01. 04. 2017
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Reisen

Worth Avenue: Historische Prachtmeile

Die Worth Avenue in Palm Beach ist Flaniermeile der Reichen, Schönen und Berühmten. Eine Prachtstraße mit mediterraner Architektur und jeder Menge Glanz und Glamour. Niemand weiß mehr über Geschichte und Geschichten der noblen Chaussee als Rick Rose. Auf »Historic Walking Tours« lässt er seine Gäste hinter die luxuriösen Fassaden blicken.

Autor: Dirk Rheker

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Der Maestro ist in seinem Element. »Addison Mizner war schon ein sehr exzentrischer Architekt«, doziert Rick Rose mit Verve – und zeigt wie ein Dirigent auf die Fassade des Everglades Clubs an Palm Beachs feiner Worth Avenue. »Er hielt nichts von Plänen und war berüchtigt, weil er seinen Arbeitern immer nur ungefähre Angaben machte.« Mizner sei vernarrt gewesen in den verlotterten Look italienischer Palazzi und habe seine eigenen Kreationen auf alt getrimmt, indem er künstliche Wurmlöcher ins Holz bohrte und die Wände mit Flecken verschandelte, die einen dekorativen Renaissance-Pilzbewuchs vortäuschen sollten. Wenn seine Arbeiter einen handwerklich perfekten Kaminsims oder eine Tür fertiggestellt hatten, habe er oft mit einem Vorschlaghammer eine Ecke abgeschlagen, damit das Bauelement ein altehrwürdiges Aussehen bekam. »Manche Kritiker«, entgegnet Rick auf die ungläubigen Blicke vieler Tourteilnehmer, »zählen den Everglades Club gleichwohl zu den schönsten Gebäuden in Amerika«. Ein elegantes Refugium mit einem etwas verunglückten Start freilich: Eigentlich hatte der in Frankreich geborene Paris Singer seinen Freund Addison Mizner im Frühjahr 1918 mit dem Bau eines Krankenhauses für Verwundete des Ersten Weltkriegs beauftragt. Singer lieferte bereits die Ausstattung für Operationssäle an. Doch das Ende des Waffengangs ließ das Hospital überflüssig werden. Singer und Mizner zeigten sich pragmatisch und wandelten das Gebäude kurzerhand in einen privaten Club für die Upperclass um.

Unser Tourguide hält einen Moment inne. Vielleicht auch, um dem Meister ein wenig Reverenz zu erweisen. Denn trotz seiner Exzentrik wurde Mizner überall bewundert. Und ist bis heute wie niemand sonst verantwortlich für all die Pracht und die Herrlichkeit der Worth Avenue, der bekanntesten Shoppingmeile von Palm Beach. Ach was, ganz Floridas. Auf einer Länge von drei Straßenblocks ballt sich hier Luxus pur: Van Cleef & Arpels, Louis Vuitton, Valentino, Cartier, Salvatore Ferragamo, Brooks Brothers, Giorgio Armani, Hermès, Tiffany, Gucci, Chanel oder Polo Ralph Lauren. Die Auslagen strotzen vor Pelzen, Diamanten und Antiquitäten. Feinstes Pflaster, auf dem der nächste Maybach, Rolls-Royce und Ferrari nie weit entfernt ist. Unsere rund drei Dutzend zählende Gruppe, die sich an diesem sonnigen Mittwochmorgen am Brunnen der Via Amore getroffen hatte (»gegenüber von Tiffany, bitte pünktlich sein«), zieht weiter.

Seit einigen Jahren führt Rick Rose historisch interessierte Besucher durch die Geschichte dieser glamourösen und manchmal auch verrückten Straße. Mit seinem Panama-Hut, dem karierten Leinensakko, der Fliege und den edlen Stubbs-&-Wootton-Slippern – so etwas wie die inoffizielle Fußbekleidung des Palm-Beach-Gentlemans – personifiziert er selbst auf beste Weise den Esprit, die spielerische Eleganz und den Sinn für Mode, die für diese Stadt so typisch sind. Als Besitzer des romantischen Grandview Gardens Bed & Breakfasts auf der anderen Seite des Lake Worth sorgen Rick und sein deutscher Partner Peter seit einigen Jahren für das Wohl
ihrer Gäste. Als Gastgeber der »Historical Walking Tour of Worth Avenue« begeistert er die Besucher mit historischem Wissen und augenzwinkernden Anekdoten. »Rick ist inzwischen selbst eine Institution hier in Palm Beach«, schwärmt Robin Miller von der Worth Avenue Association, die die Touren veranstaltet. 10 Dollar kostet der geführte Spaziergang pro Teilnehmer, der Erlös geht an die Tri-County Humane Society, die sich um herrenlose Haustiere kümmert. Wohltätigkeit, sich für soziale und humanitäre Dinge zu engagieren – auch so ein typisches Merkmal dieser Stadt. Trotz des zuweilen
hemmungslos zur Schau gestellten Hedonismus.

Weiter geht es in die Innenhöfe der Via Parigi. Schon Anfang des letzten Jahrhunderts fanden hier wöchentliche Modenschauen statt, manche Fashiontrends wurden hier geboren. Etwa die bunten Outfits der Lilly Pulitzer. Im Jahre 1950 hatte die Lady Peter Pulitzer geheiratet, einen Enkel des Millionärs und notorischen Playboys Joseph Pulitzer, und mit ihm fortan auf seiner Zitrusplantage in Palm Beach gelebt. An einem Stand auf der Worth Avenue servierte sie damals Orangensaft – und um sich und ihren Angestellten Probleme mit Saftspritzern auf blütenweißen Kitteln zu ersparen, entwarf sie ihre ersten knallbunten Kleider und nannte sie später »classic shift dress«. Jacqueline Kennedy gehörte zu den Ersten, die ihre Kollektion trugen. Und Lilly wurde bald selbst zur Mode-Ikone.

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