02. 07. 2007
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Reisen

Von Naples nach Miami

Ein wandernder Bagger, seltene Orchideen, eine alte Pionierstadt, verlorene Indianerkultur und immer wieder die endlose Weite der Everglades: Der alte Highway 41 ist voller Überraschungen – und eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Autor: Katrin Kerner

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Der Tag verspricht heiß zu werden. Als ich Naples morgens verlasse, liegen vor mir rund 130 Kilometer Strecke. Eigentlich ein Klacks, wären da nicht so viele verlockende Stopps unterwegs. Lange bevor es »Alligator Alley« gab – die Autobahn durch die Everglades –, war die einzige Verbindung zwischen der West- und der Ostküste Südfloridas der Highway 41, auch Tamiami Trail genannt. Erbaut unter extremen Bedingungen von 1923 bis 1928, quer durch eine vollkommen unerschlossene, sumpfige Wildnis. Und damals schon mit 28 Millionen Dollar eines der teuersten Straßenbauprojekte aller Zeiten.

Der erste Halt kommt schon nach 20 Kilometern: Collier-Seminole State Park. Gleich hinter der Einfahrt stoße ich auf einen stählernen Zeitzeugen. Hier steht mitten im Grünen der »Walking Dredge«, ein riesiger Schaufelbagger, ohne den der Bau des Tamiami Trails undenkbar gewesen wäre. Er konnte sich auf seinen »Füßen« durchs nasse Terrain fortbewegen, wo Räder oder Kettenraupen längst abgesoffen wären. Mit einem Anflug von Ehrfurcht betrachte ich die beeindruckende Pionierleistung, die Barron Collier mit seinen Ingenieuren und Arbeitern damals erbracht hat. Heute fährt es sich so leicht dahin...

Man könnte hier im Park noch Einiges mehr zu Fuß oder auch per Kanu erkunden, doch der Trail ruft, und der nächste Stopp ist Pflicht: der Big Cypress Bend Boardwalk. Er gehört zum Fakahatchee Strand Preserve State Park, der aufgrund seiner Pflanzenvielfalt auch der »Amazonas Nordamerikas« genannt wird. Bekannt wurde dieses Fleckchen Erde durch Susan Orleans’ Roman »Der Orchideendieb« – mehr als 44 Orchideenarten soll es hier geben.

Eine exotische grüne Welt, in die man dort eintaucht: uralte Zypressen, über und über mit Bromelien und anderen Luftpflanzen bedeckt. Blüten leuchten vereinzelt, eine Eule ruft aus dem schummrigen Dickicht, und am Ende des Boardwalks sonnt sich eine Alligatorenmama mit ihren Jungen am Wasserloch.
Zurück auf dem Highway entscheide ich mich, einen Abstecher nach Everglades City zu machen, und biege auf die S.R. 29 ab. Dieser verschlafene Handelsposten mutierte zu Colliers Zeiten zu einer lebhaften Pionierstadt und ist heute als »Gateway to the 10.000 Islands« ein beliebter Ausgangspunkt, um die Inselwelt der Everglades zu erkunden.

Das kleine »Museum of the Everglades« könnte mir auf meiner Reise in die Vergangenheit sicher helfen – doch leider ist heute Montag, und somit bekomme ich keinen Einlass. Stattdessen kehre ich im alten »Rod and Gun Club« zum Lunch ein. Der Club aus den zwanziger Jahren war einst der Treffpunkt der gesellschaftlichen Elite, und auf der gemütlichen Veranda am Wasser waren schon Berühmtheiten wie Präsident Franklin Roosevelt, John Wayne oder Ernest Hemingway zu Gast.

Gestärkt fahre ich weiter. Am »kleinsten Postamt der USA« in Ochopee fahre ich einfach vorbei. Zum Nachtisch steht mir der Sinn eher nach Kunst. Also besuche ich die »Big Cypress Gallery« des Fotografen Clyde Butcher, der wie kein anderer die Schönheit der Everglades verewigt hat – und zwar in monumentaler Größe.

Doch an atemberaubenden Ausblicken mangelt es auch unterwegs nicht. Ständig möchte ich anhalten, um wieder eine Schar Vögel, einen pittoresken Zypressenhain oder einfach nur die faszinierenden Wolkenformationen abzulichten, die sich in der Tageshitze bilden.

Everglades pur findet man in Shark Valley, dem nördlichen Eingang des Everglades National Park. Hier verzaubert mich auf einer geführten Tramtour die vielfältige Vogelwelt, die sich in den Gräben neben der Straße versammelt hat. Mit etwas mehr Zeit hätte ich gern ein Fahrrad geliehen, um die 24 Kilometer des »Tram Road Trails« auf eigene Faust zu erkunden.

Ein Puzzlestück fehlt noch auf meiner Fahrt durch die Vergangenheit: ein Besuch bei den Miccosukee-Indianern, die seit langem in und von den Everglades gelebt haben. Über ihre traditionelle Lebensart erfahre ich mehr im »Miccosukee Indian Village«, einer Mischung aus Museum, Kunsthandwerk und anderen Darbietungen. Heute lebt dieser Stamm von seinem erfolgreichen Unternehmergeist in Sachen Tourismus – und vom Betreiben eines Kasinos.

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02. 07. 2007
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