13. 09. 2018
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Reisen

Seltsames Florida (1): Bemerkenswerte Bauwerke vor der Küste des Sunshine States

Neben Sonne, Meer, weißen Stränden und Themenparks verfügt Florida über eine Reihe eher ungewöhnlicher Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen auch einige Bauten im Meer, die eigentlich schon längst nicht mehr existieren sollten.

Autor: Patrick Pohlmann

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Die Kuppelbauten am Cape Romano

Anfang der 1980er-Jahre ließ der pensionierte Ölproduzent Bob Lee auf der Insel Caxambas Island am Cape Romano südlich von Marco Island sechs miteinander verbundene Kuppelbauten errichten, um sie gemeinsam mit seiner Familie als Ferienwohnanlage zu nutzen. Die besondere Form der robusten Häuser, für deren Beton Sand von der Insel verwendet wurde, hatte nicht nur ästhetische Gründe, sondern sollte auch einen besonders guten Hurrikanschutz gewährleisten. Ab 1987 wurden sie zum dauerhaften Wohnsitz der Lees. 1992 fegte der verheerende Hurrikan Andrew über die Insel hinweg, ließ die Betonwände der Häuser zwar unversehrt, zerstörte aber Fenster und Inneneinrichtung. In der Folge wurden sie nicht wieder bewohnt und 2005 an den in Naples lebenden John Tosto verkauft, der nach eigenen Angaben den Wunsch gehegt hatte, sie zu besitzen, seitdem er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Mittlerweile war der Wasserpegel infolge von Bodenerosion bis zu den Betonsäulen angestiegen, auf denen die Häuser errichtet worden waren. Tosto plante daher, die Kuppelhäuser mittels eines Krans auf ein höher gelegenes Landstück auf der Insel versetzen zu lassen. Bevor es dazu kam, suchte aber wenige Monate später Hurrikan Wilma die floridianische Küste heim und sorgte dafür, dass noch mehr Land der Insel den Meereswellen zum Opfer fiel und das Fundament der Häuser weiter destabilisiert wurde. Beim anschließenden Versuch, seinen Plan in die Tat umzusetzen, gelang es Tosto nicht, alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen zu erhalten, was teilweise mit dem Schutz der Seevögel während der Nistsaison zusammenhing.

2007 verfügte das Ordnungsamt des Collier Countys schließlich den Abriss des Gebäudes. Trotz einer gerichtlich gegen Tosto verhängten Strafe von 187.000 Dollar existieren die Kuppelhäuser aber bis heute und versinken allmählich im Meer. Mittlerweile sind sie zu einem künstlichen Riff geworden, auf dem sich verschiedene Meereslebewesen angesiedelt haben, und gelten zudem als gute Stelle zum Fischen. 2016 befanden sie sich aufgrund der weiter vorangeschrittenen Bodenerosion bereits 55 Meter vor der Küste von Caxambas Island. 2017 brachen infolge des Hurrikans Irma zwei der Kuppelbauten zusammen und versanken im Meer. Nach Angaben von TCPalm liegt das weitere Schicksal des Gebäudes in den Händen des floridianischen Staats. Wer vorhat, die heute mit Graffiti bedeckten Kuppelbauten zu besichtigen, sollte sich daher besser beeilen und sich in den Medien vorab über den aktuellen Stand im Hinblick auf den geplanten Abriss informieren. 

Stiltsville: Die Pfahlbauten bei Key Biscayne

1,6 Kilometer südlich vom Cape Florida steht in der Biscayne Bay auf den Sandbänken der sogenannten Safety Valve eine Gruppe von auf Pfählen errichteten Holzhäusern. Die ersten Pfahlbauten sollen dort in den frühen 1930er-Jahren erbaut worden sein, manche lokale Historiker gehen sogar davon aus, dass die ersten Holzhütten auf den Sandbänken schon Anfang der 20er-Jahre existierten. Ein bekannter Pfahlbaubewohner jener frühen Zeit war "Crawfish" Eddie Walker, der 1933 kurz vor dem Ende der Prohibition im Wasser eine Holzhütte errichtete, angeblich, um dort Glücksspiel anzubieten, das nur eine Meile außerhalb der Küste erlaubt war. Tatsächlich verkaufte er von seiner Hütte aus Angelköder und Bier und war bekannt für ein selbstzubereitetes Gericht aus Flusskrebsen, die er unter seiner Hütte fing. Ende der 30er-Jahre bezog mit dem Calvert Club erstmals ein gesellschaftlicher Verein ein Haus in der Stiltsville ("Pfahldorf") getauften Wassersiedlung. In den 40er- und 50er-Jahren entwickelte sie sich zu einem beliebten Treffpunkt von wohlhabenden Bewohnern Miamis, die sich hier zum Trinken und Relaxen trafen.

1965 führte der floridianische Staat eine neue Regelung für Stiltsville ein und verpflichtete seine Bewohner, fortan eine jährliche "Campingplatzpacht" für die Nutzung ihrer Holzhütten zu zahlen. Die Errichtung neuer Häuser wurde nicht mehr gestattet, und solche, die zu über 50 Prozent beschädigt waren, durften nicht wieder aufgebaut werden. Ab 1969 wurden auch geschäftliche Tätigkeiten in Stiltsville verboten. 1976 wurden die Pachtverträge erneuert, zugleich aber festgelegt, dass sie nur noch bis Juli 1999 gelten und alle zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Pfahlbauten abgerissen werden sollten.

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