01. 07. 2001
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Reisen

Schwimmen mit Delfinen in Florida

Es ist der Wunsch vieler Menschen, einmal körperlich direkt in Berührung zu sein mit dieser wundervollen Spezies, über die es so viele Legenden, Geschichten und Spekulationen gibt: die Delfine. Als warmblütige Säugetiere und Lungenatmer - mit 36 verschiedenen Arten weltweit mit dem Killerwal als größtem Vertreter - dürfen diese lernfähigen, zärtlichen und lächelnden Mammals nicht mit einem Fisch verwechselt werden. In Florida gibt es diverse Möglichkeiten, mit diesen wundervollen Tieren in hautnahen Kontakt zu treten. Schwimmen mit Delfinen heißt, unter Aufsicht erfahrener Trainer, zumeist in einem natürlichen Salzwasserbecken, für etwa 30 Minuten auf die unterschiedlichste Art und Weise mit den Mammals zu interagieren.

Autor: Kerstin Schnabel-Macloud

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Eine griechische Legende erzählt die Geschichte von Dionysos, dem Gott der Orgien und des Weins, der sich in einen unbändigen Löwen verwandelte, als man ihn auf einem Schiff entführte, um ihn zum Sklaven zu machen. Aus Angst vor seinem Wahnsinn sind die restlichen Männer vom Schiff über Bord ins Meer gesprungen und haben sich in Delfine verwandelt. So wurden - laut dieser Legende - die Delfine geschaffen. Eine andere alte Überlieferung sagt, dass Delfine immer dann auftauchen, wenn der Mensch am Abgrund angekommen ist.

Mit Delfinen Schwimmen ist ein einzigartiges Erlebnis - angefangen beim Streicheln dieser glatten und geschmeidigen Körper, über das Schmusen - es darf auch geküsst werden; die große "Flaschennase" (Bottle Nose, daher der Name) fühlt sich toll an im Gesicht! - bis hin zu gezielten akrobatischen Übungen wie gemeinsames Tanzen, einer tollen Wasserfahrt, bei der man sich an den Rückenflossen fest hält und übers Wasser gleitet. Man kann auch direkt neben ihnen schwimmen und mit ihnen tauchen. Die Aktionen im Wasser variieren von Einrichtung zu Einrichtung.

All diese Übungen werden vom Trainer als Aufgabe an die Delfine gegeben, wofür sie natürlich - nach erfolgreicher Erfüllung - jeweils reichlich Fisch als Belohnung bekommen. Dieses Verhalten zu erreichen, setzt in der Regel ein Jahr intensives tägliches Training voraus, aber die Tiere sind sehr sozial und sehr lernwillig.

Vor dem eigentlichen Schwimmen mit den Delfinen gibt es eine sehr interessante Lektion zum Thema, die jeden auch über das eigene Verhalten aufklärt. So wird ganz deutlich darauf hingewiesen, dass es in der freien Natur verboten ist, Meeressäuger zu füttern oder zu versuchen, näheren Kontakt aufzunehmen, da diese nicht-domestizierten Tiere auch ihre natürlichen Verteidigungsinstinkte haben, nicht an Kontakt mit Menschen gewöhnt sind und es gefährlich für Tier und Mensch ist, diesen Bann zu brechen.

Alle Einrichtungen versuchen immer wieder, den Besuchern klar zu machen, dass Meeressäuger unseres Schutzes bedürfen und sie diesen auch verdienen. Wer sie in der freien Natur füttert oder mit ihnen interagiert, bringt sie und auch sein eigenes Leben in große Gefahr! Die Tiere in Seeaquarien und Delfinarien sind trainiert und ausgebildet, sie genießen die Interaktion mit Menschen, da sie an diese gewöhnt sind, und sie haben ein großes Lernbedürfnis und Lernvermögen. Dennoch sind Art und Weise, Länge der Trainingslektionen usw. staatlich genau reguliert, da die Tiere zu den besonders geschützten Arten gehören. Jeder Teilnehmer muss sich auch genau an die Anweisungen der Trainer halten, und es ist nicht erlaubt, eigene spontane Aktionen mit den Tieren zu unternehmen.

Wie werden Delfine trainiert? Auch auf diese interessante Frage gibt es Antwort. Die Trainings-/Lehr- und Lernmethode beruht auf dem Belohnungsprinzip, auch Reward- oder Reinforcement-Methode genannt. Mit kleinen Schritten wird den "Schülern" beigebracht, was man von ihnen erwartet. Sobald die Aufgabe richtig gelöst ist, bekommt das Tier eine Belohnung, die ganz unterschiedlich sein kann. Die primäre Belohnung geht wie bei Kindern über den Magen - der auf sie wartende Fisch ist anfänglich das größte Lockmittel. Aber auch Lieblingsspiele, Spielzeuge oder auch nur lobende freundliche Worte, ein intensives Streicheln vom Trainer sind neuer Ansporn.

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