03. 01. 2007
Artikel bewerten
  
Reisen

Lift-off in Cape Canaveral

Das All, unendliche Weiten ... Sie wissen schon, Captain Kirk, Commander Spock und der Rest der Crew auf dem Raumschiff Enterprise. Astronautik à la Hollywood. Nirgendwo kommt man dem »echten« Menschheitstraum von der Reise ins Universum freilich näher als im Kennedy Space Center von Cape Canaveral.

Autor: Hans Enderneit

Left3-disabled Bild 1 von 4 Right3-enabled

Da liegen wir nun auf dem Rücken, die Beine angewinkelt, etwa 60 Meter über der Erde im Middeck unseres Spaceshuttles, eine der Raumfähren, die uns in wenigen Sekunden in den Weltraum bringen soll. Wir schließen das Visier und hören nichts mehr. Nur noch den auf das Notwendigste reduzierten, stakkatoartigen Funkverkehr des Mission Control Centers nehmen wir wahr.

Dann der Start. Sechs Sekunden vor dem Abheben werden die drei Flüssigkeitstriebwerke gezündet. Wir schwingen wie in einer Schiffsschaukel nach vorn und dann wieder zurück. Dabei vibriert der Raumgleiter wie bei einem Erdbeben. Wir spüren überraschend wenig vom überwältigenden Donner, der draußen den Zuschauern das Zwerchfell beben lässt, und vom hellen, peitschenden Krachen der Feststoffbooster. Und dann hören wir über Funk nur noch: »Ignition - Lift-off!« Der Spaceshuttle hat abgehoben.

Oder wäre abgehoben, hätte das Ganze nicht im Simulator stattgefunden. So oder ähnlich werden Besucher ab Mai »hautnah« den Start eines Spaceshuttles erleben können. Dann nämlich, wenn im Visitor Complex des Kennedy Space Center (KSC) die »Shuttle Launch Experience« eröffnet wird, ein 60 Millionen Dollar teurer Technik-Spaß. Ein Team von Astronauten und NASA-Ingenieuren hat über Monate am Prototyp dieser Attraktion gearbeitet – mit Atem beraubendem Ergebnis. »Die Shuttle Launch Experience wird einen bleibenden Eindruck bei jedem Besucher hinterlassen«, verspricht Daniel LeBlanc, Chief Operating Officer des Kennedy Space Center Visitor Complex.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Denn schon heute gibt es am Weltraumbahnhof der NASA auf Merritt Island jede Menge zu sehen und zu erleben. Ein Freizeitpark, der mitten im Leben steht, sozusagen. Von hier aus starteten seit Dezember 1968 alle bemannten Raumflüge der USA: zuerst die Apollo-Missionen und seit 1981 die Spaceshuttles. Und auch in Zukunft wird das KSC das Sprungbrett zur Eroberung des Weltalls sein.

Am Morgen waren wir über den NASA Causeway gefahren. Da viele Bereiche des riesigen Geländes aus Sicherheitsgründen gesperrt sind, dient das Areal als Hort für viele geschützte Wildtiere. Die Nordspitze der Insel ist sogar ganz für das Merritt Island National Wildlife Refuge reserviert. Wir sahen Seeadler, die ihren gewaltigen Horst auf einer Palme gebaut hatten. Delfine schwammen im Wasser und Reiher staksten seelenruhig am Ufer. Fast hätten wir vergessen, dass wir ja wegen der Technik hier waren und nicht, um Natur zu erleben.

Im Visitor Complex erfuhren wir anhand vieler Dokumente und Ausstellungsstücke alles über Geschichte und Zukunft der amerikanischen Raumfahrt. Wir besichtigten eine Nachbildung des »Space Shuttle Explorer« von außen und von innen und bewunderten im »Rocket Garden« alle wichtigen Raketenmodelle von der deutschen V2 bis zur riesigen Saturn 5. Anschließend nahm uns im IMAX-Kino der Film »Space Station 3D« – übrigens erzählt von Oscar-Preisträger Tom Hanks – mit auf eine Reise zur Internationalen Raumstation. Besonders fasziniert waren wir von den aus dem Weltraum aufgenommenen Bildern der Erde.

Der überdachte Spielbereich (Play Dome), komplett mit einer Raumfähren-Spiellandschaft im Maßstab 1 zu 5, war anschließend die Attraktion für die Kleinen. »Exploration in the New Millennium« (Entdeckungen im neuen Jahrtausend) ist eine Ausstellung zum Anfassen – hier kann man sogar einen Gesteinsbrocken vom Mars berühren. Großen Spaß hatten wir auch an der Robot-Scouts-Ausstellung – einer schrillen Multimedia-Präsentation. In der Show »Mad Mission to Mars 2025« (Verrückte Mission zum Mars 2025) werden stereoskopische 3D-Computeranimationen, spektakuläre Bühneneffekte und verrückte Figuren eingesetzt, um die Gäste in »Astronautenlehrlinge« zu verwandeln und sie dann auf eine interaktive Reise durch den Kosmos zu führen.

Höhepunkt unserer Visite war allerdings die anschließende Rundfahrt über einen Teil des eigentlichen NASA-Geländes. Auf der Strecke verkehren zwischen 9.45 und 15.30 Uhr in kurzen Abständen Busse, die man an drei Stationen verlassen kann, um später die Fahrt fortzusetzen. Der Trip führte zunächst zum »Launch Schedule & Status Center« in der Nähe der Raketenabschussrampen, wo beim Start der Countdown läuft. Im »Apollo/Saturn 5 Center« steht die Geschichte des Apollo-Programms und der russisch-amerikanische Wettlauf zum Mond im Mittelpunkt. Dritte Station ist das »Space Station Center«, in dem es um den Bau der internationalen Raumstation geht. In der riesigen Montagehalle, in der die Raumfähren und die Module für die Raumstation zusammengebaut werden, spürten wir ganz deutlich, dass man hier nicht in Disneyland ist, sondern gewissermaßen live bei einem der spannendsten Projekte der Menschheitsgeschichte dabei sein darf.

Seite

1  |

2  |

3

nächste Seite »

 
  
03. 01. 2007
Artikel bewerten

florida sun branchen-guide

Hotels im Branchen-Guide

Jetzt die passende Unterkunft für Ihren nächsten Urlaub finden: Florida-Hotels in unserem Branchen-Guide

Kleinanzeigen

Anzeigen - Gesuche - Angebote

Florida Sun Magazine bietet einen kostenlosen Service für Privatanzeigen. Einfach Anzeigenformular ausfüllen.