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Great Calusa Blueway Paddling Trails: Paradies für Kajaker und Kanuten

Der im vergangenen Frühjahr eröffnete nördliche Teil des Great Calusa Blueway Paddling Trails führt vorbei an den Barrier Islands des Lee County. Nicht immer ein leichtes Areal für Kajaker und Kanuten – aber eines mit zahlreichen Abkürzungen und Schleichwegen.

Autor: Dirk Rheker

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Streng genommen hatten wir ein bisschen geschummelt. Denn der neue Teil des Great Calusa Blueway Paddling Trails beginnt eigentlich schon in Fort Myers Beach. Von dort aus hatten wir im vergangenen Jahr auch den alten, südlicheren Abschnitt der Paddelstrecke erkundet. Entlang mäandernder Wasserwege durch dichte Mangrovenwälder, vorbei am Lovers Key State Park bis hin zum Imperial River in Bonita Springs. Ein unvergessliches Erlebnis im Netzwerk kleiner, verträumter Seitenarme des Calusa Rivers - überall tropische Vögel und verschwiegene Buchten ohne Zeichen menschlicher Eingriffe.

Jetzt wollten wir den im letzten Mai eröffneten nördlichen Teil erkunden. Aber der Blick auf die Karte zeigte uns: Statt durch schützendes Mangrovendickicht gehen große Strecken hier über offenes Wasser vorbei an den Barrier Islands des Lee County. Mitsamt Gezeitenströmen und frischeren Winden. Also entscheiden wir uns: Kajaks auf's Autodach und rüber über den Sanibel Causeway nach Sanibel Island, wo wir an der Tarpon Bay unseren Jeep parken und die Kajaks zu Wasser lassen. Um wenigstens ein bisschen Kraft zu sparen. Schnell noch ein paar Sachen bei Tarpon Bay Explorers eingekauft, einem urigen Outfitter und Bootsverleiher direkt an der Tarpon Bay, und los geht's.

Die ersten Kilometer sind paddlerisch das reinste Vergnügen: Das Wasser hier auf der Bayseite der Insel ist ruhig, wir gleiten vorbei am berühmten J. N. Darling National Wildlife Refuge. Der Naturpark erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2000 Hektar. Wohin wir auch spähen - überall Vögel. Von hochbeinigen Reihern bis zu krakeelenden Uferbewohnern. Mehr als 200 seltene Vogelarten sollen hier leben. Neben den gefiederten Freunden sehen wir Schildkröten und Otter. Das seichte, warme Wasser und der relativ flache Boden bieten optimale Bedingungen für alles mögliche Getier. War das da gerade im Gebüsch ein Alligator? Wir paddeln etwas schneller, denn so träge die Reptilien aussehen mögen, einen respektvollen Abstand sollte man grundsätzlich einhalten.

Lokalen Quellen zufolge ist "Sanibel" die verkürzte und nicht ganz korrekt ausgesprochene Version des Namens „Santa Isabella". Angeblich hatte der berüchtigte Pirat José Gaspar die Insel zu Ehren der spanischen Königin so benannt. Loyaler Typ - aber genuschelt haben muss er wohl mächtig, unser raubeiniger Seeräuber.

Wir kommen zügig in nördlicher Richtung voran und erreichen bald den Durchbruch zwischen Sanibel und Captiva Island. Ursprünglich war Captiva mit Sanibel verbunden, aber ein Hurrikan schuf einen Kanal. Auch Charley setzte der tropischen Palmeninsel im vergangenen Jahr kräftig zu. 160 Gebäude wurden zerstört und weitere 160 stark beschädigt. Noch immer sehen wir vom Wasser aus die Folgen des Sturms – umgeknickte Bäume, platt gedrückte Büsche. Aber ansonsten ist Captiva wieder so schön wie zuvor. Wenn man auf der einzigen Hauptstraße, der Captiva Road, die Insel durchquert, ist es, als fahre man durch einen grünen Pflanzentunnel. Schön genug, um zur Insel der Reichen und Prominenten zu avancieren. Ihr bekanntester Bewohner ist wohl der Künstler Robert Rauschenberg, der früher mit seinen langjährigen Lebensgefährten Cy Twombly und Jasper Johns ein ausschweifendes Leben in Manhattan geführt haben soll, heute im hohen Alter aber mehr die Ruhe seines Studios auf Captiva schätzt. Wir können den Mann verstehen...

Nach einer guten Stunde schweißtreibender Arbeit kommen wir in North Captiva Island oder Upper Captiva an. Hier wird Exklusivität noch ein bisschen größer geschrieben als auf Captiva. Die Insel ist komplett in Privatbesitz und nur per Boot zu erreichen. Uns ist nach stundenlanger Paddelei allerdings trotzdem nach einer kleinen Ruhepause, deshalb legen wir an einem freien Strandabschnitt an, packen unseren Proviant aus und aalen uns in der warmen Sonne. Plötzlich ist rund hundert Meter von uns entfernt im Wasser die Hölle los. Wir sehen wie zwei Delphine einen Schwarm von Fischen angreifen. Direkt unter der Oberfläche des Wassers können wir die graue Farbe der Meeressäuger hin- und herhuschen sehen. Sie schießen durch den Schwarm, toben und rasen hinter ihren Opfern her. Glitzernde Körper und schäumendes Wasser. Mit ihren Fluken peitschen Sie den Ozean auf, durchbrechen die Oberfläche und springen triumphierend in die Luft. Und dann ist es vorbei. Das Wasser beruhigt sich. Die Natur hat uns einen kurzen Augenblick lang eine mörderische Show präsentiert.

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