Ein fahler Mond steht am Himmel. Palmen werfen lange Schatten und dann .... ein Blitzlicht. John Carr steht vor dem Stranahan House in Downtown Ft. Lauderdale und "dokumentiert" mit seiner Digitalkamera die "Anwesenheit" von Frank Stranahan.
Frank ist lange schon tot. Selbstmord im Jahre 1929. Doch sein Geist lebt fort und geistert weiterhin im ältesten Haus in Broward County umher. Er ist nicht allein. Carr, der selbst einen Teil seiner Kindheit in einem "haunted house" verbrachte, weiß von der Unrast fünf weiterer Seelen zu berichten. "Manchmal hört man Schritte", sagt er mit verschwörerischer Stimme.
Wir sind auf Geistertour in Ft. Lauderdale. Carr wirft sein langes, schwarzes Cape über, setzt den Bowler Hut auf und zündet seine Laterne an. Wir folgen ihm vom Stranahan House zum New River Inn, wo – Geister hin oder her – gerade fröhlich eine Hochzeit gefeiert wird, dann an die Gleisanlage und zum King-Cromartie House, ebenfalls verwunschene Orte.
Die Tour konzentriert sich auf Downtown Ft. Lauderdale und den Riverwalk am Nordufer des New River, der die meisten historischen Wahrzeichen der Stadt verbindet. Carr ist nicht nur ein unterhaltsamer Erzähler und Kenner des eigentlich Unerklärbaren, der Ft. Lauderdales Geschichte mit gruseligen Anekdoten spickt. Man lernt auch eine Menge hilfreicher "Fakten" über Geister. Die einen seien nämlich laut, die anderen liebten eine gute Zigarre. Und: Klingende Windspiele würden die bösen Exemplare unter ihnen vertreiben. Na, Gott sei Dank!
Nicht nur in Ft. Lauderdale kann man sich die Abendstunden mit ein paar amüsanten Geschichten vertreiben. Wer genug hat von überdimensionierten Mäusen, Vergnügungsparks und wilden Achterbahnfahrten, der kann sich auch in Orlando auf die Suche nach den Seelen der Verstorbenen machen. Zwei Stunden lang führt hier eine Ghost Tour durch die Innenstadt. Sie beginnt am Church St. Station Exchange Building, einem ehemaligen Zugdepot, und endet im Orange County Regional History Center, dem alten Gerichtsgebäude aus dem Jahre 1927. Am Ende geht es geradezu wissenschaftlich zur Sache: Teilnehmer lernen, wie sie selbst zu "Ghostbuster", sprich Geistervertreibern, werden können.
Berühmt berüchtigt für seine Geistertouren ist auch Key West, eine einzigartige Stadt, die über die Jahrhunderte so manchen exzentrischen Besucher anlockte, der sich hier heimisch machte und – grusel, grusel – in die Annalen der Geisterforscher einging. In der Dunkelheit kann man hier mit Joni durch die dunklen und verlassenen Gassen schlendern und ihren schaurig-schönen Geschichten lauschen. Oder mit Jason, der weiß, dass "sogar der glücklichste Ort eine dunkle, verschattete Seite" hat und ein "haarsträubendes Erlebnis" verspricht.
Vorbei am Friedhof und anderen markanten Grusel-Punkten erfahren wir, warum ein Mann einen Leichnam heiratete und dann, oh Schreck, auch noch mit ihm lebte. Oder wo ein Piratenschatz verborgen sein soll. Key West gibt für all dies eine besonders gelungene Kulisse ab, mit seinen Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert und den Shotgun-Häusern der kubanischen Zigarrenarbeiter, die so wunderbar mit den schrullig-romantischen Villen der Reichen kontrastieren. Und wer dann noch keine Gänsehaut hat, der kann sich diese am nächsten Tag am Mallory Square holen, wo jeden Abend die Sonne mit Glanz und Glorie im Meer versinkt ...
Nicht zu vergessen sei auch St. Augustin, Amerikas älteste von Europäern besiedelte Stadt. Dort wollen gleich mehrere Geister-Touren das Gruseln lehren. "Ghostly Encounters" ist ein nächtlicher Rundgang, der mit dem Spanish Military Hospital beginnt, wo im 18. Jahrhundert verwundete und kranke Soldaten aufgepäppelt wurden. "Seltsame Dinge passieren hier", sagt eine Frau, die offenbar sehr empfänglich ist für parapsychologische Phänomene und schon mehrere Touren mitgemacht hat. "Türen öffnen sich, Betten bewegen sich und man hört Leute umhergehen."



