Zwei Koffer, ein Flugticket und ein Visum im Reisepass – so bin ich vor zweieinhalb Jahren in die USA gekommen. Den Einwanderern im 19. Jahrhundert ging es ein bisschen anders. Im Tenement Museum auf der Lower East Side bekomme ich einen Eindruck, wie die Neuankömmlinge damals lebten ...
Ein Achtstundenflug war alles, was mich in Deutschland von den USA trennte. Immigranten vor 150 Jahren nahmen hingegen eine lange und beschwerliche Überfahrt mit dem Schiff auf sich.
In New York begrüßte sie dann die Freiheitsstatue als Symbol der Hoffnung und Glück in der neuen Welt. Wer es durch das Aufnahmeverfahren und den Gesundheitscheck auf Ellis Island geschafft hat (wer sich heute über die Fragen der Einwanderungsbeamten beschwert, hätte mal damals leben sollen), mietete sich erstmal in ein fünfstöckiges Apartmenthaus in Manhattans Südspitze ein.
Eines dieser so genannten "Tenements", auf der Orchard Street gelegen, ist heute ein Museum, das die Erinnerung an die Einwanderergeschichte der Stadt wachhalten will. Auf einer geführten Tour bekommen wir einen Einblick in die Drei-Zimmer-Wohnung der deutsch-jüdischen Familie Gumpertz, die hier mit zwei Erwachsenen und vier Kindern ab dem Jahr 1863 auf engstem Raum zusammen lebten. In der Wohnung, die noch immer so eingerichtet ist wie damals, fühlen wir uns wie in einer anderen Welt.
Dann erzählt uns der Tourguide Adam, dass der Stadtteil, in dem sich das Tenement Museum heute befindet, damals "Little Germany" ("Klein Deutschland") hieß. In den 1870er und 1880ern wohnten hier so viele deutsche Einwanderer, dass der Stadtteil quasi die fünftgrößte deutsche Stadt der ganzen Welt war.
Heute sind die deutschen Einwanderer überall in der Stadt verteilt. Einen deutschen Stadtteil gibt es nicht mehr. Wenn man heute nach einem Ort sucht, an dem in New York mit nahezuer Sicherheit Deutsch gesprochen wird, geht man am besten zum Times Square. :)







