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Orchidee: Die Schöne aus den Sümpfen Floridas

Im feuchtwarmen Klima Floridas sind mehr als 115 Arten und Varianten von Orchideen beheimatet. Hier gibt es genug Wärme, aber auch ausreichend Regen für die edlen Schönheiten. Leider zieht die begehrte Pflanzen auch Wilddiebe der besonderen Art an.

Autor: Dirk Rheker

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Die Rose ist die Königin der Blumen. Sie ist Symbol der Liebe, besungen in Liedern und in Gedichten verewigt. Und die Orchidee? Eine seltsame Erscheinung. Kapriziöses Blütengebilde in blutrot, violett oder schneeweiß. Überirdische Schönheit in vollendeten Formen. An geheimen Plätzen wachsend, manche im Boden, andere auf Fels. Wieder andere thronen in luftiger Höhe, an raustämmige, ruppige Bäume gelehnt, die den Rahmen abgeben dürfen für diese edle Prinzessin.

Die Orchidee lockt Insekten, Vögel, Fledermäuse zur Bestäubung. Mit Formen, die nicht nur vollendet in ihrer Vielfalt sind, sondern bei einigen Exemplaren geradezu erotisch wirken. Wäre sie ein Mensch – man würde diese Diva bewundern, aber eher nicht mit ihr befreundet sein wollen. Liebeslieder und Gedichte – die Orchidee würde nur gelangweilt abwinken. Und doch waren und sind Menschen süchtig nach ihr und bereit, nahezu jeden Preis für ein seltenes Exemplar zu zahlen.

Seit alters her. Denn schon die alten Griechen schätzten die Orchidee als Symbol für Fruchtbarkeit. Den Chinesen war sie Sinnbild für Anmut, Eleganz und Schönheit, die Azteken verehrten sie als heilige Blume. Der neuzeitliche Ansturm auf die edle Pflanze begann im England des 19. Jahrhunderts, als Hobby-Botaniker herausfanden, dass Orchideen der Tropen und Subtropen, die in ihrer Form- und Farbvielfalt die einheimischen Exemplare übertrafen, in europäischen Gewächshäusern gut gediehen. In Holland und England hatten zuvor schon Orchideen geblüht, die aus den Kolonien in Übersee mitgebracht worden waren. Doch nun wurde es „Mode“ Orchideen zu besitzen, und als 1818 die erste importierte Cattleya labiata mit großen, lavendelblauen Blüten zur Sensation englischer Floristen wurde, gab es kein Halten mehr. Es begann ein Wettlauf um die schönsten, exotischsten, seltensten Exemplare und die Jagd wurde in Afrika, Asien, in Nord- und Südamerika eröffnet.

Ein „Orchideen-Fieber“ war entfacht. Die privaten Wintergärten beherbergten immer schönere, immer seltenere Pflanzen – und die Natur zahlte einen hohen Preis. Schon bald waren viele Arten in ihren Herkunftsgebieten verschwunden. Bis zu 30000 Arten sind weltweit von den Botanikern anerkannt, die Orchidee bildet die zweitgrößte Familie im Reich der Blütenpflanzen. Ein Überfluss an Formen und Farben. Doch viele von ihnen gelten heute als gefährdet oder nahezu ausgerottet. Zu ihnen gehört die „ghost orchid“, Polyrrhiza lindenii, die nur in Cuba und im Süden Floridas wächst.

Sie ist epiphytisch, lebt in luftiger Höhe auf Bäumen. Und sie ist eine typische Vertreterin ihrer kapriziösen Art: Fast das ganze Jahr lang wirkt sie unscheinbar, schlängelt sich mit wenig ansehnlichen Blättern um ihren Baum-Wirt. Doch zwei Wochen im Sommer übersät Ghost Orchid ihren Untergrund mit blendend weißen Blüten. Wie eine Ballerina in einem hauchzarten Tanzkleid.

Im feuchtwarmen Klima des Sunhine States sind mehr als 115 Arten und Varianten von Orchideen beheimatet, mehr als in jedem anderen Bundesstaat der USA. Hier gibt es genug Wärme, aber auch genug Regen für die edlen Schönheiten. Eine Zeitlang schien es auch so, als ob Ghost Orchid und ihre aparten Freundinnen aufatmen konnten. Denn mit der massenhaften Nachzüchtung von Orchideen schienen Nachfragen nach den exotischen Beauties befriedigt, die Wildformen in Sicherheit.

Die Hoffnung wurde enttäuscht. Durch die Verfügbarkeit gezüchteter Hybridformen ist das Interesse an den ursprünglichen und seltenen wilden Verwandten größer denn je. Eine Orchidee aus dem Gartencenter kann jeder haben, so scheinen die fanatischen Liebhaber zu denken, der Reiz liegt im Seltenen. Und so ist die Jagd nach dem Besonderen, Einzigartigen neu entflammt. Für prämierte Pflanzen oder besonders rare Exemplare werden mittlerweile in Japan oder den USA exorbitante Preise gezahlt. Bei neu entdeckten Arten werden häufig die natürlichen Bestände geplündert, nur um die Nachfrage fanatischer „Sammler“ zu befriedigen.

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