02. 10. 2007
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Reisen

Lee County: Sightseeing vom Oberdeck

Der Landkreis Lee County an der Westküste Floridas kann mit vielen Attraktionen aufwarten. Einmalig jedoch ist seine Nähe zum Wasser. Auf einer der zahlreichen Bootstouren lassen sich die maritimen Schönheiten der Region am besten entdecken.

Autor: Hans Enderneit

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In lässiger Pose, das Mikrofon in der einen Hand und den Kaffeebecher in der anderen, steht Kapitän Bob am Ruder der »Lady Chadwick«. Ein zweistöckiger, weiß getünchter Kahn mit Sonnendeck und flatterndem Sternenbanner am Heck. »Hurrikane sind für die Natur hier nichts Neues«, erzählt er den rund drei Dutzend Urlaubern, die sich an Bord durch die Inselwelt vor der Westküste Floridas schippern lassen. »Neu sind sie höchstens für uns.« Die Besucher räkeln sich in der Sonne, das ruhige Wasser vor Sanibel und Captiva Island glitzert. Ziel der heutigen Schiffspartie ist das winzige Eiland Cabbage Key.

Dass vor drei Jahren der Wirbelsturm »Charley« genau in dieser Region, nördlich von Captiva, auf Land traf, lässt sich vom Boot aus nicht mehr erkennen. Doch Bob erklärt, dass Hurrikane diese Insellandschaft, gesäumt von weißen Stränden, Palmen, Kiefern und Mangroven, erst geprägt haben. Der Kapitän zeigt auf mehrere schmale Wasserstraßen zwischen den Inseln: Dort hätten Tropenstürme in früheren Jahrzehnten zusammenhängende Landmassen getrennt. 1926 habe ein Wirbelwind so viel Wasser aufgewühlt, dass Sanibel und Captiva komplett überflutet wurden: »Das Wasser ging zwar wieder weg, aber der Boden war versalzen, Landwirtschaft nicht mehr möglich«, erzählt er. Der Exodus der Bauern habe dann den Weg bereitet für den Beginn der Tourismusbranche.

Die Bootstour mit der »Lady Chadwick«, angeboten von dem Veranstalter »Captiva Cruises«, ist nur einer von zahlreichen Törns in Lee County. Der Landkreis am Golf von Mexiko umfasst mehrere Regionen, die alle einen unterschiedlichen Charakter besitzen, denen aber eines gemeinsam ist: ihre Nähe zum Wasser. Und so ist es kaum verwunderlich, dass mehrere Anbieter ihren Gästen vom kühlen Nass aus die zahlreichen Naturschönheiten nahebringen wollen.

Eine Bootstour auf dem Schaufelraddampfer entlang dem tropischen Caloosahatchee-Fluss etwa bringt seine Passagiere den sanften Manatis näher. Diese halten sich gerne im warmen Wasser der oberen Flussmündung auf, wo man sie oft in dieser natürlichen Umgebung beobachten kann. Pine Island ist das Meeressprungbrett zu den abgelegenen Inseln wie Useppa Island, dem Naturreservat Cayo Costa und dem idyllischen Cabbage Key. Cape Coral im Westen ist buchstäblich von Wasser umgeben, und die Länge der Kanäle übertrifft sogar die von Venedig.

Der Ruf »Delfine« unterbricht kurzfristig die Ausführungen des Bootsführers. Und tatsächlich: An der Backbordseite ragen plötzlich zwei gräulich schimmernde Köpfe aus dem Wasser, um gleich darauf wie Torpedos wieder in der Bugwelle des Bootes zu verschwinden. Aufgeregt klicken die Kameras, als das Paar nach ein paar Minuten pfeilschnell wieder auftaucht. »So nahe habe ich die ja noch nie gesehen«, freut sich eine ältere Dame, während ihr Mann versucht, das Schauspiel für die Ewigkeit festzuhalten.

Kurze Zeit später erreicht das Schiff Cabbage Key und entlässt seine Passagiere für zwei Stunden auf dieser romantischen Insel. Cabbage Key liegt am Meilenstein 60 des Intracoastal Waterway. Im Jahre 1938 baute sich die Kriminalromanautorin Mary Roberts Rinehart hier ein Haus. Irgendwann wurde das Anwesen in ein gemütliches Gasthaus mit sechs Gästezimmern und einem malerischen Speisezimmer umgewandelt, an dessen Wänden Tausende von unterschriebenen Ein-Dollar-Scheinen hängen. Die Tradition, die heute eine George-Washington-Tapete im Wert von mindestens 30.000 Dollar erschaffen hat, begann mit einem durstigen Fischer, der seinen Schein an die Wand klebte, um sich beim nächsten Besuch ein kühles Getränk zu sichern. Jetzt hinterlassen fast alle Besucher ihren Geldschein, wenn sie noch einen Platz dafür finden können.

Auch auf der einstündigen Fahrt zurück nach Captiva erfreuen sich die Passagiere an den einmaligen Naturschönheiten dieser Landschaft. Man sucht sich ein sonniges Plätzchen am Oberdeck und lauscht gespannt den Worten des Kapitäns, der allerlei Interessantes über die »Barrier Islands« und ihre Bewohner zu erzählen hat. Etwa die Geschichte von Anne Morrow Lindbergh, der Frau des berühmten Fliegers, die ihren Bestseller »Muscheln in meiner Hand« auf Captiva verfasste. Lindbergh hatte sich im Jahre 1955 für ein paar Wochen auf die damals nahezu menschenleere Insel zurückgezogen, um dem geschäftigen Treiben zu entkommen und wieder zu sich zu finden. Auf ihren Strandspaziergängen sammelte sie begeistert Muscheln. In ihrem Buch steht jede Muschel für ein Thema, das sie sinnbildlich von allen Seiten betrachtet – wie die Muscheln in ihrer Hand. Später am Nachmittag landet die »Lady Chadwick« wohlbehalten im Hafen von Captiva an. Und die Passagiere sind sich – wieder mal – einig, dass sich Lee County wohl von keiner Seite so schön erkunden lässt wie vom Wasser aus.

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02. 10. 2007
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