30. 11. 2016
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Natur & Tiere

Meeresschildkröten in Südwestflorida: Mehr Gelege als je zuvor

Viele floridianische Strände dienen Meeresschildkröten als Brutquartiere. In den Frühlings- und Sommermonaten legen die Weibchen jeweils zwischen 20 und über 100 Eier in am Strand gegrabenen Gruben ab, aus denen zwei bis drei Monate später nachts die jungen Schildkröten schlüpfen und sich vom Mond- und Sternenlicht zum Meer leiten lassen. 2016 wurden in Südwestflorida besonders viele Nester der vom Aussterben bedrohten Tiere gezählt.

Autor: Patrick Pohlmann

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Auch an den Stränden von Collier County gab es mit insgesamt 1927 Schildkrötennestern einen neuen Höchstwert, nachdem bereits im vergangenen Jahr mit 1510 Gelegen ein Rekord verzeichnet worden war. Ein Tropensturm im Frühjahr und der Hurrikan Hermine im Spätsommer führten zwar dazu, dass an einigen Stränden Nester von der Flut weggespült wurden, diese Verluste wurden aber durch die außergewöhnlich große Zahl an Gelegen im Juli und August statistisch beinahe ausgeglichen. Wie Kelly Sloane, die Schildkrötenkoordinatorin der Sanibel/Captiva Conservation Foundation, gegenüber news-press.com erklärt, haben sich die Meeresschildkröten glücklicherweise in ihrem Verhalten an die Stürme angepasst, indem sie mehrmals nacheinander im Abstand von mehreren Wochen Nester anlegen.

Während es auf Sanibel Island in den Vorjahren noch große Verluste bei den Schildkröteneiern durch hungrige Kojoten gegeben habe, die erstmals 2011 auf der Insel aufgetaucht waren, habe man dies durch die Anbringung von Drahtabschirmungen in diesem Jahr verhindern können. In der Tatsache, dass 2016 dort allerdings nur zwei Nester der Suppenschildkröte gezählt wurden, während es im letzten Jahr 26 waren, sieht die Schildkrötenexpertin keinen Grund zur Beunruhigung, da es bei dieser Art bei der Fortpflanzung einen Zweijahresrhythmus gebe.

Eve Haverfield, Vorsitzende und Gründerin der Organisation Turtle Time, die sich um die Meeresschildkröten an den Stränden des südlichen Lee Countys kümmert, äußerte gegenüber news-press.com die Vermutung, dass die starke Zunahme der Gelege eine unmittelbare Folge der staatlichen und ehrenamtlichen Schutzmaßnahmen in den zurückliegenden Jahrzehnten darstelle. Da die Tiere oft erst nach über dreißig Jahren geschlechtsreif würden, wolle sie nur zu gern glauben, dass ihr nunmehr 37 Jahre währendes Engagement im Meeresschildkrötenschutz nun so deutliche Früchte trage. Sie räumt allerdings ein, dass man erst in einigen Jahren sehen werde, ob es sich dabei um einen dauerhaften Trend oder nur um einen Extremwert aufgrund glücklicher Umstände handle. Schließlich habe es Anfang der 2000er-Jahre auch schon einmal einen dramatischen Rückgang bei den Gelegen gegeben, ohne dass ersichtlich gewesen wäre, was die genaue Ursache dafür war.

Zu vielfältig und komplex sind die Faktoren, die für das Überleben und den Bruterfolg der Schildkröten eine Rolle spielen. Der Schlüssel zu alldem liegt aber letztlich beim Menschen. Zwar ist der Handel mit Meeresschildkröten seit langem international geächtet, insbesondere in Asien werden sie aber wegen ihres Fleisches, ihres Leders und des Schildpatts ihrer Panzer noch immer bejagt. Weitere Bedrohungen gehen von der Umweltverschmutzung, speziell dem im Meer entsorgten Plastikmüll, und modernen großen Fischernetzen aus, in denen jährlich Tausende der Tiere als Beifang verenden. Aber auch etwas so Banales wie das abendliche Licht von Straßenlampen oder privater Zimmerbeleuchtung kann zur tödlichen Falle werden, wenn die aus den Eiern geschlüpften Schildkrötenjungen die falsche Richtung einschlagen und statt ins Meer Richtung Straße laufen, sodass sie überfahren werden können, Fressfeinden zum Opfer fallen oder vor Erschöpfung sterben können. Diverse Countys führten daher eine Verordnung ein, die vom 1. Mai bis zum 31. Oktober jeglichen Lichteinfall zum Strand durch in Häusern oder im Freien angebrachte Lampen verbietet beziehungsweise abgedunkelte Fenster bei Strandhäusern verlangt.

 
  
30. 11. 2016
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