25. 01. 2017
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Natur & Tiere

Teju-Echsen erobern die Everglades: Bedrohung für Floridas Ökosystem

Invasive Arten stellen für Florida eine dauerhafte Herausforderung dar: Immer wieder werden die Ökosysteme des Sunshine States aufs Neue durch Tierarten aus anderen Lebensräumen bedroht, die durch Aussetzen oder Nachlässigkeit der Halter in die Wildnis gelangen, sich dort unkontrolliert vermehren und einheimische Arten in ihrer Existenz bedrohen. Jüngstes Beispiel sind die ursprünglich aus Südamerika stammenden Teju-Echsen.

Autor: Patrick Pohlmann

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Nicht nur aufgrund seines prächtigen, aus hellen und dunklen Flecken bestehenden Rückenmusters übt der zu den Schienenechsen gehörende Schwarzweiße Teju auf Reptilienfreunde eine große Faszination aus. Er gilt auch als sehr intelligent und folgt seinem Pfleger oft wie ein Hund.

Dank dieser Intelligenz fällt es den Tieren allerdings auch nicht schwer, aus schlecht gesicherten Behausungen zu entweichen und den Weg aus dem Haus des Halters in die Wildnis zu finden. Auf diese Weise gelangten die Tejus vermutlich in die Everglades, die für sie im Hinblick auf Klima und Nahrungsangebot einen hervorragenden Lebensraum darstellen. Da zu ihrem breiten Nahrungsspektrum unter anderem Eier von Vögeln und anderen Echsen gehören, könnten sie dort nach Ansicht von Biologen den Bestand seltener Tierarten wie die des als gefährdet geltenden Spitzkrokodils oder des in den USA gleichfalls unter Schutz stehenden Rosalöfflers bedrohen.

Die genaue Zahl der mittlerweile in den Everglades lebenden Tejus ist nicht bekannt. Laut den Miami New Times geht Rodney Irwin, der sich seit einigen Jahren auf das Einfangen der Tiere spezialisiert hat, aber davon aus, dass es im Umkreis von etwa 10 Kilometern um sein Operationsgebiet bei Homestead mittlerweile mindestens 20.000 von ihnen gibt. Seiner Ansicht nach stellen die Tejus für das hiesige Ökosystem eine noch deutlich größere Bedrohung dar als die normalerweise in Süd- und Südostasien beheimatete Tigerpython, die wohl die spektakulärste unter den insgesamt 56 eingeschleppten Reptilien- und Amphibienarten ist, die sich mittlerweile in den Everglades angesiedelt und fortgepflanzt haben.

Mit der Ausbreitung der Pythons wird der Rückgang der Populationen verschiedener einheimischer Tierarten wie Waschbären, Weißwedelhirsche und Rotluchse in Zusammenhang gebracht. Während die Würgeschlangen sich inzwischen bereits so stark vermehrt haben, dass es nach Ansicht von Experten nicht mehr möglich ist, sie ganz auszurotten, könnte dies bei den Tejus derzeit noch gelingen.

In den betroffenen Gebieten der Everglades werden daher großflächig spezielle Fallen ausgelegt. Zur Anlockung der Tiere dienen häufig Hühnereier. Die im Auftrag der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission (FWC) und anderer staatlicher Institutionen gefangenen Tejus werden in der Regel eingeschläfert. Einige wenige versehen Wissenschaftler mit Sendern und setzen sie wieder aus, um mehr über das Leben und die Ausbreitung der Tiere zu erfahren. Noch immer ist etwa nicht geklärt, wie lange Tejus leben und wie viele Jahre die Weibchen fruchtbar bleiben. Selbst die Frage, wie gefährlich die Echsen für einheimische Arten sind, können die Biologen noch nicht mit Sicherheit beantworten.

Demgegenüber lässt Teju-Jäger Rodney Irwin, der allein bisher bereits rund 1600 der Echsen eingefangen hat, seine Tiere am Leben und verkauft sie über seinen Internetshop für bis zu 225 Dollar an interessierte Privatleute. Während Organisationen wie die Animal Rights Foundation of Florida und manche Politiker sich dafür aussprechen, den Handel mit den Echsen ganz zu verbieten, zeigt sich Irwin überzeugt, dass gerade die Halter von Tejus sehr verantwortungsbewusst mit ihren Haustieren umgingen und sie ganz sicher nicht in den Everglades aussetzen würden.

In der Tat gelten Forschern und Behördenmitarbeitern nicht private Halter, sondern insbesondere ein ehemaliger Reptilienhändler, der vom FWC 2003 nach einer Kontrolle wegen der zu unsicheren Unterbringung seiner Tiere angezeigt worden war, als Quelle der örtlichen Teju-Plage. Trotz deutlicher Indizien dafür war es aber letztlich nicht möglich, ihm die fahrlässige Freisetzung der Tiere nachzuweisen.

Angesichts der Tatsache, dass immer wieder neue invasive Arten die einheimische Tierwelt bedrohen, erscheint aber auch die Gesetzgebung des Staates Florida überholungsbedürftig. So muss zwar jeder Bürger, der eine der für ihre extreme Giftigkeit bekannten Seeschlangenarten hält, gegenüber dem FWC eine Bürgschaft von 1 Million Dollar eingehen, die im Fall des Entweichens der Schlange fällig wird. Bisher wurde diese Regelung aber nicht auf andere Tierarten ausgeweitet.

 
  
25. 01. 2017
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