner Frau Anne Morrow Lindbergh, die hier das Buch »Muscheln in meiner Hand« schrieb. In Bonita Beach beginnt der Great-Calusa-Blueway-Paddelweg, der 90 Meilen nach Norden führt. Neben den Möglichkeiten zum Kanu- und Kajakfahren lockt der Ort mit Bootstouren in die Natur, Chartertrips zu Fischfang und Muschelsuche, Bootsvermietung und Parasailing.

Noch ein Stück weiter Richtung Süden liegt Naples, ein sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelnder eleganter Badeort. Unzählige Villen, manche kleinen Palästen gleich, mal weiß, mal pink, mal aprikosenfarben, lugen hinter Hibiskus und Palmen hervor. Am Pier versammeln sich zur Zeit des Sonnenuntergangs die Leute. Pelikane dümpeln im Wasser, Angler warten auf Beute, betagte Paare flanieren. In der Fifth Avenue reihen sich Antiquitätengeschäfte an Immobilienagenturen und Anwaltskanzleien. Ihre Restaurants und Boutiquen sind mit Palmen, Blumenrabatten und lauschigen Höfen auf mediterranes Flair getrimmt.

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Leserkommentare (1 Kommentar)
Manu (04.06.2009 23:14)

Schöner Bericht, da würde ma am liebsten direkt losdüsen in Richtung Florida :-)

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