01. 04. 2017
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Reisen

Loop Road: See you later, Alligator!

Das Big Cypress National Preserve liegt nördlich des Everglades National Parks. In dem 3.000 Quadratkilometer großen Schutzgebiet gibt es verschiedene Pisten, die mit Kraftfahrzeugen befahren werden können. Besonders berühmt: Die »Loop Road«, auf der sich unser Autor Friedrich Schmidt auf die Pirsch nach Floridas berühmten Riesenechsen, den Alligatoren, gemacht hat.

Autor: Friedrich Schmidt

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Wir wollen auf der US 41 Richtung Süden. Diese Traditionsstraße war vor fast 90 Jahren die erste Verbindung zwischen Tampa an der Golfküste und Miami am südöstlichen Zipfel. Die Ehrenbezeichnung Tamiami Trail, eine Zusammensetzung aus Tampa und Miami, erhielt sie allerdings erst später. Über uns strahlt die Sonne von einem weißblauen Himmel, der uns sehr an unsere bayerische Heimat erinnert. Vor uns liegt das Alligatorenland, der floridianische Sumpf. Unsere Erwartungen sind hoch, gilt dieses Feuchtbiotop mit seiner Artenvielfalt doch als einzigartig auf der Welt. Aber etwas verblüfft sind wir doch – keine Alligatorwarnung, kein Schild »Vorsicht Wildwechsel«, aber unübersehbar dank Signallicht heißt es plötzlich »Vorsicht Puma«. Dabei gibt es wenige Glückliche, die eine dieser nachtaktiven Raubkatzen je zu Gesicht bekommen. Etwa 150 der scheuen Florida-Panther, wie die hiesige Population genannt wird, sollen noch in der menschenleeren Wildnis leben. Doch jedes Jahr kommen bis zu 30 von ihnen bei der Begegnung mit ihrem einzigen Feind, dem Auto, um.

Kurz darauf geht es dort, wo ein Schild auf die vor kurzem abgebrannte Monroe Station hinweist, rechts ab auf einen schmalen einspurigen Sandweg: die etwa 39 Kilometer lange Loop Road. Hier holt uns Floridas Gründerzeit wieder ein. Die Loop Road ist Teil des originalen Tamiami Trails und so belassen, wie er vor 90 Jahren angelegt wurde. Nun wird es ernst mit dem Alligatorland. Glich die Landschaft bis jetzt einer weiträumigen Tundra, durchzogen von glitzernden Wasserflächen, auf denen Reiher und Ibisse nach Nahrung suchen, wird der Vorhang nun zugezogen. Ein dichtes Gestrüpp von Mangrovenbäumen, Zypressen und Sumpfgewächsen verwehrt den Blick ins Hinterland. Ein klein wenig Enttäuschung macht sich breit. Schilder ja, aber von den erwarteten Riesenechsen keine Spur. Erst nach etwa 8 Kilometern öffnet sich das erste Fenster in das geheimnisvolle Reich der Reptilien. Der Blick ist immer dann frei, wenn man über eine kleine Brücke fährt, unter der das Wasser seinem natürlichen Weg nach Süden folgen kann. Für Besucher sind das ideale Aussichtspunkte und für die Alligatoren beliebte Plätze für ein Sonnenbad – vor allem im Frühling, wenn das Wasser noch kühl ist, aber die Sonne schon richtig warm vom Firmament strahlt.

Schon vor 100 Millionen Jahren tummelten sich die zähen, bis zu sechs Meter langen Echsen auf der Erde. Die vor 50 Millionen Jahren ausgestorbenen Saurier haben sie locker überlebt. Nur eines haben sie nie geschafft: unabhängig von der Wärme der Sonne zu werden. Auch ihre Artenvielfalt ist überschaubar: Von den insgesamt etwa 25 Spezies kommen in Florida natürlicherweise nur der Mississippi-Alligator und das Spitzkrokodil vor. Von ersterem, zu erkennen an der runden Schnauze und dem schwarzen Panzer, leben in Floridas Süß- und Brackwasserhabitaten geschätzte 1,5 Millionen Exemplare. Die Zahl der Spitzkrokodile, die vorwiegend im Salzwasser der Biscayne Bay vorkommen, liegt dagegen bei nur etwa 1500. Ihre Schnauze ist spitz und der Panzer grünschwarz. Das Anfangsmodell der Urzeit war einfach perfekt, besondere Änderungen und Anpassungen waren nicht mehr notwendig.

Nach mehr als 40 Aussichtspunkten entlang der Loop Road sind wir hochzufrieden. Seltene Vögel, Orchideen, Schlangen und unbekannte Fische im glasklaren Wasser konnten wir bestaunen. Sensationelle Höhepunkte waren für uns allerdings immer wieder Momente, in denen wir den Überbleibseln aus der Urzeit der Erdgeschichte gegenüberstanden und ihnen mit Gänsehautgefühl tief in die unergründlichen Augen blicken konnten.

»RIVER OF GRASS«
Die reichen Niederschläge während der Regenzeit weit im Norden sammeln sich im Becken des Lakes Okeechobee. Dieses Oberflächenwasser driftete früher begleitet von einem Grundwasserstrom aus bestem Trinkwasser im gemächlichen Tempo von ein paar Zentimetern pro Sekunde nach Süden. Dort kamen die Wassermassen genau dann an, wenn man sie am nötigsten brauchte: in der Trockenzeit. Zugunsten der Besiedelung hat man allerdings bis weit in unsere Zeit hinein riesige Sumpfgebiete trockengelegt. Mächtige Kanäle leiten nun das Wasser zwischen West Palm Beach und Miami Richtung Atlantik. Erst spät bemerkte man, dass die Trinkwasserbrunnen dieser Region den steigenden Bedarf nicht mehr decken konnten. Als Antwort darauf wurde ein ehrgeiziges Renaturierungsprojekt in den Everglades ins Leben gerufen: Bis 2030 soll dem Wasser sein natürlicher Weg in den Süden zurückgegeben werden.

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