01. 04. 2001
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Reisen

Schöner Rollen: Auf dem Motorrad über die Florida Keys

Für Motorradfans ein echtes MUST: Eine Bikertour durch Florida. Entspanntes Fahren, jede Menge Abwechslung, coole Leute und super Wetter. Vor allem in der deutschen Winterzeit ein absoluter Genuss.

Autor: Tobias C. Kaiser

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Um 7:45 Uhr war ich zu meinem Ausflug auf die Florida Keys von Hause aufgebrochen, mit kurzen Handschuhen, Lederweste, Helm und den geliebten Tony Lama-Cowboyboots, die ich öl- und benzinfest hatte besohlen lassen. Wenn ich in meiner (ersten) Heimat Bayern auf ein Motorrad steige, bin ich andere Motorradkleidung gewohnt, doch in Florida stellt man sich auf Temperaturen, Notwendigkeiten und Gegebenheiten ein. Nierengurte sind ziemlich unbekannt, T-Shirts im Sommer die Norm, und da der Florida-Gesetzgeber seit Sommer 2000 Protektionshelme nur noch bedingt vorschreibt, sind knapp 50% der Motorradfahrer ohne Helm zu sehen. Wer jedoch einen Notarzt oder Personal aus der Notaufaufnahme kennt, braucht keine häufigen Berichte, um wieder nach dem Helm zu greifen, hier "lid" (Deckel) genannt.

Wir hatten uns um 8.15 Uhr bei Ray verabredet, der zuvorkommenderweise die Streckenplanung vorbereitet hatte, obwohl das eigentlich meine Aufgabe war: mit sechs Motorrädern von Hillsboro Beach, ca. 35 Meilen (55 km) nördlich von Miami gelegen, nach Key West, möglichst auf den kleinsten und interessantesten Straßen. Ray ist so etwas wie inoffizieller Leiter der Southern Cruiser Riders, ein loser Zusammenschluss von sympathischen Motorradfahrern ohne Markenpräferenz, die sich zu Tagesfahrten verabreden oder auch für Touren wie zur Bikeweek in Daytona Beach.

Zur Streckenplanung auf Rays Veranda gibt's noch einen Kaffee, dann folgt die übliche Ernüchterung eines Motorradfahrers in Südost-Florida: Jede Fahrt, und sei sie noch so schön, beginnt mit einigen Meilen Zickzack durch einen urbanen, wenn auch subtropischen Siedlungsraum. Aber da müssen wir durch.

Am Westende der Griffin Road in Hollywood, das übrigens älter ist als der berühmtere Ort an der Pazifikküste, ist das urbane Ampel-zu-Ampel-Fahren überstanden. Hier beginnen die Everglades, konsequenterweise heißt unser Treffpunkt Everglades Holiday Park. Wir sammeln Nick auf seiner V-Star, Sergiu mit seiner Intruder und Jeff mit seiner Frau Lori (ebenfalls Intruder) ein, die ihre Maschinen neben knapp zwei Dutzend anderen Motorrädern geparkt haben. Holiday Park ist nicht nur Startpunkt für Airboat-Fahrten durch die Everglades, sondern auch beliebter Treffpunkt: Irgendwelche Motorradfahrer sind immer anzutreffen.

Wir schauen zu, wie bereits zu früher Stunde knapp 200 Touristen auf die ersten Airboats warten - flache Motorboote mit wenig Tiefgang, die von Flugzeugpropellern angetrieben, durch das teilweise nur knietiefe Wasser huschen und einen ersten Eindruck der Everglades vermitteln sollen. Intensive Einführung in Fauna und Flora darf man von diesen Touren nicht erwarten; wer das sucht, sollte sich eine Einzelfahrt mit Führer gönnen. Nicht unbedingt billig, aber das Interesse an einem der ungewöhnlichsten Ökosysteme dieser Welt wird in einer Einzelfahrt mit kundigem Guide reichlich belohnt. Die zwei Pfauen, die unbekümmert im Holiday Park um Bootsanhänger, Parkplatz, Autos und Motorräder streichen, sind, wie Pfauen das bekanntlich so schätzen, dagegen kostenlos zu bewundern.

9:35 Uhr, wir sind komplett. Sechs Motorräder, acht Personen: Ray, Debbie, Kimberly, Jeff und Lori, Sergiu, Nick und der Autor, alle auf Cruisern. Wir nehmen die Route 27 nach Süden, die sich am Ostrand der Everglades bis zur Kreuzung mit der 997 hinzieht und dort nach Südosten abbiegt: schnurgerade und recht kurz; vielleicht 10 Meilen links Australian Pines, rechts Everglades, zur Abwechselung auch rechts Australian Pines. Ray voran, ich hintenan als Sweeper.

Wir erreichen die US-997, auch Krome Avenue getauft. Von Avenue nichts zu spüren, ein einsames Gefängnis, sonst Ackerland links und rechts: Wir fahren durch die Redlands, viel Landwirtschaft, was man hier gar nicht vermutet. Es ist eine Gegend, in die ich trotz zehn Jahren Florida noch nie gekommen bin, leider. Denn hier bietet sich ein anderes Bild als das, was man von South Beach, Palm Beach Shopping Malls, Strand und Nachtclubs kennt: normaler, weniger manikürt. Eine interessante Facette dieses Bundesstaates.

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