Reisen
Webnews Mister Wong google.com  digg.com Folkd LinkaARENA del.icio.us  YiggIt stumbleupon.com 

Manatees - Floridas barocke Meerjungfrauen

Sie kommen zu Hunderten im November, und die meisten ziehen im März und April wieder von dannen. Sie aalen sich im warmen Wasser, schlafen viel und laben sich am Grün. Nein, die Rede ist nicht von den berühmten "Snowbirds", rüstigen Rentnern, die den harschen Winter im Norden gegen das Sonnenklima Floridas eintauschen. Gemeint sind vielmehr Manatees, neben dem (offiziellen) Weißkopfseeadler etwas wie das inoffizielle Wappentier des Sonnenstaates.

Autor: Rita Neubauer

Left3-disabled Bild 1 von 3 Right3-enabled

Die schwergewichtigen Seekühe tummeln sich in den Wintermonaten in großen Herden in den wärmeren Buchten nahe des Chrystal River und Homosassa River im Citrus County an Floridas Westküste. Wenn die Temperaturen in anderen Gewässern unter ungemütliche 20 Grad Celsius sinken, dann propellern sie ihre bis zu 500 Kilo schweren Leiber hierher, wo dank wärmerer Quellen konstante 22 Grad herrschen. Steigen anderswo die Temperaturen wieder, dann heißt es "Adios".

Auf Kajaktouren im Crystal River Wildlife Refuge lassen sich die Tiere während der Wintermonate deshalb am besten beobachten. Idealerweise am frühen Morgen, wenn noch nicht allzu viele Leute unterwegs sind und die Tiere ihrer Lieblingsbeschäftigung, der Nahrungsaufnahme, nachgehen. Es ist neben dem Schlafen nämlich eine Dauerbeschäftigung der sanften Giganten, unablässig Wasserpflanzen und Seegras zu mampfen. Manatees nehmen täglich umgerechnet 10 bis 15 Prozent ihres Gewichts in Grünfutter zu sich – kein Wunder, dass rund um die Tiere ständig muntere Blasen an die Oberfläche blubbern.

Auch vom Trockenen aus entlang der Kanäle und Wasserwege in Miami und Ft. Lauderdale oder im Bereich des Warmwasser-Auslasses von Elektrizitätswerken in ganz Florida ergibt sich oft – und oft zufällig – die Gelegenheit, den sanften Riesen nahe zu kommen. In Ft. Myers organisiert "Manatee World" auf dem Orange River Bootsfahrten zum "Manatee Watching". Ein Geheimtipp für Manatee-Fans ist der Homosassa Springs State Wildlife Park nahe Crystal River. Hier werden verletzte Tiere behandelt und aufgepäppelt, und im Winter kommen die Seekühe bis zum Zaun des Parks und genießen das warme Quellwasser.

Besonders aufregend ist es natürlich, Manatees in ihrem Element zu erleben – mit Taucheranzug, Schnorchel und Maske "bewaffnet" im kristallklaren Wasser der Kings Bay in Crystal River oder im Blue Spring State Park nahe Orange City, rund 56 Kilometer von Orlando entfernt. Auch im Blue Spring State Park tauchen im Winter zahlreiche Manatees auf, wobei dort jedoch die Zahl der Schwimmer begrenzt wird, um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum nicht allzu sehr zu stören.

Wohl eine richtige Entscheidung, denn das Schwimmen mit Manatees ist unter Tierschützern nicht unumstritten. Um deren Bedenken zu begegnen, versuchen die Touranbieter der Region ihre Kunden vor dem Sprung ins Wasser über den richtigen Umgang mit den sensiblen Dickhäutern aufzuklären. Aggressives Drauflosschwimmen oder das Festhalten an den Tieren ist absolut untersagt, es kann sogar eine Strafe von bis zu 20.000 Dollar drohen. Und die Tierschutzorganisation "Save the Manatee" ist besorgt, dass Schwimmen mit Manatees diese in ihrem Lebensraum stört – es können so zum Beispiel Kälber permanent von ihren Müttern getrennt werden, da die jungen Tiere meist unvorsichtiger sind als die erwachsenen Manatees.

Das Berühren ist zwar verboten, doch vor allem die jüngeren Tiere sind ausreichend neugierig, schwimmen auf ihre menschlichen Kollegen in den Gummianzügen los oder rollen sich wie junge Hunde im Wasser. Überrascht werden die meisten Beobachter vor allem von der verspielten Sanftheit der urzeitlich anmutenden Meeressäuger, die laut Biologen seit 45 Millionen Jahren die Erde – beziehungsweise deren küstennahe Gewässer - bevölkern und mehr als drei Meter lang werden können.

Die Verspieltheit ist nicht die einzige Eigenschaft, die an den besten Freund des Menschen gemahnt. Auch die kleinen, dunklen, lidlosen Augen erinnern entfernt an einen Hund, vielleicht einen Golden Retriever. Intelligent und neugierig. Oder einen Shar-Pei mit kräftigen Barthaaren. In den Tagen von Christopher Columbus glaubten Seeleute beim Anblick der runden Kolosse, Meerjungfrauen gesehen zu haben. Unzweifelhaft ist, dass die haarlosen, plumpen, von Algen umschlungenen Körper der Manatees trotz barocker Üppigkeit (die ja früher sowieso eher das Schönheitsideal war...) eine gewisse Grazie ausstrahlen – immer dann, wenn sie sanft durchs Wasser gleiten und alle fünf Minuten zum Atemholen an die Oberfläche schwimmen.

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
Webnews Mister Wong google.com  digg.com Folkd LinkaARENA del.icio.us  YiggIt stumbleupon.com 
Einen Kommentar schreiben
Kommentar schreiben
Netiquette | AGB
Code *  
* sind Pflichtfelder
Leserkommentare (1 Kommentar)
Barbara (29.09.2009 21:11)

Schöner Artikel. Ich persönlich habe mich ja bei meinem letzten Florida Urlaub in die süßen Manatees verliebt, nachdem ich mit ihnen geschwommen bin. Bin inzwischen auch Patentante eines Manatees :-) Hehe... VG!

Hotels im Branchen-Guide

Jetzt die passende Unterkunft für Ihren nächsten Urlaub finden: Florida-Hotels in unserem Brachen-Guide

Florida Sun Blogs

Leser-Forum

Jetzt im Leser-Forum anmelden und mit anderen über Themen wie Traumziele, Auswandern, Shopping und Ferienhäuser diskutieren.

Mehr dazu

Kleinanzeigen

Anzeigen - Gesuche - Angebote

Florida Sun Magazine bietet einen kostenlosen Service für Privatanzeigen. Einfach Anzeigenformular ausfüllen.