18. 04. 2018
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Reisen

Sanibel & Captiva Island: Magische Inseln

Warme Winde, rauschende Wellen, meilenweit weiße Sandstrände, millionenfach übersät mit bunten Muscheln: Die weltberühmten Barriereinseln Captiva und Sanibel Island sind eine echte Wohltat. Und für sensible Künstlerseelen wie Anne Morrow Lindbergh oder Robert Rauschenberg waren die Eilande im Golf schon immer Quelle kreativer Inspiration.

Autor: Gerhard Jakobeit

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DIE BELIEBTHEIT von Sanibel und Captiva Island bei deutschsprachigen Urlaubern hat eine lange Tradition: Schon 1888 siedelte sich der in Österreich geborene Seemann William Herbert Binder auf Captiva Island an. Der Binder Drive, eine der vielen kleinen Sackgassen hier, erinnert an den alpinen Einwanderer. Damals waren Captiva, Upper Captiva und Sanibel noch eine zusammenhängende Insel. Doch in den 1920er-Jahren zerschmetterten zwei gewaltige Hurrikane das Eiland in drei Teile. Eine Brücke über den Blind Pass sorgt mittlerweile dafür, dass Sanibel und Captiva zumindest fahrtechnisch wieder zusammenhängen.

Schon vor 5000 Jahren waren die Inseln bewohnt: Die Calusa-Indianer lebten hier vor allem vom Fischfang in allgemeiner Harmonie mit der Natur. Eindringlinge wurden mit geschnitzten Waffen aus Fischknochen und Tropenhölzern vertrieben – bis die spanischen Konquistadoren ihnen höchst brutal den Garaus machten. Etwas von der Wehrhaftigkeit der Ureinwohner scheint bis heute allerdings in den Einwohnern Sanibels und Captivas erhalten geblieben zu sein. Auch wenn sie Eindringlinge nicht mehr bekämpfen, so hat man hier den Tourismus doch immer auch ein wenig skeptisch gesehen. Der Kampf gegen mächtige Grundstücksentwickler etwa hat hier Tradition: Couragierte Männer und Frauen stellten sich immer wieder allzu argen touristischen Auswüchsen entgegen. Einer von ihnen war Sam Bailey, der den Widerstand vor rund 60 Jahren organisierte und eine eigene Inselverwaltung gründete. Den Bau einer Brücke zum Festland im Jahre 1963 konnte man aufgrund einer Bundesgerichtsentscheidung letztlich zwar nicht verhindern. Aber 1974 erhielt Sanibel immerhin eigene Stadtrechte und kann seither über sein Schicksal selbst bestimmen. Strikte Vorschriften wurden erlassen: keine Ampeln, keine Straßenbeleuchtung, keine Bauten, die höher als die höchste Palme der Insel sind, keine Fast-Food-Restaurants und keine großen Werbeplakate.

INSULARE ENTSCHLEUNIGUNG
Wie die meisten Besucher erreichen wir die Inseln mit dem Auto. Beim Überqueren der Brücke werden wir von wahren Segelkünstlern begleitet: den allgegenwärtigen Pelikanen, die geschickt ganz knapp über dem stählernen Geländer dahinsegeln. Wer zum ersten Mal nach Sanibel und Captiva kommt, muss sich daran gewöhnen, mit höchstens 30 Stundenkilometern auf der sich über die gesamte Insel schlängelnden schmalen Hauptstraße geduldig dahinzuschleichen. Und gelegentlich von Fahrradfahrern mit oder ohne Anhänger auf den breit und sicher angelegten Radwegen überholt zu werden. Aber auch das gehört zum Inselcharme, dem einst auch schon Anne Morrow Lindbergh erlag, als sie im Jahre 1905 hier in einer der einfachen Katen mit Blick aufs Meer ihre Gedanken niederschrieb. Heute spielt man alternativ eine Runde Golf im South Seas Island Resort (www.southseas.com), trifft sich mit Freunden in der Bar des Casa Ybel Resorts (www.casaybelresort.com), erwartet im Mucky Duck (www.muckyduck.com) auf alten Holzbänken sitzend den Sonnenuntergang oder schlemmt im Mad Hatter (www.madhatterrestaurant.com).

Was stets bleibt, sind Erinnerungen, die sich tief ins Gedächtnis eingraben wie die Spuren der Karettschildkröten in den Strand, wenn sie in der nächtlichen Dunkelheit vom Eierlegen zurück ins Meer kriechen. Wir unternehmen einen Abstecher ins J.N. »Ding« Darling National Wildlife Refuge (www.dingdarlingsociety.org), das nach dem Cartoonisten und frühen »Öko« Jay Norwood »Ding« Darling benannt wurde. Hier sind wir mit Ottern, Waschbären, Reihern, Fischadlern und Kormoranen auf Tuchfühlung, während vom Golf eine warme Brise herüberweht. Anschließend geht es zum Muschelsammeln an den Strand. Während Sanibel mehr in Ost-West-Richtung verläuft, erstreckt sich Captiva von Süden nach Norden. Beides hat seine Vorteile: Muscheln werden auf Sanibel en masse angespült, Sonnenunter- und -aufgänge sind auf Captiva unschlagbar.

ROBERT RAUSCHENBERG
Das wusste auch schon der New Yorker Künstler Robert Rauschenberg, der sich aufc Captiva in einem einfachen Wohnhaus, das auf Holzpfeilern ins Meer gebaut wurde, Inspirationen holte: dem berühmten Fish House. Für ihn strahlte die Insel nach seinen eigenen Worten »eine Magie« aus, »die in ihrer Macht unerklärlich« war. Von 1970 bis zu seinem Tod 2008 lebte Rauschenberg regelmäßig auf Captiva. Und versuchte durch den Ankauf vieler Häuser und Grundstücke in seiner direkten Nachbarschaft, die Ursprünglichkeit der Insel zu bewahren. Die Immobilien wie das Beach House, das Bay House oder das Waldo Cottage sind heute im Besitz der Robert-Rauschenberg Stiftung (www.rauschenbergfoundation.org), die Künstlern aus aller Welt Stipendienaufenthalte anbietet. Sein Haus am Steg ist für die Öffentlichkeit bis heute nicht zugänglich, auf dem Wasser schippern Bootsfahrer aber regelmäßig um das Gebäude herum, um noch ein wenig von der Aura des Künstlers einzufangen. Rauschenberg gilt als Wegbereiter der Pop Art, obwohl sein vielschichtiges Werk mehr als einer Stilrichtung zuzuordnen ist. Er selbst hatte übrigens deutsche und indianische Wurzeln: Sein Großvater stammte aus Berlin, seine Großmutter gehörte zum Volk der Cherokee. Was Robert Rauschenberg am meisten auszeichnete, war die Tatsache, dass er sich selbst nie zu ernst nahm, auch wenn er bereits zu Lebzeiten eine Legende war. Im Jahre 2008 verstarb der Künstler im Alter von 82 Jahren auf Captiva Island.

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