Dirk Rheker
Dirk Rhekers Blog

Dirk Rheker - Journalist in Naples

Wehrhafte Enklave

17. Januar 2010

Wir befinden uns im Jahre 2010 nach Christus. Ganz Florida ist von der Immobilienkrise betroffen. Ganz Florida? Nein! Ein von unbeugsamen Menschen bevölkertes Fleckchen hört nicht auf, dem allgemeinen Niedergang Widerstand zu leisten …

Klingt bekannt? Frei nach »Asterix und Obelix« scheint sich im von der Real-Estate-Krise gebeutelten Sunshine State tatsächlich eine kleine Enklave von der trüben Wirklichkeit abgekoppelt zu haben. Gemeint ist Port Royal, Wohnort der Reichen und Mächtigen in Naples. Jüngster Beweis für die »splendid isolation« des Viertels: der Verkauf eines Anwesens für 16,7 Millionen Dollar.

Es sei das »teuerste Haus, dass hier seit 2007 den Besitzer gewechselt hat« bestätigte die Maklerfirma Gulf Coast International Properties, die den Käufer vertrat. Man glaubt's ihr gerne. Mit fast 40 Metern direktem Strandzugang und sechs Schlafzimmern gehört die in mediterranem Stil errichtete Villa aber auch tatsächlich zu den auffallenderen Anwesen im noblen Villenviertel.

Immerhin: Ursprünglich wollten die Eigentümer Jon D. and Sallie F. Wright 23 Millionen Dollar für ihr opulentes Heim haben. Dass es am Ende sechs Millionen Dollar weniger wurden – sie werden es verschmerzen. Der neue Besitzer ist übrigens ein Konzern aus dem Mittleren Westen, die die »Mac Mansion« als Ferienhaus für seine Angestellten erworben hat. »Pack' die Badehose ein«, möchte man den glücklichen Mitarbeitern zurufen, die hier demnächst ihre Sommerfrische verbringen. Oder vielleicht doch eher das »kleine Schwarze« …


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»Einfach nur weg!«

08. Dezember 2009

Solch eine Resonanz gab's noch nie. Bei unserem jüngsten Gewinnspiel, bei dem zehn Leser und Leserinnen eine kostenlose Teilnahme an der Greencard-Lotterie gewinnen konnten, haben Hunderte von Auswanderungs-Willigen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mitgemacht. Und uns ihre persönliche Begründung gegeben, warum sie unbedingt in die USA emigrieren wollen (in Auszügen zu lesen in der kommenden Ausgabe des Florida Sun Magazine). In keinem Jahr zuvor also schien der Wunsch unter unseren Lesern so groß zu sein, die begehrte Daueraufenthaltsgenehmigung für die Vereinigten Staaten zu erwerben.

Das hat seine Gründe. Zum einen, so betonten viele der Teilnehmer, habe der Regierungswechsel in Washington Anfang 2009 dafür gesorgt, Amerika wieder in einem attraktiveren Licht erscheinen zu lassen als noch in den Bush-Jahren. Der »Obama-Effekt« zeigt hier seine Wirkung. Zum anderen scheint die Wirtschaftskrise in Deutschland und die allgemein eher als »trübe und bleiern« empfundene Stimmung ihren Tribut zu fordern. »Mir stinkt es hier«, so etwa das lapidare Fazit einer Teilnehmerin.

Damit verbunden ist aber auch eine andere Erkenntnis: Während in früheren Jahren die Zahl der Teilnehmer, die mit einem ganz konkreten Plan zur Existenzgründung auf den Gewinn einer Greencard hofften, recht groß war, lag der Anteil jener, die »einfach nur weg wollen« aus einer als bedrückend empfundenen Wirklichkeit diesmal deutlich höher. Das mag mal als unrealistisch oder sogar naiv abtun. Aber jeder Auswanderer-Traum beginnt nun mal mit einer gewissen Unzufriedenheit. Und der Hoffnung, dass anderswo ein besseres Leben auf einen wartet. Zum Beispiel in Florida ...


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Unerwartet große Sprünge

26. Oktober 2009

Mountain Biking in Florida? Was zunächst klingt wie ein grandioses Oxymoron (die höchste Erhebung im Sunshine State misst gerade mal 120 Meter) ist in Wahrheit ein weit verbreitetes Vergnügen auf Dutzenden gut ausgebauter Trails. Und da Not erfinderisch macht, nutzen Floridas wagemutige Radler jede noch so kleine Senke und jeden noch so zahmen Hügeln, um der flachen Landschaft halsbrecherische Abfahrten und rasante Sprünge abzuringen.

Eine besonders rühriger Verein – die »Florida Mudcutters« (www.mudcutters.org) – hat im Caloosahatchee Regional Park östlich von Fort Myers drei sehens- und fahrenswerte Trail eingerichtet: vom einfachen »Sunburn Meadow Trail« über den anspruchsvolleren »Lollipop Trail« bis hin zum halsbrecherischen »Far East Trail«. Allein die Landschaft ist schon den Abstecher (State Highway 78 Richtung Alva) wert: dichte Eichenwäldchen wechseln sich ab mit fotogenen Palmenhainen, dazwischen eine weite Graslandschaft, in der neben Mountain Bikern auch Reiter unterwegs sind – auf jeweils eigenen Wegen natürlich.

Als wir am Wochenende hier unsere Runden drehen, sind nur ein paar freundliche Radler unterwegs. Umso größer die Überraschung, als wir unter dem »Tree of Life«, dem Treffpunkt mitten im Park, plötzlich deutsche Stimmen hören: Ein Touristenpaar aus Heidelberg hat sich beim Fahrradhändler in Fort Myers zwei Mountain Bikes ausgeliehen und genießt jetzt die Action auf zwei Rädern. Eine tolle Entdeckung sei das hier, finden sie. Und eine echte Alternative zum Strand. Ich solle doch bitte nicht »ihren« Geheimtipp verraten, betteln sie zum Abschied. Tut mir leid, Frank und Verena – den Gefallen kann ich Euch leider nicht tun ...

(Foto: Dirk Rheker)


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Exotischer Liebesbeweis

24. September 2009

Dass Katzen ihren Besitzern aus purer Zuneigung zuweilen ein »Geschenk« vor die Türe legen, ist bekannt. So manchen stolzen Katzeneltern mag sich beim Anblick eines enthaupteten Vogels oder einer angenagten Maus auf der Fussmatte schon der Magen umgedreht haben. Echte Tierliebhaber raten in solchen Fällen immer dazu, bloss nicht mit »Mietze« oder »Muschi« zu schimpfen – »die wollen doch nur etwas zum Haushalt beitragen und zeigen, dass Du der Boss bist!«

So weit, so unangenehm. Im subtropischen Florida können derlei Liebesbeweise freilich schon recht exotische Ausmasse annehmen. So zum Beispiel, wenn der eigene Kater plötzlich mit einer »Pygmy Rattler« (einer Art Mini-Klapperschlange) oder einem kleinem Opposum zwischen den Zähnen angestürmt kommt.

Den – pardon – Vogel schoss neulich aber unsere Katze »Pippins« ab, als wir auf der Hausmatte eine gigantische Kröte fanden, die wir später mit Hilfe des Internets als »Cane Toad« identifizieren konnten. Gut für Pippins: Der Webseite entnahmen wir auch, dass diese Krötenart bei Gefahr in der Lage ist, ihre Haut mit einem milchig-weißen Sekret zu überziehen, das für Katzen und Hunde bei Verzehr durchaus tödlich sein kann.

Dem stolzen Ausdruck in den Augen unseres talentierten Jägers taten derlei toxologische Befunde indes keinen Abbruch ...

(Foto: Alexander Rheker)


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»Catch and Release«

11. September 2009

Erstaunlich, was man als Angler an Floridas Stränden so aus den Fluten ziehen kann – auch ohne ein Profi in Sachen Sportfischen zu sein: Snook, Makrelen und Meerforellen gehören dabei zu den begehrtesten Trophäen eines jeden Petrijüngers im Sunshine State.

Doch gelegentlich entreisst man dem Meer hierzulande auch eher exotische Exemplare der Gattung Fisch. Dann etwa, wenn da plötzlich ein Stachelrochen am Haken hängt. Oder ein Kugelfisch, der sich an Land zu einem ulkigen Ballon aufbläst. Am vergangenen Wochenende zappelte an der Angelrute meines Sohnes plötzlich ein »Bonnethead Shark«, zu deutsch ein Schaufelnasen-Hammerhai. Eine interessante Spezies: Bonnetheads legen jeden Tag weite Strecken zurück, müssen ständig in Bewegung bleiben, um über ihre Kiemen Sauerstoff aufzunehmen.

Mindestens ebenso interessant wie der Fisch waren aber auch die Reaktionen der rund ein Dutzend herbeigeeilten Strandgänger am Beach von Naples: Von »Oh Gott, ist der gefährlich?« über »Kann man den essen?« bis hin zu »Dürfen wir den mal anfassen« reichten die Erkundigungen. Um alle Fragen zu beantworten: Nein, dem Menschen gefährlich wird so ein Bonnethead Shark gewöhnlich nicht (die größten Exemplare messen nur rund einen Meter), essen könnte man ihn theoretisch schon, aber mit Fischfilets decken wir uns lieber im Publix-Supermarkt ein. Und anfassen? Na klar! »Die Haut fühlt sich richtig rau an, wie Schmirgelpapier« lautete allenthalben die Diagnose. Aber dann: runter vom Haken, zurück ins Wasser. Ganz nach dem Motto: »Catch and release«. Vielleicht zappelt der Kerl demnächst ja an Ihrer Angel ... 


(Foto: Dirk Rheker)


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Über mich

Dirk Rheker

Journalist aus Leidenschaft, Florida-Fan aus Passion: Nach dem Studium der Linguistik und Journalistik in Frankfurt/Main und Düsseldorf erlernte ich das journalistische Handwerk zunächst als Lokalredakteur. Nach der Übersiedlung in die USA 1991 im Büro der Hubert Burda Media in New York Autor für die deutsche Ausgabe von Forbes sowie das Nachrichtenmagazin Focus. In den folgenden Jahren beriet ich das Münchner Verlagshaus bei der Adaption von Online-Technologien. Zurück über den großen Teich – inzwischen mit Frau und zwei Kindern – Redakteur beim Unternehmermagazin Impulse in Köln. Doch das Heimweh trieb uns zurück nach Amerika. Seit dem Umzug nach Florida im Jahre 2000 nun US-Korrespondent für das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz, daneben regelmäßige Beiträge in der Wirtschaftswoche, Facts, Weltwoche oder anderen namhaften Publikationen. Ab Anfang 2006 Chefredakteur des Florida Sun Magazines – wo ich Seiten des »Sunshine States« kennen lerne, von denen ich vorher nichts geahnt habe ...

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