01. 04. 2010
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Insider-Tipps

Miamis Design District: Verrückt, bunt, trendy

Einst Treffpunkt der Drogenszene, jetzt Wallfahrtsort der Avantgarde: Miamis Design District ist zum Zentrum für moderne Kunst, neueste Möbeltrends und Ausgehkultur geworden. Unter den Ladenbesitzern sind auch einige Deutsche.

Autor: Daniela Boettcher

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Es ist ein heißer Sommernachmittag in Miamis hippem Design District. Der Berliner Silvio Bernd sitzt mit dem benachbarten Ladenbesitzer unter einer Palme auf der Bank vor seinem Friseursalon »Hairdragon« und begrüßt mich, als ich mit Block und Stift zum Interview erscheine. Er lädt mich ins Ladeninnere ein, wo seine perfekt frisierten und gestylten Hair- und Make-up-Artists (so heißen Friseure hier) einigen Damen und Herren neue Haarschnitte und Looks verpassen.

Silvios Partner Drako Romaniuk ist Chef im Salon und strähnt gerade einem Kunden die Haare, während er von einem lokalen Fernsehsender gefilmt und interviewt wird. Drako hat einen Namen in der Szene: Er stylt jeden Morgen Louis Aguirre, den Moderator der bekannten Unterhaltungssendung »Deco Drive« des Senders WSVN, und ist stets bei den Top-Modenschauen der Fashion-Saison in Miami Beach als Stylist dabei.

»Hier ist immer was los«, sagt Silvio und bietet mir einen unvergleichlichen Latte Macchiato und perfekt im Quadrat arrangierte Kekse an, deren Anordnung sich im Design des Studios widerspiegelt. Die anderen beiden Stylistinnen parlieren bei sanft anregender Lounge-Musik fröhlich mit ihren Kundinnen und antworten zwischendurch professionell auf meine Fragen.

Seit 2005 lebt der gelernte Versicherungskaufmann Silvio in Miami. Seinen Partner Drako hatte er kurz vor seiner Übersiedlung nach Florida in Berlin kennen gelernt und dann mit ihm zusammen den Salon »Ego Trip« in South Beach aufgemacht. Als die beiden vom aufstrebenden Design District Wind bekamen, starteten sie das Projekt »Hairdragon« und öffneten kurze Zeit später den Laden an der lebendigen Atlas Plaza an der 40. Straße. Auf unserem Streifzug durchs Viertel zeigt mir Silvio, wer seine Nachbarn sind und was die so machen. Die Glasfassade gegenüber gehört zum Restaurant »Michael’s« (www.michaelsgenuine.com), gleich daneben gibt’s französische Designerkleidung bei »Sebastien James«.

Der direkte Nachbar ist ein Schmuckgeschäft: Die Besitzerin bindet sich bei unserem Schaufensterbummel gleich ins Gespräch ein und bringt einige ihrer handgearbeiteten Ketten und Taschen nach draußen. Daneben befindet sich der Gartenmöbelladen »MBM – Münchener Boulevard Möbel«, der auch einem Berliner gehört, Jochen Leisenheimer.

Bei unserer Runde um den Block kommen wir bei »Pacific Time« vorbei – einem Edelrestaurant, das dem Strand den Rücken gekehrt und im Design District seine Pforten wieder eröffnet hat –, an Tapas-Bars, den In-Schuppen »Grass« und »SoHo Lounge«, weiteren Modesalons und zahlreichen Artstudios. Wir treffen auf Percussionists, die gerade vor einer Galerie ihr Musik-Equipment aufbauen, um später mit funkigem Retro-Pop den »Gallery Walk« einzuleiten, der jeden zweiten Samstag im Monat stattfindet. »Das ist ein Super-Event«, sagt Silvio, »in einer halben Stunde, wenn die Sonne untergeht, wird es hier proppenvoll.

Die Leute kommen in Scharen in den District und bummeln durch die Galerien, Möbelhäuser, Klamottenläden, trinken Gratis-Cocktails und naschen Appetizer, von den Ladenbesitzern anlässlich des Walks feilgeboten. Da musst du echt noch bleiben und es dir ansehen«, sagt er zu mir. Was los ist aber nicht nur heute, an jenem zweiten Samstag im Monat, sondern regelmäßig, mittlerweile schon täglich, nicht nur am Wochenende. »Früher konnte man noch überall parken, jetzt muss ich schon eine Weile suchen, wenn ich am frühen Abend einen Parkplatz haben will«, sagt Silvio.

Miamis Design District hat sich zum neuen Szene-Treffpunkt für Avantgardisten, Künstler und Intellektuelle entwickelt. Fernab von der Scheinwelt South Beachs sei hier die ehrlichere, bessere Ausgehkultur zu Hause, meint der Berliner. Das Essen sei besser, die Atmosphäre angenehmer, und die Leute seien nicht so etepetete. Die Ladenbesitzer halten zusammen, »wir sind wie eine große Familie«.

Design District, so hieß das Viertel zwischen Downtown Miami und Little Haiti zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon mal, als hier feine Möbelfabriken ihre industriellen Showrooms hatten. Dann verkam das Gebiet, Druglords verhökerten auf den verwahrlost-lebensgefährlichen Straßenblocks Kokain & Co. In den achtziger Jahren gab es Rassenunruhen, und die Miami-Vice-Drehbuchautoren fanden hier ihre Crime-Inspirationen. Dann kam der rettende Kulturwandel. Investor Craig Robins, der zuvor schon den Art-déco-District in South Beach in ein Party-Paradies verwandelt hatte, sorgte nun auch für die Renaissance des Design Districts. Kaum verwunderlich, dass Miamis Bürgermeister Manny Diaz über Robins schwärmte: »Craig ist mein Held!«

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01. 04. 2010
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