16. Februar 2010
Aber zurück zum ING: Eigentlich heißt der einfach „Miami Marathon“, aber da der Finanzriese ING der Sponsor ist, heißt es hier einfach nur immer, „Hey, are you running the ING?“ Und wenn’s kurz vor dem Start ist und die Leute schon ihre Startnummern in der Expo im Miami Beach Convention Center abgeholt haben, fragt man weiter, „What’s your letter?“ – Welchen Buchstaben hast du? Denn bei einem Rennen mit fast 20.000 Läufern muss es ja ein bisschen geordnet zugehen.
(Fotos & Video: © Daniela Boettcher)
Die Stimmung vot dem Start ist atemberaubend. Schon als wir (meine Eltern, mein Baby, eine Freundin und ich) um 5 Uhr bei mir zu Hause losfahren auf den Mc Arthur Causeway Richtung Downtown/American Airlines Arena, wo Start und Zieleinlauf sind, wundern wir uns, wie viele Autos schon um die Zeit auf der Brücke sind, die dieselbe Ausfahrt nehmen wie wir und nach einem Parkplatz in der Nähe der Startlinie suchen. Glücklicherweise kann ich bei einer Freundin auf dem Parkplatz parken und spare mir so 20 Dollar Parkplatzgebühren, denn heute sind selbst die öffentlichen Parkplätze in privater Hand und die Läufer werden so gut abgezockt. Noch über einen Kilometer weg vom Start, als wir vom Parkplatz aus zum Geschehen laufen, hören wir schon die Bässe der Stimmungsmusik, die aus den riesigen Lautsprecheranlagen über den gesamten Biscayne Boulevard zwischen Brickell und dem Venetian Causeway schallt. Metergroße aufblasbare Bälle werden in Volleyballmanier von Läufern, die sich warmlaufen und stretchen und deren mitgekommenen Gästen von einem zum anderen geworfen, es gibt Gratis-Smoothies, Powerriegel, Bananen, Bagels zur letzten Stärkung vor dem 21+ (oder 13,1 Meilen) langen Rennen durch Miami und Miami Beach. Der echte, ganze Marathon geht sogar noch bis nach Virginia Key (das ist die Insel direkt vor Key Biscayne) und dann nach Coconut Grove und zurück. 42 Kilometer – das habe ich mir bisher trotz meiner ganz gediegenen Läuferkarriere noch nicht zugetraut. Für mich ist ein ganzer Marathon sowieso mehr ein one-in-a-lifetime-Act als ein alljährliches Trainingsziel. Kürzere Strecken wie ein Halbmarathon, ein 10-Kilometer-Lauf oder die beliebten 5-Kilometerläufe sind auf jeden Fall für den Körper um einiges gesünder als 3,5-4 Stunden am Stück auf Asphalt zu laufen!
6 Uhr, gleich geht es los: noch 15 Minuten bis zum Startschuss. Die Nationalhymne wird gespielt, die Amis unter uns fassen sich pathetisch mit der Hand aufs Herz und singen herzerweichend mit. Wir anderen unterhalten uns in der Zwischenzeit, genießen aber auch die festliche Stimmung. Ich versuche so weit wie möglich nach vorn zu gelangen, denn wenn man bedenkt, dass gleich fast 20.000 Menschen über die ca. 10 Meter breite Startlinie treten müssen, dann will ich nicht erst nach 30 Minuten loskommen – so lange in etwa dauert es nämlich, bis auch der letzte Läufer losläuft! Ich bin also nur noch ca. 20 Meter vom Start weg, als der Schuss fällt. Sie ziehen mich richtig mit, die schnellsten der Läufer in den ersten Reihen, und ich hüpfe ihnen beschwingt hinterher, die Brücke am Mc Arthur Causeway Richtung Beach hoch – so hoch war mir die Erhebung gerade aus dem Auto gar nicht vorgekommen!
Wir laufen nach South Beach hinein, mit der Unterstützung tausender am Rand stehender Menschen, die uns anfeuern, Rasseln schwingen, singen, mit ihren Cheerleading-Pompoms und Popos wedeln, tröten, hupen, einfach unsere Endorphine ganz nach oben treiben. Dann geht’s zum South Pointe, von da aus über Washington Avenue bis zum Dade Boulevard, dann noch einen (mir super lang vorkommenden) Schlenker nach Norden Richtung Pine Tree Drive, und dann endlich treten wir den Rückweg an über den Venetian Causeway zurück nach Downtown. Hier werden die cheerenden Menschenmassen immer gewaltiger, jeder hält ein Schild in der Hand und feuert uns an, es ist einfach der Wahnsinn. Auf der Strecke steht ein Freund von mir, Michael, mit seinem iPhone und hatte gerade zufällig die Record-Taste gedrückt, als ich vorbei lief – siehe Video! :)
Kurz darauf, nach einer nicht enden wollenden Runde durch South Miami Avenue, bis zum Intercontinental Hotel, wo es in die Brickell Avenue geht, sah ich dann das Ziel vor Augen. Und es ist immer wieder ein Genuss, so ein Gefühl von Weihnachten und Geburtstag zusammen, wenn man durch die Zielllinie einläuft... Der Moderator ruft deinen Namen, deine mitgekommenen Freunde und Verwandte sehen dich ins Ziel kommen und gratulieren dir wenig später, wenn du durch das Blitzlichtgewitter und die hunderte Essensstände durch bist, die dich mit den verlorenen Kalorien und Mineralien versorgen...
Auch die After-Party ist allein schon eine Reise wert, tausende von Menschen, jung und alt, tummeln sich im Bayfrontpark hinter dem Ziel an diversen Booths mit Powergetränkeherstellern und Müsliriegelfabrikanten, Promo-Ständen, die kostenlose Goodie-Bags verteilen, z.B. von Nike, Dunkin Donuts, etc... und das alles zwischen Glücksrädern, an denen es was zu gewinnen gibt, Hüpfburgen und einer Menge Musik und sooooo vielen glücklichen Finishers, die einer nach dem anderen selig und fertig ins Ziel eintrudeln. Ein perfekter Tag!! :)
Und am nächsten Tag, als die Anmeldung fuer den Lauf im nächsten Jahr begann, war ich unter den ersten 200 Anmeldungen... ING 2011 here I come!!