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Floridas schönste Autotouren: Von Miami nach Key West (Teil 2)

Brücken, Vögel, Schildkröten, Stone Crabs, charmante kleine Strände und ein sehr ungewöhnliches Tier – meine Autotour von Marathon nach Key West hält Interessantes und viele Überraschungen bereit.

Autor: Kerstin Schnabel-Macloud

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Geweckt werde ich von einer warmen Brise und strahlendem Sonnenschein. Von Islamorada bis Key West liegen noch etwa zwei Stunden Fahrt vor mir. Nach einem üppigen Frühstück im Hotel mache ich mich auf den Weg und entdecke am Straßenrand bald einen riesengroßen Adlerhorst. Die vielfältige und faszinierende Vogelwelt der Florida Keys – viele Arten kommen im Winter aus dem Norden hierher – hat schon 1832 den Ornithologen John James Audubon dazu inspiriert, diese in Zeichnungen zu verewigen.

Bei der Fahrt über die Long-Key-Brücke – die zweitlängste in den Keys – sehe ich überall Pelikane, die das Wasser nach Fischbeute absuchen. Kurz vor Marathon fahre ich durch das kleine und friedliche Grassy Key, auf dem sich das berühmte Dolphin Research Center befindet – eine Bildungs- und Forschungseinrichtung, die sich den atlantischen Tümmlern (Bottlenose Dolphins) und den kalifornischen Seelöwen verschrieben hat. Nach Voranmeldung kann man auch mit Delfinen schwimmen.

Marathon ist das Herz der Florida Keys und bekam diesen Namen, weil es in der Tat ein Marathon war, zwischen 1935 und 1938 dieses aufwändige Brückengefüge zu bauen. Die Stadt ist jedes Jahr im April Gastgeber des so genannten »Seven Mile Bridge Run«, einem Lauf mit jeweils rund 1500 Teilnehmern, der über die längste und faszinierendste der Brücken – sieben Meilen, also etwa 11 Kilometer – führt.

Seit 1986 widmet sich das hiesige Turtle Hospital einem anderen wichtigen Bewohner des Atlantiks in Florida – der Meeresschildkröte, einer Spezies, die vom Aussterben bedroht ist. Seit seiner Eröffnung wurden hier 750 Patienten behandelt, geheilt und wieder in die Freiheit entlassen.

Marathon und die Seven Mile Bridge trennen die Upper von den Lower Keys. Die schier endlose Brücke windet sich wie eine Schlange auf unzähligen Betonpfeilern über das azurblaue Meer. Gleich daneben steht als erhaltenes Baudenkmal die alte Eisenbahnbrücke Henry Flaglers, die zum Angeln, Rollerbladen oder Spazierengehen liebevoll zweckentfremdet wird. Wenn man von hier oben auf das Wasser hinunterschaut, sieht man ein faszinierendes Farbenspiel zwischen Blau, Türkis, Beige, und man könnte fast den Eindruck gewinnen, die beiden Meere – der Atlantik auf der linken und der Golf von Mexiko auf der rechten Seite – hätten ganz unterschiedliche Tiefen. Und wer sich vielleicht erinnert: Hier wurde auch der Action-Film »True Lies« mit Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis gedreht.

In den Lower Keys halte ich am Bahia Honda State Park (Mile Marker 37) an. Diese Insel ist Natur pur und lädt ein zu Camping, Schnorcheln, Kajaken, Tauchen, Bootfahren, Picknicken, Parasailing und Schwimmen. Oder schlicht zum Sonnenanbeten! Ein kurzes Bad und eine eiskalte Cola an einer gemütlichen Tikibar im Park erfrischen das Gemüt, es kann weitergehen.
Big Pine Key bietet eine wild-romantische Landschaft und ist das Zuhause eines sehr ungewöhnlichen Tieres – des Key Deers. Als Mischung aus Reh und Hund repräsentiert das Key Deer eine ganz eigene Gattung, die es nur hier in den Florida Keys gibt und dessen Herkunft bis heute unbekannt ist. Gelbe Verkehrsschilder weisen darauf hin, dass man langsam fahren soll, um diese hübschen Lebewesen nicht zu überfahren. Es gibt schließlich nur noch etwa 300 Exemplare davon.

Was mir auf meiner Fahrt durch die Keys immer wieder auffällt, sind eigenartige Holzreusen am Ufer in den Fischerdörfern. Nun packt mich die Neugier; ich halte an, und ein freundlicher Fischer erklärt mir, was es damit auf sich hat. Schon mal von Stone Crabs – Steinkrebsen – gehört? Die Scheren dieses Meerestieres sind eine teure Delikatesse. Wenn man von Mai bis Oktober Florida besucht, sollte man es keinesfalls versäumen, diesen Leckerbissen, der mit Ködern in Holzreusen gefangen wird, zu probieren.

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