Jorge stellt ofenwarmes Brot auf den Tisch und beginnt ein geliebtes Ritual: etwas Olivenöl auf einen kleinen Teller, jetzt einige Tropfen Balsamico und am Schluss ein wenig frisch geriebener Parmesan. Für den denkwürdigen Fall, dass ein Gast sein Brot doch nicht in Olivenöl dippen mag, gibt es Butter oder Hummus. Wir haben noch nicht einmal in die Karte geschaut und grinsen bereits zufrieden.
Al Denley sei Dank. Er eröffnete 1949 in Lauderdale-By-The-Sea, einer 2600-Seelen-Gemeinde im Nordosten von Fort Lauderdale, das Restaurant »Village Pump«. Die Lage war attraktiv und vor allem zukunftsträchtig: am Ende der Commercial Avenue (heute: Commercial Boulevard), damals sogar direkt am Strand.
Zunächst handelte es sich um eine recht elegante Angelegenheit, die Gäste kamen im Kostüm oder Jackett und Krawatte. In den siebziger Jahren lockerten sich die Bekleidungsvorschriften, das »Village Pump« bewegte sich Richtung Kneipe. Aus diesem Stilwandel wurde im Jahr 2000 ein Konzept: Die drei Inhaber – Denleys Tochter Patricia und ihre Teilhaber Dave Gadsby und Steve DeLeon – eröffneten im benachbarten ehemaligen »Murphy’s« den Village Grille. Und weil es dank dem fähigen Manager Darren Saliva durchaus Erfolg versprechend lief, wurde 2006 das »Village Deli« an das Village Pump angeschlossen.
Damit ist das Angebot komplett: Das Deli liefert Sandwiches oder auch ganze Picknickkörbe für den Strand, das Pump ist die gemütliche Kneipe mit leckeren Fassbieren und der Grille ist das kleine Restaurant mit legerer Atmosphäre und übersichtlicher Speisekarte, auf der Chefkoch Buddy Bucciero gehobene Qualität und Geschmacksvielfalt betont.
Das Resultat ist stimmig. Brummt der Village Grille, kommt es mit 72 Plätzen innen und 36 auf der Terrasse schon einmal zu Wartezeiten, aber: Wird das dem Gast zu lang, kann er dieselben Gerichte auch im Village Pump bestellen. Die Speisekarte ist appetitlich, lecker und kompakt. Auf einer Seite bietet sie qualitativ anspruchsvolle, aber unkomplizierte amerikanische Brasserieküche: neben einer runden Palette an recht unterschiedlichen Vorspeisen – Obento-Box bis gegrillte Austernpilze –, fünf verschiedene Salate in zwei Portionsgrößen, drei Pizzen, drei Sandwiches und natürlich den traditionellen Hamburger, einem sehr guten sogar.
Dazu gibt es sieben Fischgerichte, von Cape Cod Fish ‘n’ Chips mit obligatem Essig bis zum tagesfrischen Fang, als auch ein täglich wechselndes Tagesgericht mit der schönen Bezeichnung »Blue Plate Special«. Unter den Steaks ist das Black Diamond Steak mit kross gerösteten Zwiebelringen ein Favorit: köstlich mariniert, kurz bei hoher Hitze gegrillt und quer zur Faser aufgeschnitten – dieses Steak ist geschmacklich nur schwer zu überbieten.
Die Weinkarte im fast doppelten Umfang der Speisekarte ist gut auf die Küche abgestimmt, allerdings bei den Roten in ihrer Konzentration auf die US-Westküste etwas eng ausgelegt. Neben den Amerikanern (20 Weine von 25 bis 138 Dollar) stehen ein Rioja (M. de Riscal, 34 Dollar), zwei Italiener, zwei Franzosen und zwei Australier zur Auswahl; acht Weine liegen unter 30 Dollar.
Bei den Weißweinen werden neugierigen Kennern neben den »üblichen Verdächtigen« einige Schmankerl offeriert, so ein sehr ausgewogener Bonny Doone Riesling für 25 Dollar (Glas sieben Dollar) oder ein ultratrockener Crossings Sauvignon Blanc aus Neuseeland für 28 Dollar. Ganz brasseriegerecht werden außerdem vier Hausweine im Glas für je fünf Dollar angeboten – und wichtig zum Abschluss: Jorge versteht etwas von gutem Espresso.
Weitere Informationen:
Village Grille
4404 El Mar Drive Lauderdale-By-The-Sea Telefon (954) 776-5092
Vorspeisen 7 bis 12 Dollar, Hauptgerichte 17 bis 29 Dollar, Kinderteller 6 Dollar (Abendkarte) Frühstück, Lunch und Dinner
Öffnungszeiten Grille:
Sonntag bis Mittwoch von 8 bis 23 Uhr
Donnerstag 8 bis 23.30 Uhr; Freitag/Samstag 8 bis 0.30 Uhr
Öffnungszeiten Pump:
Montag bis Samstag 9 bis 2 Uhr; Sonntag 12 bis 2 Uhr





